Buchmesse Leipzig 2015 Tag 1

Da geht er zu Ende, der erste Tag der Leipziger Buchmesse 2015 und einiges an Eindrücken konnte ich aus den knapp neun Stunden, die auf dem großen Gelände zubrachte, sammeln. Diese Buchmesse ist geradezu ein Gegenentwurf zur Frankfurter Buchmesse. Auch wenn der Donnerstag und Freitag als Fachbesuchertage ausgeschrieben ist, war es keine Fachbesuchermesse. Ströme aus Cosplayern und Schulklassen jeglicher Jahrgangsstufe fluteten die Hallen. In Halle 1 – der beworbenen Comic- und Manga-Messe war ich gar nicht erst. Diese kommt erst morgen dran. Dafür habe ich es mir heute ausgiebig in den Hallen 2, 3 und 4 heimisch gemacht. Den Hallen für die Fach- und Sachbücher und Belletristik.

IMG_3818Zuerst habe ich gleich zu Beginn der Messe mich zum Stand der schönsten Bücher aufgemacht und wie so oft lautet mein rein laienhaft ästhetisches Empfinden: die Gewinnerbücher waren bei weitem nicht so schön und prämierungswürdig wie die nachrückenden unprämierten, aber doch ausgestellten Werke. Die Goldene Letter bekam der Belgier Paul Elliman mit seinem Katalog-Buch-Hybriden, die Goldmedaille ging in die Schweiz für ein Druckwerk, das eher einem kommunistischen Verein zur Architektur entsprungen sein kann.

Dann war der obligatorische Besuch bei Denis Scheck und seiner Sendung Druckfrisch auf dem Plan und wie immer darf ich konstatieren, daß seine Verrisse der neuesten Bücher einfach herrlich ist. pointiert und bissig. Diesmal traf es ganz hart Paul Sahners Biographie Merci, Udo!, für das Scheck wenig löbliche Worte fand.

Die Diskussion um das Selfpublishing wurde in einer kurzen, wenig Neues bringenden Debatte zwischen der Selfpublishing-Autorin Emily Bold, Iris  Kirberg (Bod) und der Buchhändlerin Sievert zum Ausdruck gebracht. Dabei war es erfrischend zu hören, wie Sievert auch offen und ehrlich die oft grassierende Selbstüberschätzung vieler Selfpublisher ansprach und damit den einhergehenden Qualitätsverlust, der sich oftmals auch schon von außen erkennen ließe – Stichwort: Cover ist das selbstgemalte Aquarellbild der Tochter. Aber auch Bold machte anderen Selfpublishern Mut, Kreativität, sofern vorhanden, an den Tag zu legen und sich nicht von Rückschlägen kleinkriegen zu lassen.  IMG_3829

Los ging’s ab 15 Uhr mit der Bildungsrundreise, angefangen mit einem interessanten Vortrag des Walddorflehrers Edwin Hübner zum Thema Kinder stark machen im Web 2.0. Er vertritt die Meinung, daß Kindern und Jugendlichen auf lange Sicht nur ein verantwortungsvoller Umgang anerzogen werden kann, wenn sie durch Erlernen die Mechanismen hinter dem Gerät verstehen, wie es wirklich funktioniert. Für ihn vergleichbar mit dem Erlernen der Schrift oder dem Verständnis von Bildern, denn erst Handlungssicherheit bringt Verständnissicherheit und damit Urteilsfähigkeit. In der Theorie eine schöne Illusion und – wie er selbst auch zugab – für eine Walddorfschule durchaus praktikabel. Nicht aber für andere Schulformen und für das Leben. So schön es wäre, wenn alle einen bewußteren und weniger getriebenen Umgang mit diesen Medien an den Tag legten.
Dieses wenngleich etwas naiv anmutende Plädoyer wurde aber gleich mit nachfolgenden Vorträge zur Medialität in Schulen negiert und fast in der Luft zerfetzt. Der nachfolgende stellte das System Muuvit vor – ein Programm, das, gestützt von den Krankenkassen, Schüler dazu motivieren soll, sich doch mehr zu bewegen. Für eine virtuelle Bildungsreise im digitalen Nirgendwo, wobei sie Punkte sammeln und mit recht nutzlosen Informationen für ihre sportlichen Leistungen belohnt werden. Wo da der wirklich edukative Effekt bleibt, ist mir doch schleierhaft.
Und der letzte Vortrag für den Donnerstag – dann war der Messetag schon so gut wie vorbei und die ersten Stände machten die Schotten dicht – war dann eine praktische Vorstellung der neuen Edukations-Software Classflow. Eine Ergänzung zum schon bekannten Whiteboard. Mittels dieser Software, die über einen großen Touchscreen – ähnlich einer der albackenen und bald wohl nur noch bei Antiquitätenhändlern zu findenden Tafeln – bedient wird, ist es dem Lehrer möglich, Dokumente, die er gerade am Touchscreen bespricht, an die Tablets und Smartphones der Schüler zu schicken, die sich mit ihren digitalen Endgeräten ins Programm einloggen und mitmachen. Wenn sie denn mitmachen und nicht die Gunst der Stunde nutzen. Chats und Spiele könnten dann doch wieder weit interessanter sein. Doch da zeigt man sich im Entwicklerteam noch motiviert und überläßt das lieber den Lehrern.

Der krönende Anschluß des Tages war dann eine schöne Lesung in der Juristenbibliothek. Hier las Ernst Reuß aus seinem 2014 erschienen Buch Mord? Totschlag? Oder was? vor und kommentierte die vier vorgestellten, abstrusen und zum Teil wahnwitzigen Rechtsfälle mit einer gehörigen Prise Ironie.

Damit ging ein langer, langer Tag zu Ende und morgen geht’s dann in aller Frische zum zweiten Tag der Leipziger Buchmesse. Der Terminplan ist jedenfalls wieder gut gefüllt.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai.

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2 Kommentare zu “Buchmesse Leipzig 2015 Tag 1

  1. Hallo! Da ich mit meiner Klasse schon oft Muuvit genutzt habe, würde ich auch Ihnen empfehlen einige Erfahrungsberichte zu lesen (z.B. auf der Muuvit-Seite oder im Netz). Aber Sie hatten vielleicht keinen guten Tag gestern.

    MfG

    Karin Bauer
    Wolfenbüttel

    • Ich danke Ihnen sehr für den Kommentar.
      Es freut mich sehr, daß Sie mit Ihrer Klasse gute Erfahrungen mit dem Programm gemacht haben, doch die Präsentation von Muuvit gestern hat meine Meinung davon nicht geändert. Daran war auch kein »schlechter Tag « schuld, sondern die Erkenntnis, daß Muuvit auf Dauer reine Zeitverschwendung ist und daß man die Ziele – vermehrte Bewegung und besserer Lerneffekt für Kinder – auch auf anderem, weit zielführenderen Weg erreichen kann.

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