»Französisch kochen mit Aurélie« von Aurélie Bastian

Leben wie ein Gott in Frankreich – wie ginge das besser als mit der guten französischen Küche? Wenn das noch warme Baguette auf dem Holzbrettchen liegt, während man die Zwiebelsuppe anrichtet und den Quiche aus dem Ofen holt.

Die geborene Französin Aurélie Bastian versucht uns seit über sieben Jahren mit ihrem mittlerweile sehr berühmt gewordenem Blog franzoesischkochen.de uns die vielfältige Welt der französischem Küche näherzubringen. Dabei scheinen die Möglichkeiten, ein französisch angehauchtes Mahl zu bereiten, gar nicht auszugehen und immer noch wird Bastian nicht müde, schöne Rezeptideen zu veröffentlichen.

Im Bassermann Verlag ist 2015 das Kochbuch »Französisch kochen mit Aurélie« von Aurélie Bastians erschienen, in dem sie mit uns ihrer besten Rezepte und Erfahrungen sowie Ratschläge teilen möchte. Geworden ist daraus ein für heutige Kochbücher doch schon ungewöhnlich großes, festeingebundenes Buch, das man so oft gar nicht mehr im Küchenbereich antrifft.
Kaum hat man den großen Buchdeckel umgeschlagen, betrachtet man erste ganzseitige Aufnahmen schön angericheter Speisen und stößt wenige Seiten darauf auf der inhaltsverzeichnis und erkennt: Hier ist für jeden was dabei. Vorspeisen und kleine Gerichte, Fisch und Fleisch landen ebenso auf dem Teller wie gutes Gemüse und als Abschluß des Menüs gibt es ein Dessert.

Den meisten Rezepten werden eine Doppelseite gewidmet, wobei auf der einen Seite die Anleitung steht, die mit einem Bild illustriert wird, das entweder das fertige Gericht oder die Zubereitung abbildet. So wie auf ihrem Blog zeichnet sich Aurélie Bastian auch für die Bilder im Kochbuch verantwortlich und man kann Bastian ein fotografisches Auge und das Talent für das Arrangement nicht absprechen.

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Ein Baguette gebacken nach der Anleitung Aurélie Bastians.

Jede Rezeptseite ist ähnlich aufgebaut. Zuerst ist der französische Name des Gerichtes und dessen deutsche Übersetzung zu lesen, dann folgt ein mehr oder weniger kurzer Text, in dem Bastian ihre persönliche Verbindung zu dem Gericht schildert, so wie man es auch aus ihrem Blog kennt. Anschließend folgen die textliche Anleitung sowie, linkerhand angeordnet, die Zutatenliste. Manchmal wird am Ende auch noch ein kleiner kulinarischer Tip gegeben.
Aberundet wird das Buch abschließend mit einigen Tricks und Informationen rund um die französische Küche, ein kleines Lexikon der gebräuchlichsten Begriffe sowie Übersichtstabellen zur Gar- und Bratzeit unterschiedlicher Fleischsorten beispielsweise finden sich auch noch im Anhang.

Daß erfolgreiche Blogger die Möglichkeit erhalten, ein Buch zu publizieren, ist keine Seltenheit mehr (wie Frau Freitag bewies) und so reiht sich Aurélie Bastian in eine Reihe anderer Bücher ein, die ihren Ursprung in Netzpublikationen haben. Ausländische Küchen haben schon immer einen großen Reiz ausgelöst und demensprechend beliebt sind gut aufgemachte und informative Kochbücher dazu. Da trifft es sich natürlich gut, daß Aurélie Bastian, eine geborene Französin, sich bestens mit der Materie auskennt und es auf ihre eigene, sehr liebenswürdige und nahbare Art dem Leser nahebringt.

