»Lindbergh. Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus« von Torben Kuhlmann

Man sagt, für eine gute Geschichte sei man nie zu alt. Daß dieser Spruch durchaus seine Richtigkeit hat, beweist Torben Kuhlmann, seines Zeichens Buchillustrator, mit seinem Kinderbuch »Lindbergh. Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus« eindrucksvoll. Der NordSüd-Verlag, bei dem das Buch 2014 erschien, verzichtete wohl bewußt darauf, dem großformatigen Buch eine Altersempfehlung beizulegen und man weiß auch nach der Lektüre nicht recht, ist es nun eher ein Bilderbuch für Vorschulkinder, mit denen die Eltern gemeinsam lesen, ist es doch eher schon für die selbstständige Lektüre technikbegeisterter Kinder oder ist es gar am Ende einfach auch ein schönes Geschenk für die erwachsene Generation, die sich einfach die Liebe und Freude an solchen Geschichten behalten hat.

Die kleine Maus hat ihr Zuhause in der prosperierenden Stadt Hamburg des 20. Jahrhunderts gefunden, in einer Zeit, die geprägt ist von Erfindungen und technischen Neuheiten. So auch eine, die die Menschen in den dichtbebauten Großstädten vor kleinen Nagern schützen soll; der Maus, die sich gern in den Häusern der Menschen herumtreibt und mit Vorliebe deren Bücher liest (nein, nicht anknabbert), aber das Leben schwermacht: die Mausefalle. Eines Tages wundert sich die kleine Maus, wo alle ihre Freunde hin sind und entdeckt, daß sie aus Furcht vor den zahlreichen Fallen und Katzen als blinde Passagiere an Bord eines der zahlreichen Schiffe nach New York flüchteten. Als dieser Versuch der kleinen Maus scheitert, schmiedet sie den tollkühnen Plan, mit einer fliegenden Maschine ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu gelangen. Also erforscht und probiert sie neue Techniken aus, erleidet Rückschläge und wird von hungrigen Jägern verfolgt, denen sie mit Flinkheit und Finesse ausweichen muß, um zu ihrem Ziel zu gelangen.

Immer, wenn ich in einer Buchhandlung mein Gemüt entspanne, kann ich nicht umhin, auch die Kinderbuchabteilung zu besuchen und nach Neuheiten, Besonderheiten oder Altbekanntem Ausschau zu halten. Und da stach mir doch der Titel des schmalen, aber großen Buches ins Auge: Lindbergh. Sofort an den bekannten Piloten Charles Lindbergh denkend, der als erster den Nonstopflug über den Atlantik schaffte, griff ich nach dem Buch und war schon in der ersten Sekunde hellauf begeistert. Dieses Buch kann man getrost einmal als Gesamtkunstwerk bezeichnen, das nicht nur Kindern, sondern in erster Linie auch den Erwachsenen sehr gut gefallen dürfte. Hier hat man nicht nur ein bebildertes Kinderbuch, hier ist eine kozenptionell gut durchdachte und stimmige Geschichte erzählt. Oft sind es liebevoll gezeichnete Doppelseiten, aber auch plastisch gestaltete Seiten, die wie Pinnwände oder Zeitungsblätter aussehen, finden sich – fast wie in einem Album, das die Maus anfertigte, um ihre Erlebnisse für die Mäusenachwelt festzuhalten.

Sein zeichnerisches Talent bringt Kuhlmann in hohem Maße in dieses Buch ein, allein die Tiere wirken derart lebhaft und detailliert und auch sein Auge für Lichtstimmungen und den Aufbau gelungener Szenerien muß erwähnt werden. Kuhlmann liebt das Spiel mit den Perspektiven und Größenverhältnissen und findet immer wieder Wege, die (technischen) Gegebenheiten auch in die viel kleinere Mäusewelt zu überführen. So zeichnet die Maus nicht mit einem Stift, sondern angebrannten Streichhölzern, ihre Wärmequellen sind Feuerzeuge und die für die Mechanik benötigten Zahnräder stibitzt sie aus den Uhren der Menschen (wie noch einiges anderes). Der Leser wird bei der Lektüre allerhand entdecken können, was er auf den ersten Blick gar nicht wahrnahm, seien es kleine, versteckte Gegenstände oder Texte.

Die Texte, die in Zusammenarbeit mit Suzanne Levesque entstanden, sind meistens kaum länger eine halbe Seite, aber das ist hier keineswegs negativ, da sie von literarischer Qualität geprägt sind. Einige Begriffe werden Kinder, wenn sie das Buch selbst lesen, nachfragen, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch, da sie spannend und informativ geschrieben ist. Für ein besseres Verständnis der in der Erzählung vorkommenden Techniken wird danach auch noch ein kurzer Abriß der Luftfahrtgeschichte gegeben, sodaß die Namen der Gebrüder Wright, Otto Lilienthals und natürlich auch des Namensgebers Charles Lindbergh und ihre Leistungen nicht unbekannt bleiben.

Ich habe selten ein Kinderbuch in den Händen gehabt, das mich so restlos begeisterte und dem ich mich mit Hingabe widmete, es immer wieder las, durchblätterte, einzelne Bildsequenzen genauer in Augenschein nahm, das Buch herumzeigte und andere mit dieser Begeisterung ansteckte. Und auch wenn 18,00 Euro auf den ersten Blick viel scheinen, bei diesem Buch ist der Preis gerechtfertigt.

»Ein Wagnis für eine kleine Maus – ein großer Schritt für die Fliegerei«

Live. Love. Be. Belive.

Eure Shaakai

»Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe« von Guido Maria Kretschmer

Er ist ein bekannter Modeschöpfer, noch bekannter ist er aber dank seiner TV-Formate wie »Shopping Queen«, in der täglich Frauen aus ganz Deutschland das perfekte Outfit suchen. Daß diese Suche scheinbar kein Ende nimmt, beweisen zahlreiche Stilratgeber, die versuchen, Frauen … Weiterlesen

»Die blödesten Gesetze der Welt. Kuriose Vorschriften, absurde Klagen und skurrile Urteile« von Roman und Alexandra Leuthner

»Wenn man alle Gesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten.« Was Johann Wolfgang von Goethe hier mit knappen Worten zu sagen pflegt, kommt einem nach der Lektüre von Leuthners Buch »Die blödesten Gesetze der Welt« gar nicht mehr so abstrus vor.

Roman und Alexandra Leuthner, ihres Zeichens Sozialwissenschaftler, studierten aber zahlreiche Gesetzbücher und fanden nebenbei noch die Zeit, allerlei Kuriositäten, die sie dabei aufspürten, niederzuschreiben. Herausgekommen sind dabei zwei Bücher: Nackt duschen verboten und Der Luftraum darf mit dem Fahrrad nicht verletzt werden, die jetzt im Sammelband Die blödesten Gesetze der Welt. Kuriose Vorschriften, absurde Klagen und skurrile Urteile vereint wurden. Zu finden sind darin im ersten Teil vorranging Gesetze aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, dessen Legislative auch keine Grenzen zu kennen scheint und die an veralteten Gesetze aus der Zeit des Wilden Westens, als sich Cowboy und Indianer noch Gute Nacht sagten, festhält und neben noch die prüde Seite der Puritaner in voller Blüte auslebt. Ja, nackt duschen ist nun einmal verboten.
Dieses Buch zu lesen bedeutet Kurzweiligkeit, aber nicht mehr. Es ist kein Buch zum Wissenserwerb, sondern zum Amüsement, doch wenn man es am Stück liest, bekommt dieser Schwall aus unsinnigen Gesetzen einen Anstrich aus Beliebigkeit. Da können auch leicht komische Kommentare der Autoren, mit denen sie versuchen, für Auflockerung zu sorgen, nicht viel helfen. Man liest das Buch, klappt es zu und widmet sich dem nächsten Buch, ohne noch einmal groß über das in simplen schwarzem Kunstleder eingebundene Buch nachzudenken. Im Ganzen wirkt es sowieso recht billig und lieblos produziert, auch wenn man sich gerade im Äußeren Erscheinungsbild bemühte, es möglichst wie ein juristisches Buch aussehen zu lassen. Nun sind diese Bücher aber auch nicht gerade für ihrer Ästhetik bekannt. Erschwerend kommen hier noch zahlreiche stilistische Schnitzer hinzu – so viele fehlende Leerzeichen beziehungsweise irrtümlich zusammengeschriebene Worte sah ich noch in keinem Buch zuvor. Das alles trübte den Lesegenuß enorm und hinterließ schlußendlich die Gewißheit, daß man dieses Buch einfach nicht lesen muß. Gewiß, man kann, damit man einen Grund mehr hat, über abstruse Gesetze den Kopf schütteln zu können; man könnte die Zeit aber auch anderweitig verwenden.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

»Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken. Die schrägen Typen der Pariser Journaille« von Honoré de Balzac

»Es sind Besessene, deren harmloser Wahn den gläubigen Abonnenten einlullt und den selbstdenkenden Abonnenten belustigt.« (S. 10) Wo Honoré de Balzac hinschlägt, da wächst selten noch Gras. Sein diesmaliger Hieb geht vorallem gegen die Pariser Journalisten und Zeitungen, die gerade … Weiterlesen

Heile, heile Segen…

Und mal wieder hatte ich ein Büchlein, das in einem desolaten Zustand zu mir kam. Es war eine kleine Broschur, klammergeheftet, doch komplett in Lagen auseinandergefallen und vom Umschlag gelöst, an dem noch die ausgehärteten Hartleimreste klebten.

Ich begann damit, die einzelnen Lagen zu enteisen. Dieser Begriff beschreibt den Vorgang, die metallenen Klammern zu entfernen. Dies‘ geschieht nicht nur aus Gründen der anschließenden Fadenheftung, auch weil der Rost über die Zeit das Papier zerfrißt. Nachdem alle Klammern heraurausgenommen waren, ging es ans Heften der Lagen.

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Nachdem der Block fertig geheftet ist, wird der Rücken abgeleimt. Hierfür verwendete ich Kleister. Bei diesem Vorgang wird der Leim auf den Buckrücken aufgetragen und zwischen die Lagen massiert, wodurch die Lagen zusätzlich noch verbunden werden.

Während der Buchblock trocknet, widmete ich mich dem Umschlag und seinen Kleberesten. Ich hatte einige Messer zur Auswahl, entschied mich aber erst für Zahnarztbesteck, um das Grobe abzuschaben, danach schnitt ich mit dem Skalpell die Reste ab. Da durch diesen Prozeß das Papier des Umschlages ausgedünnt wurde, habe ich danach den Rücken mit einem Papierstreifen verstärkt.

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Nachdem Umschlag und Block an- bzw. getrocknet waren, habe ich beide zusammengehängt, sprich, den Buchblock mit dem Umschlag verbunden. Zum Pressen mußten mal wieder meine Bücher herhalten, die mit ihrem Gewicht auf dem Broschürchen lasten sollten.

Und das Ergebnis sieht nun so aus:

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

»Französisch kochen mit Aurélie« von Aurélie Bastian

Leben wie ein Gott in Frankreich – wie ginge das besser als mit der guten französischen Küche? Wenn das noch warme Baguette auf dem Holzbrettchen liegt, während man die Zwiebelsuppe anrichtet und den Quiche aus dem Ofen holt. Die geborene … Weiterlesen

22. Mainzer Kolloquium

Von mir gibt es heute mal einen kleinen Programmtipp. Wer sich am 27. Januar diesen Jahres in oder  um die schöne Rheinlandpfälzische Hauptstadt Mainz befindet, dem sei das XXII. Mainzer Kolloquium mit dem Thema »Buch und Fotografie« ans Herz gelegt, das die Johannes Gutenberg-Universität ausrichtet.

Hier kann man sich das Programm näher besehen. Die Teilnahme ist kostenfrei, nur um eine Anmeldung zwecks Planung wird gebeten.
Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.