»Französisch kochen mit Aurélie« von Aurélie Bastian

Leben wie ein Gott in Frankreich – wie ginge das besser als mit der guten französischen Küche? Wenn das noch warme Baguette auf dem Holzbrettchen liegt, während man die Zwiebelsuppe anrichtet und den Quiche aus dem Ofen holt. Die geborene … Weiterlesen

»Silas Corey. Das Zarkoff-Testament« von Pierre Alary und Fabien Nury

Silas Corey ist ein französischer Lebemann und Dandy, wie er im Buche steht. Und er ist ein Doppelagent, der auch schon im Ersten Weltkrieg agierte. Nun ist 1918, der Krieg ist vorbei und Frankreich befindet sich im Siegestaumel. Doch Corey … Weiterlesen

»Blau ist eine warme Farbe« von Julie Maroh

Als die junge Clementine auf Kunststudentin Emma trifft,  wird ihr bisheriges Verständnis von Liebe auf den Kopf gestellt. Das Mädchen mit den leuchtend blauen Haaren fällt ihr auf und geht ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Trotz einer kurzzeitigen … Weiterlesen

»Viviane Élisabeth Fauville« von Julia Deck

Sie sind zweiundvierzig Jahre alt. Ein gerade mal zwölf Monate altes Kind wiegen Sie in Ihren Armen, während Sie in ihrem Schaukelstuhl sitzend in Ihre leere Wohnung starren. Von Ihrem Mann erst kürzlich verlassen, spüren Sie, wie Ihr Leben langsam zerbricht. Aber Sie wissen noch etwas ganz anderes. Eine schreckliche Tatsache. Ihr Psychoanalytiker ist tot. Und Sie haben das Messer gehalten, daß durch seinen Bauch schnitt.

»Sie sind am 15. Oktober ausgezogen, haben eine Kinderfrau gefunden, Ihren Mutterschaftsurlaub aus gesundheitlichen Gründen verlängert, und am 16. November, also gestern, haben Sie ihren Psychoanalytiker umgebracht. Sie haben ihn nicht symbolisch umgebracht, wie man irgendwann den Vater umbringt. Sie haben ihn mit einem Messer der Marke Henckels Zwilling, Serie Twin Profection, Modell Santoku, umgebracht.« (S.14)

Und nun irren Sie durch Paris, um mögliche Zeugen des Vorfalles zu finden und über ihre Beobachtungen auszufragen. Und die Polizei sitzt Ihnen im Nacken, da sie Sie für die Hauptverdächtige halten.

(wagenbach.de)

Viviane Élisabeth Fauville ist eine Frau mittleren Alters, die einen gutbezahlten Job hat und in einem der besten Arrondissements Paris’ lebt. Doch als ihre Beziehung in die Brüche geht, geht es auch mit ihrer seelischen Verfassung rapide bergab. Durch den Mord an dem Arzt und ihrer anschließenden Odyssee durch Paris wird das Spiel um ihrer Persönlichkeit immer verworrener und bald kann man gar nicht mehr wissen, was Realität und was Traum ist.

Dabei kommt das Erstlingswerk der französischen Autorin Julia Deck zuerst wie ein Kriminalroman daher, wie man ihn sehr oft liest. Doch zunehmend wird klar, daß hier viele sonst immer so klar festgesteckte Regeln eines hausüblichen Krimis auf den Kopf gestellt werden und man immer tiefer in einen Strudel gezogen wird, bei dem man nicht weiß, was an dem, was die Protagonistin zu berichten weiß, wirklich wahr ist. Sie verstrickt sich immer wieder in Widersprüche, scheint eine verzerrte Zeitwahrnehmung zu haben und scheint von psychischen Problemen getrieben.

Besonders charakteristisch und spannend sind die Perspektivwechsel. Dabei wird alles aus der Sicht der Protagonistin geschildert, aber sie wählt verschiedene Arten der Distanzierungen und Perspektivwechsel, um ihre Situation möglichst genau erläutern zu können. So findet sich der Leser im Wirbel um Ich-, Sie- und Es-Perspektiven wieder. Oder wie der Psychoanalytiker sagte: das Spiel mit dem Subjekt. Man merkt Vivianes verzweifelte Suche nach sich selbst und ihren Kampf, diese Situation zu meistern, zu schildern und sich davon zu distanzieren, an.

