Die Frankfurter Buchmesse Tag 4

Und vorbei ist der letzte Tag meines Besuchs der Frankfurter Buchmesse. Und wäre ich mir nicht schon im Voraus sicher gewesen, morgen lieber daheim zu bleiben, spätestens heute hätte ich den Entschluss dazu gefasst. Es war manchmal purer Stress am Sonnabend.
Es fing damit an, dass aufgrund eines Selbstmörders, der sich heute morgen vor einen Zug warf, jegliche Züge ausfielen und über Schienenersatzverkehr umgeleitet wurden, was bedeutet, das man in einem überfüllten Bus nach Frankfurt zum Flughafen gondelte, um von dort aus weiter zur Messe fahren zu können. So zog sich die Fahrt immer länger hin und aus einer Stunde wurden zwei Stunden, bis ich endlich mit einem Strom aus anderen Messebesuchern in die Halle flutete.

Und es war voll. War gestern schon einiges auf dem Messegelände los, so war es heute nochmal potenziert, die Gänge, besonders bei den Hallen 3, waren überfüllt und zu einem Ort zu kommen, war oft eine wahre Kampfaktion.
So eilte ich denn zu der Halle 3.1 mit einem Buch des Ars Vivendi im Gepäck und freute mich trotz der leichten Verspätung, der ich schon unterlag, auf den Autor Andreas Séché, der am Stand war. Mit einer Signatur im neuen Buch Séchés »Zeit der Zikaden« (hier meine Rezension) und einem wunderbaren Gespräch (wir dürfen gespannt sein, welches Thema er sich als nächstes vornimmt) reicher, begab ich mich auf die Suche nach der Antiquariatsmesse, auf der ich bisher auch jedes Jahr war. Und ich war erstaunt, dass ich trotz des mehrfachens Durchstreifens des Ganges J in Halle 4.0 nicht den vertrauten Antiquariatskomplex fand – bis ich den Ständen links und rechts gewahr wurde, die ein paar alte, aber nicht unbedingt antiquarische Bücher anboten. Ich war erstaunt, dass das wohl alles an antiquarischer Messe war, was die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr aufzubieten hatte. Seltsam war das allemal und ich ein wenig traurig.

Die gefüllten Gänge.

Die gefüllten Gänge.

Die Zeit schritt voran und die Messehallen füllten sich unerbittlich und wie bereits vermutet, waren unter den zahlreichen Besuchern auch allerhand der fast schon zum stereotypen Messebild gehörenden Cosplayer – seit Kurzem werden sie auch an den Eingängen untersucht und die Mitnahme von Waffen ist verboten, trotzallem sieht man noch allerhand Cosplayer mit recht ausladenden Kleidungsstücken. Heute, als ich zusammen mit anderen Messebesuchern auf den Bus und den Zug wartete, konnte ich mich mit zwei Cosplayern unterhalten, die mir erzählten, dass die Leipziger Buchmesse, die in dieser Hinsicht weit cosplayerfreundlich ist als noch die Frankfurter Messe, wohl plant, für nächstes Jahr den Cosplayern eine ganze Halle zur Verfügung zu stellen. Ob das nur ein Gerücht oder ernste Wahrheit ist, weiß ich allerdings noch nicht zu sagen.

Der letzte Gang an diesem Tag war zu forgeschrittenerer Stunde der in Halle 5.0 – zu den internationalen Verlagen. Eine Halle voller interessanter Verlage aus der ganzen Welt, die ihr Programm und ihre Autoren vorstellten, wobei der besondere Fokus natürlich auf dem Gastland Brasilien lag.

