»Gefährliche Arten« von Svealena Kutschke

Die junge Sasha ist von Beruf Künstlerin. Eine unkonventionelle Künstlerin, deren Ansinnen es ist, Menschen mit ihrer Kunst zu verwirren, zu erschrecken und zu brüskieren.

Daneben führt sie noch zahlreiche problematische Beziehungen mit Jannis, Tim und Mo, wobei sie von ersterem schlussendlich schwanger wird und ein Mädchen bekommt. Ihr ganzer Schatz und Stolz, doch sie wird von ihrer Situation zunehmend immer mehr überfordert. Drogenkonsum und wiederholtes Scheitern ihrer Beziehungen beschleunigen ihren Verfall und zunehmend kann sie nicht mehr unterscheiden, was Realität und was Wahn ist und immer mehr rutscht sie in ein tiefes Loch, aus dem ihr scheinbar niemand mehr helfen kann.

Wenn Svealena Kutschke schreibt, dann darf man sich sicher sein, daß die Erzählungen keine Wohlfühlmärchen sind, sondern das raue, harte Leben mit seinen Ecken und Kanten abbilden.

Sie studierte Kulturwissenschaft und Ästhetische Praxis in Hildesheim, widmete sich aber auch rasch verschiedenen schriftstellerischen Arbeiten. 2008 gewann sie den 2. Platz beim Open Mike in Berlin, ein Jahr darauf erschien ihr Debütroman »Etwas Kleines gut versiegeln« (Wallstein), der auch von der Presse gute Kritiken bekam. Nun ist 2013 ihr zweiter Roman bei Eichborn erschienen und trägt den ansprechenden Titel »Gefährliche Arten«. Die Frage ist nur: welche Art ist denn hier so gefährlich?

Kutschkes Stärke liegt eindeutig in ihrem spielerischen Umgang mit den Worten, sprachlichen Schöpfungen, klaren Strukturen und eindrücklichen Bildern. Der ganze Verfall wird aus der Sicht Sashas geschildert und schon zu Beginn fällt eine enorme sprachliche Distanz auf, die die Protagonistin zu ihrer Umwelt zu haben scheint. Trotz dieser Entfernung zum Geschehen ist man durch die personale Erzählweise ganz nah an den Gefühlen Sashas. Auch wenn Kutschke in einem derart nüchternen Ton zum Beispiel den Zusammenbruch eines der Freunde Sashas durch einen Drogenüberdosis schildert, ergreift es gerade durch diese abweisende, kühle Art das Herz des Lesers, der von der Dramatik und der Kälte der Protagonisten erschüttert ist.. So wie Sasha die Besucher ihrer Ausstellung mittels toter ausgestopfter Tiere und Verkleidungen ihrer Person erschrecken und verwirren will, so kann man der Autorin ebenjenes Interesse attestieren.

Man muß als Leser sehr bei der Sache sein, um nicht den Faden zu verlieren, denn Gedankensprünge und Zeit-, sowie Ortswechsel machen das Verstehen nicht einfacher. Besonders als Sasha von ihrer Depression und ihren Wahnvorstellungen zunehmend aufgefressen wird, vermischen sich verschiedene Wirklichkeits- und Gedankenebenen und man wird in die Lage der Protagonistin versetzt, die nicht weiß, ob sie das, was sie eben tat, auch wirklich tat; ob sie das, was vor einer Sekunde dachte, auch wirklich dachte.

Ich war erstaunt, mit welcher Realitätsnähe die Autorin die Depression und die innersten Gedanken Sashas schildern konnte. Sie waren zum Teil so realistisch und in ihren Schilderungen so detailgetreu, daß man glauben möchte, Kutschke hätte selbst schon einmal Erfahrungen damit gemacht.

Das einzige, was mir mit der Zeit sauer aufstieß, waren dauernde Wiederholungen. Man bekam mit der Zeit das untrügliche Gefühl, Sasha wäre dauerschwanger und würde sich bei jeder sich nur anbietenden Gelegenheit und an jedem Ort fröhlich übergeben. Daß sie durch den Drogenmißbrauch keinen sonderlich gesunden Körper mehr haben kann, dürfte verständlich sein, aber dieses lakonische »[…] und sie übergab sich auf dem Platz« (oder im Restaurant oder anderswo) wirkten irgendwann doch leicht übertrieben.

 

Aber ich muß dieses Buch guten Gewissens jedem empfehlen, der nicht nur auf Gute-Laune-Lektüre mit Friede-Freude-Eierkuchen-Ende steht, denn diese Geschichte ist wirklich harter Tobak, schonungslos und rabiat. Kutschkes Schilderungen der Wirklichkeit sind zum Teil so hart und erbarmungslos, daß man von dem Buch eingesogen wird, aber auch gleichzeitig abgestoßen wird. Man erkennt sich teilweise in den Protagonisten wieder, will es aber partout nicht. Gerade das macht »Gefährliche Arten« zu einem lesenswerten Buch, das vielschichtig und fesselnd ist. Einmal lesen reicht nicht – viele der Anspielungen und Wortwitze versteht man erst beim nochmaligen Lesen, wenn schon Vorwissen vorhanden ist.

Ich danke dem Eichborn Verlag für die Zusendung des Buches »Gefährliche Arten«, sowie bloggdeinbuch.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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