Frankfurter Buchmesse 2015 || Tag 4

Bloggerfrühstück.

Bloggerfrühstück.

Ich weiß, warum ich die Buchmesse an dem Wochenende lieber meide, aber diemal zog mich noch ein Bloggertreffen. Um genau zu sein, das Bloggerfrühstück, das vom Aufbau-Verlag und dotbooks ausgerichtet wurde. Pünktlich auf dem Messegelände angekommen, wurde ich der ersten Menschenmenge gewahr, die sich die Rolltreppen hinaufzwängte und man schob und quetschte, als gäbe es kein Morgen. Mit dabei auch die schon zum Publikumstag gehörenden Cosplayer, die mit weit ausladender Kleidung Platz für drei einnahmen und deren über Gebühr großen Waffenimitaten dem einen oder anderen Messebesucher vor dem Gesicht herumschwangen.

Stand von Bastei Lübbe.

Stand von Bastei Lübbe.

Ich ging also so gut es möglich war, zum Stand von dotbooks, von weitem schon eine dicht gedrängte Ansammlung erblickend. Ich gelangte zum Glück recht gut bis an den Tresen, auf dem unsere Namensschilder lagen, bekam noch einen Beutel mit allerlei Krimskrams in die Hand gedrückt (gefühlte 95% für mich nicht relevante Werbung und ein Buch, für das ich danken kann und es wohl auch lesen werde, das aber so gar nicht meinen Interessen entspricht und für das kostenlose Werbung durch Blogger wohl sehr nötig scheint) und war dann bemüht, in der lauten, gedrängten Menge ein bekanntes Gesicht zu sehen, doch leider erfolglos. Ein wenig von der Masse erdrückt, flüchtete ich doch in ruhigere Hallen und flanierte von Stand zu Stand, um mir fehlende Verlagsvorschauen meiner präferierten Verlage mitzunehmen. Eigentlich wollte ich auch noch andere Bloggertreffen wie das von Vorablesen oder lovelybooks gehen, hatte dann aber doch wenig Muse für solche Gedrängeszenen. Und wenn ich auch lese, wie es anderen Bloggern erging und wie schlimm die Zustände auf manchen Treffen waren, bin ich wohl auch ganz froh, mir diese nicht angetan zu haben.

Ausstellung der Buchpreisgewinner.

Ausstellung der Buchpreisgewinner.

Ich hatte dann zwar noch ein paar schöne Präsentationen mir vorgemerkt – wenngleich die Anzahl branchenrelevanter Vorträge im Vergleich zu den Fachbesuchertagen exorbitant verringert war – doch ermüdete mich das mühsame Vorwärtskommen auf den Gängen derart, daß ich mich in die Orbanism Space rettete und mich auf einem der Hocker niederließ, um meine Beine zu entspannen, bevor ich wieder heimfahren wollte. Und so kam es, daß ich, obwohl Kinderbücher gar nicht mein Metier sind, noch einem Vortrag, ausgerichtet vom Oetinger Verlag, lauschte. Es wurde zuerst Oetingers Schreibportal Oetinger34 vorgestellt, in dem sich Autoren, Hobbylektoren und Grafiker zusammenfinden können, um ihre Ideen zu verwirklichen, die dann, bei Abstimmungen, zur Veröffentlichung im Verlag ausgewählt werden können. Dabei versucht der Verlag Autorentalente, die vielleicht auch schon als Selfpublisher in Erscheinung getreten sind, zu entdecken und an den Verlag zu binden.
Das zweite Projekt, das Oetinger derzeit als Start-Up betreut, nennt sich Superbuch und ist ein Versuch, Kinderbücher mit der Augmented Reality zu verknüpfen (hier zum Beispiel ein Bericht im Buchreport). Dabei kann der Leser mittels eines Tablets und der Software Tigercreate die Bilder im Buch virtuell vor seinen Augen animiert erleben. Bücher, die mit solchen AR-Effekten angereichert werden sollen, sind längt bekannte Backlistschlager wie »Janosch« und »Der kleine Eisbär«. Inwiefern diese Spielerei nützlich und dienlich ist, gerade auch für die Schulung des Medienumganges der Kinder und der kritische Aspekt, daß sie so noch mehr in eine nicht existente, virtuelle Realität eingebunden werden, bleibt abzuwarten. Aber es wird auf ein großes Echo medienbegeisterter Eltern stoßen, die darin ein neues, faszinierendes Spielzeug sehen werden, daß ihre Kinder beschäftigt und sie nicht kreativ (über-)fordert.