Mein Resümee der Buchmessetage: besonders zu Fachbesuchertagen ist die Buchmesse für interessierte Menschen viel wert, die Vorträge sind interessant und behandeln ein großes Spektrum an Themen und es ist immer wieder schön, mit Leuten aus der Buchbranche ins Gespräch zu kommen. An den Publikumstagen allerdings ist es mehr nervenaufreibend als nutzbringend, besonders wenn es einem mehr um Dialog und Wissen geht. Aber das war immer so und wird immer so sein.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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5 Kommentare zu “Die Frankfurter Buchmesse Tag 4

  1. Danke für den Einblick zur Frankfurter Buchmesse. Für mich würde sich eine Reise dorthin nicht ganz rechnen, zum einen wegen der Entfernung und zum anderen, weil ich mich nicht an einem Wochenende durchpressen lassen möchte; das vermeide ich schon so gut es geht auf der Leipziger Messe immer.

    Zum Thema Cosplay: Die Leipziger Messe plant in der Tat, dem ganzen Manga und Anime Bereich samt Cosplay eine eigene Halle einzuräumen – so weit ich auf der Messeseite gelesen habe, wird das die bisher ungenutzte Halle 1 sein.

    • Das habe ich gern gemacht. Es freut mich, wenn ich dir einen guten Eindruck von der diesjährigen Messe vermitteln konnte.
      Ja, ich kann eigentlich jedem, der nicht aus einem wirklich bestimmten Grund die Buchmesse am Wochenende aufsuchen will oder muss, raten, sie zu den Publikumstagen zu meiden. Es ist stressiger und nervenzehrender, als das Resultat aus diesem Tag sein kann.

      Danke, dass du dieses Gerücht bestätigst, wobei ich sagen muss, dass ich wirklich etwas entsetzt bin von der Entscheidung der Messeleitung. Ich vertrete immer noch die Meinung, dass Cosplayer ihre eigenen Conventions haben und dafür nicht die Buchmessen entfremden müssen. Und in Leipzig scheint man das mit dieser Entscheidung auch noch unterstützen und fördern zu wollen. Naja, sie bringen eben Geld rein, wenn sie den Eintritt bezahlen.

      • Es ist in erster Linie ja nicht für die Cosplayer (aber ja, auch sie bringen Geld in die Messekasse). Die Messe trennt quasi die Buchmesse vom Anime / Manga Bereich und „verkauft“ das als eigenständige Convention. Was ich so schlecht gar nicht finde, denn für uns in Mitteldeutschland ist die LBM bisher immer die einzige Anlaufstelle derart gewesen – was dadurch im Laufe der Jahre eben auch Cosplayer und Mangafans von weiter weg genutzt haben (auch weil der Mangamarkt wieder wächst).

        • Ich komme ja ursprünglich auch aus Sachsen, aber mir ist nie bewusst gewesen, dass es in Mitteldeutschland keine Cosplayconvention gibt. Ich kann die Cosplayer (du zählst dich dazu?) verstehen, dass sie dann die Leipziger Buchmesse als Anlaufstelle nutzen und auch dass sie die Entscheidung der Messe, den Manga-Bereich zu separieren, schön finden. Aber ich empfinde das als Entfremdung des eigentlichen Messezwecks als reine Buchmesse. Der Mangasektor darf und soll wachsen und die Interessierten sollen sich auch darüber informieren dürfen, aber die Buchmesse, selbst wenn der Bereich im nächsten Jahr mehr oder weniger getrennt werden soll, soll nicht einer Cosplayerconvention gleichkommen 🙂

          • Ich versteh was du meinst, wobei die Messe nie einer reinen Cosplayconvention gleichkommen wird (ich bin nebenbei selbst kein Cosplayer, dafür bin ich beim Nähen viel zu unbegabt :D), selbst wenn der gesamte Manga Bereich, der ja durchaus auf der Buchmesse seine Berechtigung hat, mal ganz abgespaltet werden würde.
            Ich kenne durchaus Cosplayer, die die Messe auch als das nutzen, was sie ist, aber ich verstehe deinen Standpunkt wie gesagt. (Und es gab auch einen guten Grund, warum das CC zwei Jahre für Cosplayer gesperrt war, anderes Thema.)

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