Frankfurter Buchmesse 2015 || Tag 2

Ich bin immer wieder erstaunt zu sehen, wie die Besuchermenge der Buchmesse von einem Tag zum nächsten derart zunehmen kann. War gestern noch ein vergnügtes, entspanntes Durchkommen und ein genüßliches Schlendern durch die Hallen, vorbei an den zahlreichen Ständen der Verlage und mehr oder minder buchrelevanten Vertreter, möglich, so war man heute, am Messedonnerstag, doch mehr darum bemüht, den anderen Messebesuchern nicht vor den Trolley zu laufen oder über einen mitten im Gang stehen bleibenden Besucher mit Handy am Ohr zu stolpern. Ellenbogengesellschaft auf kleinem Raume.

Fest eingeplant war ein Besuch beim Nachwuchslunch in Halle 4.0, doch schon am Morgen ließ die Deutsche Bahn durchblicken, daß man ab nun – es geht auf den Winter zu – mit Verzögerungen rechnen muß, sodaß ich schlußendlich mit über einer dreiviertel Stunde Verspätung auf dem Messegelände eintrudelte. Es ging fix zur Messehalle 3.1 und damit zum Stand des dtv, wo ich die Gelegenheit bekam, mit Stefan aus dem Siepen über das Schreiben und sein neues Buch »Das Buch der Zumutungen« (Besprechung), das kürzlich erschienen ist, zu sprechen. Es war zugegebenermaßen mein erstes Autorengespräch und ich war dementsprechend sehr aufgeregt, konnte aber so erste Erfahrungen auch in diesem Bereich sammeln, was sich als erkenntnisreich bewieß. Stefan aus demSiepen ging auf zahlreiche Zumutungen des Alltages genauer ein, sprach über seine Abneigung zur Hirnforschung und über Freud – die beide zu frappierender Redundanz komplexer Gegenstände neigen – und über kulturelle Bereiche wie der Literatur und der Kunst, die er als Essayist beobachtet und Tendenzen, besonders der negativen Art aufzeigt. Auf die Frage, wie er pflegt, mit solcherlei Respektlosigkeiten, die ihm tagtäglich begegnen, unzugehen, sagte er: »Ich schreibe ein Buch darüber.« Die immer wieder gehegte Hoffnung, daß dieses Buch auch genau die Leserschichten erreicht, die es betrifft (das tut es, muß gesagt werden, schon, indem Rezensenten darüber es lesen und schreiben, denn auch die kommen nicht zu kurz), kann an dieser Stelle nur bekräftigt werden.

Die nachfolgende kleine Veranstaltung »Verschwundene Adjektive«, in der Olga Zimmermann ihre linguistisch aufgearbeitete Sprachnovelle verpaßte ich bedauerlicherweise glorreich und auch wenn sie mit fünfzehn Minuten eine recht kurz veranschlagte Lesung war, betrübte es mich, gerade ihr nicht beigwohnt haben zu können. Also machte ich mich auf, den diesjährigen Pavillon des Gastlandes aufzusuchen – und das Gastland ist dieses Jahr der Inselstaat Indonesien. Es ist immer wieder überwältigend, mit welcher Kreativität und Liebe zum Detail man auf der Frankfurter Buchmesse diesen Ehrenplatz des Gastlandes ausgestaltet. Eine wunderschöne Harmonie aus Licht und Dunkelheit, perfekt in Szene gesetzter literarischer Werke, kulinarischer Besonderheiten und traditioneller Aufführungen. Da ich an diesem Tage mich aber gegen die Mitnahme meiner Kamera entschied, gibt es Bilder erst morgen.

Der letzte Gang an diesem Tag führte mich in die Halle 3.0 zu neobooks, wo die Social Media-Kanäle für Selfpublisher erklärt wurden. Es war eine umfassende und für unbedarfte, aber onlinemarketingwillige Indie-Autoren sehr verständlich aufbereitet, doch es schwingt auch immer unterschwellig die erdrückende Botschaft mit, überall und regelmäßig präsent sein zu müssen. Gerade Selfpublisher müssen viele, wenn nicht gar alle Aspekte, die die Veröffentlichung eines Buches mit sich bringt, selbst übernehmen und werden von der Gewalt der Onlinemedien, wenn sie gar auch noch offline Werbung betreiben, schlicht erschlagen. Und doch wird von ihnen mindestens ein Blog, ein Facebook- oder Twitteraccount erwartet. Gern auch zusammen und gut miteinander vernetzt.
Ich wäre auch gern noch zu dem, mein für die Ästhetik und Typographie schlagendes Herz, Vortrag mit dem Titel »Bucheinband, Design und Typografie« geblieben, doch hätte ich dafür noch einige Zeit auf der Messe, die mich heute doch sehr anstrengte, bleiben müssen, bis dieser begann. Also machte ich mich müden Schrittes auf den Weg nach Hause, um Schlaf und Kraft für den morgigen Messetag, der auch zugleich letzter Fachbesuchertag ist, zu sammeln.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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