Danach packte ich aber meine Sachen und huschte von der immer noch überfüllten Buchmesse und fuhr endlich heim. So gingen vier ereignisreiche, spannende und auch lehrreiche Tage auf der Buchmesse zu Ende, die ich genoß, die mich teilweise erstaunten und stutzen ließen. Und nun heißt es warte auf die Leipziger Buchmesse im nächsten Jahr. Und darauf, was sich die Branche bis dahin einfallen läßt.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

Advertisements

3 Kommentare zu “Frankfurter Buchmesse 2015 || Tag 4

  1. Das Projekt Superbuch vom Verlag Oetinger hört sich sehr spannend an. Ich würde es gern mal in der Umsetzung sehen. Mal abgesehen davon, dass Kinderbücher für die ganz Kleinen ja grundsätzlich bebildert sind: Durch die Augmented Reality verändert sich möglicherweise das Lese- oder Vorleseverhalten, da der Text dann zwecks Animationen unterbrochen wird und wie vorgekaut scheint. Gerade die eigene Fantasie ist doch das schöne am Lesen, egal ob man etwas vorgelesen bekommt oder selbst liest. Was die kritische Auseinandersetzung zu diesem Thema ergibt, würde mich sehr interessieren. 🙂

    • Ich muß sagen, ich stehe dieser Verknüpfung recht skeptisch gegenüber. Augmentierung wird sehr oft als ein geniales Prinzip hingestellt, ich denke aber auch, daß sie wirklich viel zu sehr von dem – man nenne mich antiquiert – Medium Buch ablenken. Du sprichst das veränderte Rezeptionsverhalten an und dem muß ich mich anschließen. Nun gibt es ja hier immer Parteien, die sagen werden, daß sich das Leseverhalten verbessert, eben weil die Beschäftigung mit dem Medium initiiert wird, indem das Kind zum Spielen, Zuhören oder Zuschauen angeregt wird, aber man kann durchaus auch die seit Ewigkeiten existierende Debatte der Medien(un)mündigkeit mit hinzuziehen, die zu einem unkontrollierten Umgang mit digitalen Medien führen kann. Es existieren ja auch Studien, die konstatieren, daß durch eine zunehmende Reizüberflutung und Kurzatmigkeit jeglicher Medien die Aufmerksamkeitsspanne abnimmt und auch der Teil funktionaler Analphabeten immer mehr ansteigt.
      Auch Carlsen steigt ja jetzt mit seinen LeYo!-Büchern in die AR-Szene ein. Dir ist da vielleicht auch schon der ein oder andere Fernsehspot untergekommen. Was genau diese App beeinhaltet, ist da vielleicht auf den ersten Blick nicht erkennbar, aber mir erscheint es wie ein Fernseher. Die Kinder lesen nicht mehr wirklich, beschäftigen sich nicht mit dem Buch, in dem sie die Bilder, die sie starr in dem Buch vorfinden, in ihrem Geist zusammenstellen und in Verbindung miteinander setzen und sie quasi laufen lassen, sondern sie konsumieren stumpf vor sich hin. Sie wollen eine aufregende Animation, ein spannendes Spiel nach dem anderen. Diese Technik verliert aber ihren Reiz, eben weil sie sich nicht von selbst weiterentwickeln kann, wie beispielsweise die Fantasie eines Kindes – deren Entwicklung aber gerade durch solche Stumpfheiten gehemmt wird. Also müssen Entwickler immer neue Ideen einbauen und es weiterentwickeln. Das mag für letzgenannte sicherlich ein gutes Geschäft sein, für die Konsumenten – und das sind in dem Falle unsere Kinder – sehe ich es kritisch.

      Hier noch zwei Links:
      http://www.pubiz.de/home/redaktionlektorat/redaktionlektorat_artikel/datum/2015/08/29/statt-autor-lektor-hersteller-sind-20-gewerke-beteiligt.htm
      https://www.carlsen.de/leyo

      Nur kurz eine Frage fernab vom Thema: ich wollte mir gerade Deinen Blog anschauen, aber er scheint gelöscht zu sein?

      Viele liebe Grüße

      Shaakai

      • Ich finde, diese Einstellung weniger antiquiert, als vielmehr realistisch. Man könnte jetzt weit ausholen und sagen, dass im 18. Jahrhundert auch den Büchern gegenüber in Form der Lesesucht viel Kritik entgegen gebracht wurde. Ebenso die Geringschätzung der Filme danach sowie die unterstellten Agressionspotentiale von Computerspielen noch heute. Doch in Bezug auf die Aufmerksamkeitsspanne, die sich durch die große Medienvielfalt an sich verändert, sehe ich tatsächlich einen angebrachten Kritikpunkt. Die ständige Erreichbarkeit und sie Nutzung des Smartphones generell sind in meinen Augen keine unwesentlichen Faktoren.

        Zu meinem Blog: Die Adresse, die dir vermutlich angezeigt wurde, existiert eigentlich gar nicht mehr. Das muss ein doofer Fehler von WordPress sein. Meine Adresse lautet http://www.wortbildwerke.wordpress.com

Schreibe einen Kommentar.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s