Die Geschichte ist intelligent konstruiert und bietet einen besonders interessanten Wendepunkt, auch wenn man ihn an manchen Stellen schon durchschimmern sieht. Einfach zu lesen ist das Werk aber keinesfalls. Deck schafft es, den seelischen Verfall der Protagonistin auf sprachlicher Ebene besonders eindrücklich darzustellen. Aber gerade das, gepaart mit einem hypotaktischen Satzbau, der manchmal fast gedankenstromartige Züge annimmt, kann den Leser oft verwirren und lange Zeit nicht wissen lassen, was nun eigentlich gerade passiert. Zahlreiche Ortwechsel, die auch die wirre Odyssee durch Paris mit sich bringen, bringen Spannung, wirken aber manchmal recht lose verknüpft. Die Sprache ist äußerst nüchtern und rigide, wodurch eine enorme, unüberbrückbare Distanz zum Geschehen geschaffen wird. Dem Leser wird es unmöglich gemacht, auch nur die kleinste emotionale Verbindung zu einer der Figuren aufzunehmen. Sämtliche Akteure bleiben Schemen und erscheinen eher wie leblose Marionetten denn wie fühlende Menschen. Diese emotionale Distanz findet sich auch in der losen Aneinanderreihung von verschiedenen, nicht miteinander in Verbindung stehenden Taten der Protagonistin, die damit nur ihren tristen Alltag unterstreichen will. Zeitliche, räumliche oder logisch verknüpfende Wahrnehmungen sind Viviane durch ihre seelische Erkrankungen schon bald nicht mehr möglich – und das spiegelt sich in der Art und Weise, wie sie davon berichtet, immer wider.

Bedauerlicherweise gibt es besonders im letzten Drittel der Erzählung einen recht tristen Durchhänger, bei dem man als Leser zunehmend ermüdet. Die Geschichte tritt auf der Stelle, Informationen, die gegeben werden, haben nur bedingt zur Folge, daß es vorangeht. An diesen Stellen schaltet der Leser, gerade durch den verworrenen Schreibstil, schnell ab.

Im Grunde ist es ein eigentümliches Werrk, eines, das man so nicht allzuhäufig in den Regalen findet. Es ist auch kein Wohlfühlbuch, sondern eines, das sich mit der schwierigen Thematik psychischer Erkrankungen und dem Umgang damit befaßt. Dabei ist Julia Deck hoch anzurechnen, mit welchen sprachlichen Finessen sie diese bebildert und dem Leser vor Augen führt, ohne daß er es gleich merkt. »Viviane Élisabeth Fauville« ist ein Versteckspiel zwischen Realität und Wahn, daß im Mäntelchen eines Kriminalromans daherkommt und den Leser immer wieder überrascht und verblüfft zurückläßt.

Bedauerlich sind da nur die zeitweiligen Längen und Durchhänger, die man bei einem Büchlein von gerade einmal 140 Seiten nun gerade nicht erwartet. Empfehlenswert ist das Buch trotz einiger Makel und besonders Leser, die auf der Suche nach Erzählungen sind, die in die Psyche der Protagonisten abtauchen, werden hieran ihre Freude haben.

Ich möchte an dieser Stelle der guten Kef danken, die die wunderbare Aktion der Literatour ins Leben rief, sodaß ich dieses Buch lesen und meine Gedanken dazu hier äußern konnte.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

Die Frankfurter Buchmesse Tag 3

Der Gang zu den Hallen

Und damit ist der letzte Tag der Fachbesuchertage auf der Frankfurter Buchmesse vorbei und morgen wird in den Gängen des Messegeländes wohl die Hölle los sein. Schon heute waren mehr Besucher in den Hallen als es manchmal gut war und man musste sich eher stoßend und drängelnd seinen Weg bahnen. Mein Tag begann mit einer Gesprächsrunde über Buchverbote in Deutschland – einer illustren Runde mit einer Menge Zündstoff im Gepäck, besonders zwischen den Diskutanten Dominik Höch (Jurist) und Rainer Dresen (Justiziar bei Random House), wobei ersterer das strikte Vorgehen der Juristen im Interesse ihrer sich in ihren Rechten verletzt sehenden Klienten verteidigte und Dresen dieses Argument als fadenscheinig entlarven wollte. Insgesamt konnte man dieser Diskussionssrunde, an der auch noch Torsten Kutschke (Deutscher Fachverlag), Katharina Winter (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) und René Kohl (Buchhandlung Kohlibri) teilnahmen, einen sehr gegen die juristischen Abmahnwellen gerichteten Tenor attestieren. Gegenwind bekam Höch, wenn auch nur laut von einerm Zuschauer ausgesprochen, aus dem Publikum. Für diese wirklich interessante Gesprächsrunde hatte die eigentlich anberaumte Stunde keinesfalls gereicht und man konnte nur wenige Fragestellungen aufgreifen und abarbeiten, weshalb es sich im Grunde um die von Höch an das Buchwesen gerichtete Frage drehte, wie es denn um die Kommunikation zwischen Buchhandel, Verlag, Zwischenbuchhandel und Börsenverein bestellt sei, wenn »einfach nur eine Pressemeldung über ein Buchverbot« sofort jegliche Akteure des Buchwesens einfrieren und panisch reagieren lassen würde. Rainer Dresen nahm sich der wiederholt von Höch gestellten Frage mit viel Herzblut an und griff seinerseits das Vorgehen der Anwälte an.