»In Frankreich lieben wir diesen [Hachis Parmentier] Auflauf. Es ist ein typisches Familienessen. Heutzutage als Maman bereite ich es selbstverständlich auch zu. Ich habe es (wie alle französischen Mamans) als Geheimwaffe entdeckt. Man kann eigentlich fast alle unbeliebten Gemüse darin verstecken und es schmeckt immer himmlisch. Also wenn wir Besuch von kleinen Kindern haben, die zum Beispiel keine (AUF KEINEN FALL!) Zucchini essen, reibe ich einfach eine ganze Zucchini in die Pfanne und brate sie mit dem Hackfleisch! Und Abracadabra! Versteckt! Die Kinder haben es bis jetzt immer gegessen und geschworen, dass ihre Mama nicht so gut kochen kann.« (S. 112)

Dieser Ton ist nicht der eines Fünf-Sterne-Kochs, sondern der einer bodenständigen, lebenslustigen Frau, die das Kochen für ihre Familie einfach liebt und genau diesen Enthusiasmus weitergeben möchte. Und daß sie das schafft, beweisen nicht nur ihr Blog und ihre TV-Sendungen sondern auch eben dieses Buch. Man blätter gern darin und entdeckt auch, daß viele der Speisen gar nicht so aufwendig in der Zubereitung sind, wie sie scheinen und daß die französische Küche mehr umfaßt als nur Käseteller und Mousse au chocolate.
Dem kommt das große Format sehr entgegen, was dazu einlädt, sich gemütlich hinzusetzen und das Buch durchzublättern und sich die großen Abbildungen genauer zu besehen und sich an der doch recht gelungenen Typographie zu erfreuen, die die Seiten mit farblichen Akzenten und schönen Typen verschönert. Als reines »Küchenbuch« scheint es mir aber dann doch gerade aufgrund des Gewichtes und der Größe ungeeignet, würde es doch ständig im Weg liegen und Gefahr laufen, schmutzig zu werden. Auch ich hatte es immer auf einem anderen Tisch liegen und lief bei jedem neuen Arbeitsschritt zu diesem, um einen Blick auf das Rezept werfen zu können.

Mit einem nicht ganz so lobenden Wort muß ich aber die Druckqualität erwähnen. Gerade in Zeiten, in denen die wenigsten Menschen Kochbücher noch zum Zwecke der direkten Nutzbarkeit in der Küche kaufen und viele Kochbücher eher zu exotischen Coffee Table Books werden, die man herumreichen kann und mit denen man zeigt, daß man nicht nur kulinarisches Interesse sondern auch Sinn für schöne Bücher besitzt, erscheint es doch geradezu essentiell, daß auch die Kochbücher jeden Sinn ansprechen.
Und gerade bei den Bildern ist das hier nicht so gut gelungen, wie man das aus anderen, modernen Kochbüchern mittlerweile gewohnt ist. Manchmal wirken sie matt und kontrastarm und erinnerten doch so bißchen an die Kochbücher der 90er Jahre. Auch daß anscheinend nicht alle Bilder an die Maße der Seiten angepaßt waren, fiel unschön ins Auge, wenn man bemerkte, daß gerade bei dem Bildern auf Doppelseiten diese nicht bis in den Falz gedruckt waren.
Ich habe das Buch auch Verwandten und Freunden gezeigt und alle waren sich einig, daß es zwar ein schönes Buch sei und sie daraus auch das eine oder andere Gericht gern mal kochen würden, allerdings würden sie für dieses Kochbuch keine 19,99 Euro ausgeben.

Ich kann den Preis verstehen und finde ihn angesichts des vorliegenden Buches auch nicht sehr ungerechtfertigt, allein schon der Materialien wegen, doch auch ich würde mich in den Tenor einreihen und einige Gedanken darauf verschwenden, ob ich für dieses Buch wirklich fast zwanzig Euro bezahlen würde. Die Gerichte sind gut beschrieben und sind leicht nachkochbar, die äußere und innere Aufmachung sprechen von Geschmack und versuchen sich ein bißchen an die leichtefüßige, verspielte Gestaltung ihres Blogs anzupassen und doch sind die Mängel gerade beim Druck für mich ein Ärgernis bei einem Kochbuch, das (gerade) nicht nur Hilfswerk des Kochs sein will, sondern ästhetisches Kunstwerk; das bewundert werden will, dessen schöne Bilder man sich wie Fotografien exotischer Plätze anschaut und dabei das Bedürfnis empfindet, genau das auch erleben zu wollen.

Ich danke Bassermann (Randomhouse) für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

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