Wörter, die man noch braucht.

Oder besser: Die das Deutsche noch braucht.

Utørstig – so heißt’s im Dänischen und auch im Esperanto kennt man es als malsoifa.
Doch wie soll man die Lücke im Deutschen schließen, die das sprachliche Gegenteil von durstig reißt?
Mit dieser Frage hat man sich schon des längeren befaßt und in verschiedenen Aktionen (z. B. Wettbewerb der Gesellschaft für Deutsche Sprache, 1992) Vorschläge gesammelt. 1999 schrieb der Duden einen weiteren Wettbewerb zur kreativen Wortschöpfung aus, aus dem mehr als 45.000 Wortvorschläge hervorgingen, die zwar nicht immer wahnsinnig originell, aber doch extrem witzig waren.

Ich bin antidurstig oder auch Er war gewässert kamen dabei raus, weitaus spannender waren aber auch Kurzformen wie nimedu (nicht mehr durstig) oder dulo (durstlos). Gewonnen hatte damals aber das von über 40 Einsendern entworfene Wort sitt.

Sitt, der analoge Entwurf zum bekannten satt, das man bekannterweise ist, wenn man nicht mehr hungrig ist, war der Jury wohl am besten geeignet, das durstige Sprachloch zu stopfen. In den Duden oder gar in die Wortsprache hat es aber trotzdem nicht geschafft.
Aber warum? Klingt es zu komisch, zu sehr an Sitte und sittsam angelehnt? Oder wurde der Neologismus einfach zu wenig in der Sprachgemeinschaft propagiert (wer hat sich denn schon einmal ernsthaft Gedanken um das Gegenteil von durstig gemacht oder da sogar ein Wort vermißt?); war der Wettbewerb und der »Sieger« zu wenigen bekannt?

Und braucht Sprache wirklich derartige Reglementierungen, oktroyierte Lückenfüller, die nicht aus der Sprachgemeinschaft erwachsen sind, sondern in einem Wettbewerb ausgewählt und als feststehend etabliert werden?
Das Grimm’sche Wörterbuch (online) hat unter dem Lemma satt jedenfalls den Vermerk, daß dieses kleine Adjektiv universell auch für die Nimedu gelten darf. Macht nur eben auch keiner.

Wettbewerb: Sitt und satt (spiegel.de)
Genug getrunken? Duden-Redaktion: „Dann ist man sitt“ (welt.de)

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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7 Kommentare zu “Wörter, die man noch braucht.

  1. Huhu,

    also ich kenne das Wort sitt, aber wusste nicht, dass es bei einem Wettbewerb entstand. Ich glaube auch kaum, dass ich jemals sitt sagen würde, immerhin sage ich auch so nie, wenn ich nicht durstig bin. xD

    Liebst,
    Mira

  2. Ein toller Artikel.
    Ich habe mich schon immer gefragt, warum es kein Wort für „vollgetrunken sein“ gibt. Das Wort „sitt“ habe ich aber noch nie gehört und ich wusste auch nicht, dass es einen Wettbewert dieser Art gibt.

  3. „Sitt“ ist wirklich ein komischer Neologismus, denn die Nähe zu Sitte ist spürbarer als der Gedanke der Analogie zu „satt“ – ich bin sicher, dass sich das auch auf Dauer nicht durchsetzen wird. Weniger kurz, aber zumindest in der Literatur schon gelesen: „satt getrunken“. (Bitte nicht nachfragen, wo ich das gelesen habe – es ist urlange her und ich habe nie das Bedürfnis gehabt, ein anderes Wort für diesen Zustand zu benutzen; mirverschien es einfach einleuchtend.)

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