Die nächste Gesprächsrunde war am Stand der UTB – der Fachtaschenbuchverlag, der Studenten vertrauen. Der Iniitiator und die Gallionsfigur der Verlagsgruppe Wulf D. von Lucius stand den Studenten der Hochschule der Medien aus Stuttgart zum Gespräch zur Verfügung und so wurde in lockerem Umgangston über den Verlag in der Vergangenheit und der Gegenwart, über Markenbildung und Innovationen im Buchwesen gesprochen und zum Schluss die Studenten über ihre Wünsche befragt. Ja, von Lucius hat zu den Studenten (besonders der Medienbranche) einen wahrlich guten Draht.

Auf die im Anschluss folgende Diskussion hatte ich mich schon seit gestern abend, als ich meinen Terminplan für heute erstellte, gefreut. Das Buch, von dem ich gestern schon recht euphorisch berichtete, war heute wieder im Mittelpunkt. »Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog« von dem australischen Historiker und Schriftsteller Christopher Clark stand unter dem Titel »Was lehrt uns der Erste Weltkrieg?« und Klaus von Dohnanyi, Derk Haank, Thomas Schmid, Cora Stephan, Michael Stürmer und Christopher Clark sprachen über die Gründe, die zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führten, über die Folgen, die aus dem ersten wirklich großen Vernichtungskrieg und dem Frieden entstanden und über die Lehren für die Jetzt-Zeit. Dabei herrschte unter allen anwesenden Diskutanten der Konsens, dass die Alleinschuld lang genug auf Deutschland abgewälzt wurde und man endlich mal den Krieg ordentlich und angemessen aufarbeiten muss.
Diese Diskussionsrunde war auch die erste, bei der niemand währenddessen aufstand und die Halle verließ – im Gegenteil, die Runde wurde nach und nach immer größer. Das Interesse an dem Thema war spürbar da und es bewegte die Zuhörer auch sehr.

Der Brasilien-Pavillion

Der Brasilien-Pavillon

Es war kurz nach 1 Uhr, als ich die Halle 4.2 in Richtung Kantine verließ, in der Hoffnung, dort eine kleine brasilianische Leckerei zu ergattern, doch als ich der Preise gewahr wurde, wusste ich, dass es damit (außer einem Stück Kuchen) nichts werden wird. Und morgen wird der Preis für das Essen nochmals gestiegen sein. So nutzte ich meine Anwesenheit in der Nähe des Forums gleich dafür, mich in der Brasilienhalle unzusehen und wer letztes Jahr, als Neuseeland Gastland war, auf der Messe und im Pavillon war, wird hier einen frappierenden Unterschied feststellen können. War es letzte Jahr Nacht im Pavillon, ein See, in dem sich die Sterne von der Decke spiegelten und sie Klänge und Stimmen der Dichter im Dunkel ertönten, so ist dieses Jahr der Pavillon hell erleuchtet, bunt und ein wahrer Tummelplatz verschiedener Impressionen, der zum Ausruhen und Lesen brasilianischer Perlen einlud. In einer Ecke voller bequemer Liegematten konnte man die Seele baumeln lassen und sich über Kopfhörer Rezitationen verschiedener Gedichte anhören und in einem abgetrennten Bereich gab es, wie jedes Jahr üblich Lesungen verschiedener Autoren des Landes.

So war mein Tag denn bald zu Ende und ich ging zur letzten Veranstaltung, die noch in meinem Kalender dick umrahmt war.  Von deutsch-französischen Sender ARTE soll ab Dezember zum 50-jährigen Jubiläum des Élysée-Vertrages eine zehnteilige Sendung über das Verhältnis von Deutschen und Franzosen ausgestrahlt werden. Unter dem Titel »Geliebte Feinde – Die Deutschen und die Franzosen« soll der historische Weg beider Völker gezeigt werden, Zerwürfnisse, Feindschaften aber auch Freundschaften. Ein humoristischer und besonders auch die Jugebd ansprechender, aber geschichtlich fundierter Beiträg zur Vertiefung der Freundschaft zu unseren Nachbarn soll es werden. Ob das gelungen ist, können wir ab dem 2. Dezember auf ARTE sehen.

So, und nun steht nur noch ein Tag Buchmesse vor mir. Ich werde es bedauern, dass die Buchmesse für mich dann zu Ende ist, denn es war wie so oft sehr lehrreich und spannend, aber ich denke, es ist noch zu früh für ein Resümee. Warten wir lieber noch den morgigen Tag ab. Wahrscheinlich wird es morgen ein Kraftakt werden, mir meinen Weg durch die Massen zu bahnen. Aber das ist an den Publikumstagen doch immer so gewesen und wird auch immer so sein.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai