Persönlich und mit Herzblut gegen Amazon

Antonia Besse ist Verlagsfrau und seit Jahren in verschiedenen renommierten Verlagshäusern wie Ullstein tätig gewesen. Und nun auch Gründerin einer neuen Buchhandelsplattform im Internet, das den wenngleich englischen, aber einfachen Namen MyBook trägt. Man plant großes, will man doch mit seiner Idee in Konkurrenz zu dem Giganten Amazon und seiner altbekannten aber unerreichten Algorithmen treten.

 

Kunden, die das toll fanden, kauften auch…

Und er funktioniert, das ist wohl unbestreitbar. Beim einen besser, beim anderen etwas schlechter, aber der Algorithmus wird optimiert und kann so immer besser Vorlieben untereinander kombinieren. Besser als ein Mensch? Antonia Besse will das Online-Buchgeschäft wieder beseelen und gegen die Entmenschlichung des Verkaufs angehen, das ihrer Meinung auch von den Kunden gewünscht wird, denn sie würden sich »nicht damit zufrieden [geben wollen], empfohlen zu bekommen, was die anderen gut fanden.« (Interview in der Welt) Dazu versammelt sie in ihrem Projekt einundzwanzig namentlich vorgestellte Buchexperten, die sich aus Buchhändlern, Literaturwissenschaftlern und Buchliebhabern zusammensetzen.
Will man nun das Konzept in Anspruch nehmen, so meldet man sich auf der Seite einfach an und füllt einen kurzen Fragebogen aus. MyBooks verspricht dann schon nach kurzer Zeit die ersten Buchempfehlungen per e-Mail. Und dabei sollen die Leseempfehlungen so persönlich und individuell sein wie die vom netten Buchhändler um die Ecke, da man hier Bücher weniger als Handelsware denn mehr als Kulturgüter begreifen will. Hat sich ein Kunde für ein Buch entschieden – egal ob dank Empfehlung oder unabhängig davon – kann er aus dem 4,5 Millionen großen Sortiment wählen und es sich zuschicken lassen. Die Auslieferung übernimmt Libri, doch MyBooks verspricht noch ein Bonbon zusätzlich: das Buch wird »wunderschön verpackt mit gratis Lesezeichen« dem Kunden zugesandt. Und das bis auf den zu zahlenden Buchpreis, der ja allein durch die Buchpreisbindung festgelegt ist, völlig kostenlos. Und das in der Hoffnung, mit dem Versprechen nach Individualität und Persönlichkeit im Internethandel, Gelegenheitsleser und Buchratten wieder auf die Seite zu ziehen. Weg von den unpersönlichen Algorithmen.

Das klingt alles ganz wunderbar, aber leider auch sehr unwirtschaftlich. Ein wenig wie eine schöne Utopie, in der der Buchhändler auf seinem Schemel sitzt, an einer Tasse heißen Tees nippend und jeden seiner Kunden, die seine kleine Bücherstube betreten, persönlich begrüßend und zu seinen eigenen Liebhaberregalen führend. Ob sich MyBooks wirklich zu einer solchen »sympathische[n] Alternative zu Amazon« (Besse) entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Ob die persönliche Beratung im Internet ein kräftigeres Argument ist als der Algorithmus, den (nicht nur) Amazon erfolgreich verwendet, auch.
Daß gerade Amazon jetzt ein Patent für den stationären Buch-Shop ohne Verkäufer angemeldet hat, scheint da geradezu ironisch.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

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4 Kommentare zu “Persönlich und mit Herzblut gegen Amazon

  1. Hallo Shaakai,

    also ich muss ja sagen diese Algorithmen kann ich nur belächeln, wenn ich mir mal ansehe was die mir empfehlen. Entweder zweimal das gleiche Buch oder Bücher, die ich nun wirklich nicht lese. Selten kann ich da sagen, ja das interessiert mich oder ich hab das Buch schon. Dabei ist es aber egal auf welcher Seite ich mich befinde, ob das nun Thalia.de ist oder Amazon, die automatischen „Empfehlungen“ passen halt einfach nicht.

    Vielleicht werde ich mal ausprobieren, ob die individuellen Empfehlungen besser passen.

    LG folald

    • Bei mir paßte es immer recht gut, aber das muß ja wirklich nichts heißen. Nur vielen Menschen »hilft« der Algorithmus wirklich, wenn sie in das psychologisch-mathematische Profil passen.
      Du kannst mir gern von Deinen persönlichen Erfahrungen berichten, denn ich finde das Prinzip einer virtuellen Buchhandlung wirklich interessant und fördernswert, nur ich bezweifle, daß es sich wirklich auf finanziell tragen kann und den Zuspruch findet, den es braucht.

      Ganz liebe Grüße an Dich!

  2. Liebe Shaakai,

    ich kannte diese Seite, meine ich jedenfalls, bisher noch nicht und habe sie heute nach deinem Posting einfach mal getestet. Will heißen, auch einige Lieblingsautoren und Titel genannt. Nun warte ich ab, was da kommen mag. Ich bin gespannt, vielleicht hat das Konzept ja doch eine Chance 😉

    Liebe Grüße in die Nacht
    Sandra

    • Liebe Sandra,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich muß ja sagen, das Konzept klingt so sympathisch, da muß ich einfach hoffen, daß es Erfolg hat. Wenn Du magst, berichte einfach, wie Du die Ratschläge empfandest 🙂

      Viele liebe Grüße

      Shaakai

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