»Generation Beziehungsunfähig« von Michael Nast

»Generation Beziehungsunfähig« – warum dieses Buch? Nunja, der Titel des Buches sprach mich an. Ich unterhielt mich gerade mit meinem Freund über die gescheiterten Beziehungen unserer Freunde, die eine nach der anderen in die Brüche gingen, wieder gekittet wurden, nur um nachher mit einem noch größeren Krach zu zerbrechen. Und es waren fast immer nur Kleinigkeiten, um die sich die ausufernden Diskussionen drehten, die schlußendlich schon nach einem halben Jahr dazu führten, daß sich die Wege der Paare trennten. Ist das die Generation Beziehungsunfähig, von der Nast spricht? In Erwartung auf eine Antwort schnappte ich mir also das Buch und begann zu lesen.

Michael Nast ist ein in Berlin lebender Kolumnist, dessen Augenmerk immer auf der Betrachtung seiner Umgebung liegt. Er ist dabei aber weniger Analyst als beschreibender Beobachter und das merkt man seinen Kolumnen an. Sein Buch »Generation Beziehungsunfähig« ist kein Ratgeber oder Sachbuch, sondern versammelt auf knapp 300 Seiten bekannte und weniger bekannte Artikel Nasts zu den Themen Beziehung, Beruf und Selbstoptimierung, sowie dem grassierenden Jugendwahn. Daß die einzelnen Texte deswegen manchmal etwas zusammenhangslos gegenübergestellt werden, hätte man aber sicherlich vermeiden können. Außer der vierteiligen Gliederung ist kein wirklicher roter Faden erkennbar und man bekommt einfach das Gefühl eines Geschichtenerzählers, der über Dies‘ und Das plaudern will. Auf diesen Umstand weist der Autor aber schon ehrlicherweise in seinem Vorwort hin und man mag es ihm nicht negativ anrechnen.

Was man aber durchaus kritisch anmerken kann, sind stilistische und grammatikalische Unsauberkeiten, die sich durch den Text ziehen und die sogar beim entspannten, schon überfliegenden Lesen, das sich bei der Trivialität des Textes fast nicht vermeiden läßt, ins Auge fallen.

»Das war der Moment, in dem ich mir Waffen wünschte. Ich hatte knappe drei Stunden gebraucht, um herauszufinden, dass ich nur abwarten konnte. Das [sic!] ich ausgeliefert war. Abhängig.« (S. 213)

Ebenso unangenehm und störend sind ständige Wiederholungen von Zitaten oder Phrasen, die Nast einfach sehr zu schätzen scheint und deswegen den Leser damit belegen will. So fällt der gutgemeinte Ratschlag »Das Problem mit dem Perfekten ist allerdings, das [sic!] man diesen Zustand nie erreicht.« auf Seite 75 und wortgleich nochmal vier Seiten später. Da fragt man sich, ob der Lektor schlief, den Autoren einen Anflug von Vergeßlichkeit heimsuchte oder er selbige beim Leser vermutet. Und das ist nur eines von einigen Beispielen.

Auch von seinen zahlreichen Bekannten, Freunden und Fremden mag man irgendwann nicht mehr lesen. Jedes Kapitel ist nach demselben Schema konstruiert: der Autor trifft wahlweise auf einen verzweifelten guten Freund, der Hilfe braucht oder auf einen alten Bekannten, mit dem er mal wieder ein Bierchen trinken geht (im Ganzen scheint Nast ein Verfechter eines regen Alkoholkonsums zu sein, gerade wenn es darum geht, unliebsame Begegnungen sich angenehmer zu trinken) und der ihm sein Leid klagt. Und dann schildert Nast eben dieses Unglück und seine Gedanken dazu. Daß er dabei ein Faible für einen parataktischen Satzbau hat, merkt man schnell. Besonders als Abschlußsatz wirft gern er seine kurzen Gedanken ein – oder eben nur ein Wort – und das wirkt bereits nach der dritten Glosse in Folge mehr lächerlich denn lyrisch schön.

»Also nutzt eure Talente, verwirklicht eure Träume. Wagt etwas. Springt. Bevor ihr das Wort „eigentlich“ durch Worte wie „hätte“ und „wäre“ ersetzen müsst. Durch Worte, die verpasste Chancen umschreiben. Denn dann hat man sich arrangiert. Dann hat man wirklich aufgegeben. Endgültig.« (S. 90f.)

Diese stilistischen Fehlgriffe sind aber schlußendlich nicht der Grund gewesen, weshalb ich sehr froh war, als ich endlich das Buch, wenngleich virtuell, schließen konnte. Widersprüchliche Aussagen und Meinungen, die sich gern mal zwischen zwei Glossen wandeln können, sind weitere Gründe. Mal ist es schön, allein zu sein, weil Beziehungen einen an der eigenen Entfaltung hindern und man sich wohl noch am Sterbebett – die Hand seiner immer keifenden Ehefrau haltend – fragt, was man eigentlich erreichte und ob anstelle der Heirat nicht doch der Motorradführerschein die bessere Wahl gewesen wäre; mal ist das eben wieder nicht in Ordnung und zeigt nur, wie krank unsere Gesellschaft sein soll.
Sauer ist mir aber auch Nasts Frauenbild aufgestoßen – es dürfte nicht verwundern, warum er selbst in das Schema dieser beziehungsunfähigen Personen, die er beschreibt, paßt und immer noch als Single in der Großstadt Berlin lebt. Frauen über 30 haben bei ihm per se wohl keine Chancen mehr, da sie schon im Verwelken begriffen sind, während sich der Mann in diesem Alter langsam aber sicher Concealer um die Augen schmiert, um seinen Reifeprozeß zu beschleunigen. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.
Und was darf dann noch nicht fehlen? Natürlich, Dialekt-Bashing. Und es trifft – mal wieder – das böse, häßliche Sächsisch. Nast, der anscheinend der Meinung ist, daß Dialekte ohnehin ungemein abstoßend sind, hat, als eine – wieder einmal – gute Freundin auf einen, tiefstes Sächsisch sprechenden Mann traf, folgendes für die Situation übrig:

»Es war klar, dass sie nicht mehr über ihren Traummann sprach, eher über jemanden mit dem Charme eines Edeka-Filialleiters. Kristin blickte mich abwartend an. Ich hatte das Gefühl, als würde von meinem nächsten Satz viel abhängen. „Vielleicht hilft ein Logopäde“, sagte ich zögernd.« (S. 198)

Also, liebe Norddeutschen, Bayern, Schwaben und, ganz besonders, Sachsen (andere Dialekte nicht ausgenommen): ab mit euch zum Logopäden, sonst findet ihr nie jemanden und alle potentiellen Heiratskandidaten laufen euch vor der Nase weg, weil ihr die Anziehungskraft eines Filialleiters habt.

Was am Ende von dem Buch bleibt? Nichts. Michael Nast mag ein erfolgreicher und gern gelesener Kolumnist sein, ein geborener Autor ist er in meinen Augen keineswegs. Die Lektüre brachte mich weder sonderlich weiter, noch war sie genußvoll und unterhaltsam – im Gegenteil, irgendwann wurde sie eher langweilig und vorallem eines: vorhersehbar.

Live.Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

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