»Der größte Raubzug der Geschichte. Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden« von Matthias Weik und Marc Friedrich

Wer heutzutage viel, wirklich viel Geld scheffeln will, muß dafür nicht mehr den Weg anstrengen­der, produktiver Arbeit gehen. Auch Wegelagerei oder Banküberfälle bringen nur wenig Ausbeute bei hoher Mißerfolgswahrscheinlickeit. Viel beliebter und weniger riskant dagegen ist die Beteili­gung an dem finanziellen Glücksrad der Börse – wenn man auf der richtigen Seite steht.

Banker und Vorstände großer Firmen verdienen monatlich Milliardenbeträge und wenn sie in ihrem Spekulations- und Wetteifer doch mal die Spareinlagen tausender gutgläubiger Anleger im Nichts verspielen, so genehmigen sie sich als Bonus für gute Leistung noch eine großzügige Abfindung und wechseln zum nächsten Finanzinstitut.

Aber nicht nur über Anlagen bei Banken ist der kleine Bürger direkt vom Raub seiner Habseligkei­ten betroffen und droht in direkten Schulden zu ersticken. Staaten rund um den Erdball sind durch gigantische Schuldenberge, die sekündlich größer werden, an Banken geknebelt und ersten Staaten droht auch, wie schon so manches Mal in der Geschichte geschehen, die Staatspleite. Und wenn ein Staat bankrott geht, dann betrifft das seine Bürger, die dann für die ausstehende Forderungen mit ih­rem Hab und Gut aufkommen müssen.

Wie das alles zusammenhängt und wieso die, die mit ihrer Hände Arbeit jeden Tag produktives leis­ten, für ihre Erzeugnisse immer weniger Entlohnung sehen, während andere mit höchst virtuellen Geldblasen immer reicher werden, erklären dem Leser die beiden Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich, die zusammen auch eine Vermögensberatung leiten. Ihr vor drei Jahren bei Tec­tum erschienenes Sachbuch trägt den Titel »Der größte Raubzug der Geschichte. Warum die Flei­ßigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden«.

In mehreren Kapiteln führen sie den zumeist noch unbedarften, aber interessierten und mit Vorwis­sen ausgestatteten Leser an die komplexe Thematik des Finanzwesens und seiner Abgründe heran. Fachbegriffe werden leicht verständlich erklärt – daß dazu auch die Definition eigentlich bekannter Begriffe wie Geld oder Kredit gehört, versteht sich von selbst. Auf Basis des Verständnis elementa­rer Terminologien und der gigantischen Mengen, die sich eigentlich hinter einer Milliarde oder Bil­lion verbergen, zeigen Weik und Friedrich die Ursachen der beiden Finanzkrisen auf und schildern fast minutiös den Verlauf dieser Crashs, die tausende Menschen ihrer finanziellen Grundlagen be­raubte.

Des weiteren analysieren sie das Wesen der Kredite und der Staatsverschuldung, warnen, daß es auch in Europa mit einem Dominoeffekt gar nicht so weit her ist und daß die Südstaaten schon lang am Staatsbankrott kratzen. Anhand der Europäischen Zentralbank (EZB) wird deutlich gemacht, daß selbst die großen, staatstragenden Banken gar nicht mehr so neutral und unabhängig agieren und sich im Casinospiel selbst verzocken. Das Rentensystem – hier als Schneeballsystem bezeich­net – wird genauer unter die Lupe genommen und der Glaube an unendliches Wachstum der Wirt­schaft kritisch beleuchtet.

Weik und sein Co-Autor Friedrich schildern eine sehr negative Entwicklung, die die Finanzwirt­schaft nimmt und die laut ihrer Betrachtungen notwendigerweise in die nächste, weit schlimmere Krise führen wird. Ihr großer Verdienst mit dem Buch ist es aber auch, daß der Leser versteht, warum das so sein wird. Mit einem enormen Wissen, zahlreichen Fakten und Zitaten bewaffnet, führen sie den Leser Schritt für Schritt in die Materie ein, bauen ihre Darstellungen logisch und auf­einander folgend auf, sodaß man sich von dem Verständnis des einen und dem Wissen um die Ge­setzeslage und historischer Fakten zum nächsten hangeln kann.

Als Verständnishilfen werden immer wieder abstrahierende Beispiele und Darstellungen gegeben und zur Auflockerung passende Karikaturen eingestreut. Daß dabei zwei Grafiken auch mal doppelt im Buch bei dieser Stärke vorkommen, kann da mal unter den Tisch fallen gelassen werden.

Der Schreibstil ist einem Sachbuch dieser Art angemessen und kommt – das ist schon der Thematik geschuldet – nicht ohne ein ganzes Arsenal an Fachtermini aus. Diese werde aber verständlich er­klärt. Weik und Friedrich stellen ihr gewaltiges Wissen geballt dar, bleiben aber in einer verständli­chen und lesernahen Sprache, die auch vor humorvollen Einlagen nicht zurückschreckt, ohne den sachlichen Ton dabei zu strapazieren. Sämtliche Aussagen, Zahlen und andere Fakten werden sorg­fältig mit ihren Quellen belegt und sind im Fußnotenanhang zusammengetragen.

»Der größte Raubzug der Geschichte. Warum die Flei­ßigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden« – das sind über dreihundert Seiten gebündeltes Wissen über den Finanzkörper der Welt mit vielen seiner obskuren und wahnwitzigen Auswüchsen, die anschaulich erklärt werden. Die beiden Autoren machen aber auch von Anfang an klar, wie sie zu dem System aus Spekulation und Geldspielereien stehen. Und sie zeigen, auch wenn dieser Teil ihrer Erklärungen eher marginal bleibt, ebenso Möglichkeiten auf, wie man sich gegen einen Crash absichern kann.

All das macht dieses Sachbuch zu einem fundierten Grundlagenwerk für den interessierten Laien und stellt so einige Dinge im Spiel um das Geld der Welt klar. Trotz des eigentlich trockenen – staubtrockenen – Themas schaffen es die Autoren, es derart interessant zu gestalten, erläutern und gekonnt aufzulockern, daß man als Leser wenig Schwierigkeiten hat, zu verstehen. Man braucht Zeit für dieses Buch, da es wahnsinnig informativ ist, aber gerade diese Informationsfülle ist hier der Punkt, der dieses Sachbuch zu einem würdigen Vertreter seiner Gattung macht. Und hier kann man wirklich sagen: so ganz unverdient wird es nicht gewesen sein, daß es zeitweise auf der Spiegel Bestseller-Liste stehen konnte. Und es bleibt zu hoffen, daß Weiks und Friedrichs Buch viele lasen, immer noch lesen und auch in späteren Auflagen noch lesen werden. Es ist hochaktuell, erhellend und spannend.

Ein einfach empfehlenswertes Buch.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

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