»Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe« von Guido Maria Kretschmer

Er ist ein bekannter Modeschöpfer, noch bekannter ist er aber dank seiner TV-Formate wie »Shopping Queen«, in der täglich Frauen aus ganz Deutschland das perfekte Outfit suchen. Daß diese Suche scheinbar kein Ende nimmt, beweisen zahlreiche Stilratgeber, die versuchen, Frauen einen Leitfaden an die Hand zu geben, sich passend zu ihren physiognomischen Gegebenheiten anzukleiden. In diese Riege möchte sich nun auch Guido Maria Kretschmer einreihen und helfen, Frauen verschiedener Körperformen richtig anzuziehen. Dabei stellt er zuerst die verschiedenen Körperformen, denen er während seiner Designerkarriere immer wieder begegnete, vor – beweist dabei auch mehr oder minder wortschöpferische Kreativität, wenn er Frauen, deren Vorzüge vorallem im Bereich eines nicht zu übersehenden Hinterns liegen, als Erdmädchen bezeichnet oder die großen, markanten Frauen als Walkürentypen tituliert – um dann anhand eines Beispiels aus seiner Praxiserfahrung diesen Figurentyp näher vorzustellen. Im Anschluß an jedes Kapitel benennt er dann passende Schnitte, Farben, Formen und Accessoires für entsprechenden Körpertyp und Anlaß. Dabei verliert sich aber trotzdem alles in einem seichten Geplauder und einer unübersehbaren Belanglosigkeit. Wer Kretschmers Sendungen immer mal wieder anschaut, wird diesen Hang des Designers zu Geplauder wiedererkennen. Man mag sagen, daß gerade macht ihn sympathisch und authentisch, doch das macht ihn nicht automatisch zu einem besseren Autoren, dessem geschriebenen Wort man gern folgen mag.

»Ein Buddhagirl ist im günstigsten Fall eine männliche Statue in Asien. Im ungünstigsten Fall eine Hausfrau im bergischen Land. Wir reden hier nicht von einem schmal liegenden Thaibuddha mit Goldkrönchen, sondern von einem Runden mit erheblicher Leibesfülle, starken Armen, dicken Beinchen, der dem Vergleich mit einem Sumoringer standhalten würde.« (S. 147)

Im Gegenteil, immer wieder scheint doch eine gewisse Arroganz und Überheblichkeit durch und auch wenn Kretschmar gern beteuert, wie wichtig ihm jeder Frauentyp ist und daß jede Frau ihre innewohnende Schönheit hat, bekommen Zeilen wie diese einen bitteren Beigeschmack. Guido, der Retter schlecht angezogener Kugelfischmädchen und Buddhagirls – das muß man sich wohl eher nicht antun.
Noch dazu ist dieses Buch eher für Frauen geeignet, die bereits eine textile Vorbildung besitzen bzw. mit den zahlreich um sich geworfenen Modebegriffen etwas anfangen können und wissen, welches Accessoire nun damit gemeint ist. Da hätten Illustrationen, die über das Kapitelbild (eine Zeichnung Kretschmers, wie er sich den Frauentyp vorstellt) hinausgehen, sicherlich eine Unterstützung sein können.

Wer sich schlußendlich durch die oft nichtssagenden Plaudereien über diverse »Meisenkeiserchen« (Kretschmers variantenreiches Pseudonym für die Frauen, über die er spricht) las, bekommt danach nochmal jeden Figurtyp auf einer halben Seite zusammengefaßt – und zu dieser Zusammenfassung bleibt mir nur zu sagen: unnötig. Weder wurden damit die Kapitel auf eine lesbare und informative Quintessenz zusammengedampft noch neue Informationen geliefert. Man hätt’s auch weglassen können. Einzig das letzte Drittel, in dem Kretschmer neben etwas stumpfsinnigen Tips zur Kleidungspflege und Ordnung im Schrank sowie Ermahnungen zum »Weniger ist mehr beim Kleiderkauf« auch diverse Textilien vorstellt, enthält für den Leser interessante Passagen.

Ansonsten bleibt dieses Buch der hoffnungslose Versuch, eloquent über Mode und Typen reden zu wollen und es verschrumpelt zu einem seichten Geblubber über Dies‘ und Das aus Guidos Modezirkus. Weder wird sich der Großteil der Leserinnen exakt einer Kategorie zuordnen können (und seien wir ehrlich, niemand will – gerade nicht nach Kretschmers Schilderungen – ein Kugelfisch sein), noch wirklich hilfreiche Anregungen für sich finden. Und so bleibt nur: entweder man hat Modebewußtsein oder eine gute Freundin, die darauf ein Auge hat – oder eben nicht.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

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