Die Frankfurter Buchmesse Tag 3

Der Gang zu den Hallen

Und damit ist der letzte Tag der Fachbesuchertage auf der Frankfurter Buchmesse vorbei und morgen wird in den Gängen des Messegeländes wohl die Hölle los sein. Schon heute waren mehr Besucher in den Hallen als es manchmal gut war und man musste sich eher stoßend und drängelnd seinen Weg bahnen. Mein Tag begann mit einer Gesprächsrunde über Buchverbote in Deutschland – einer illustren Runde mit einer Menge Zündstoff im Gepäck, besonders zwischen den Diskutanten Dominik Höch (Jurist) und Rainer Dresen (Justiziar bei Random House), wobei ersterer das strikte Vorgehen der Juristen im Interesse ihrer sich in ihren Rechten verletzt sehenden Klienten verteidigte und Dresen dieses Argument als fadenscheinig entlarven wollte. Insgesamt konnte man dieser Diskussionssrunde, an der auch noch Torsten Kutschke (Deutscher Fachverlag), Katharina Winter (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) und René Kohl (Buchhandlung Kohlibri) teilnahmen, einen sehr gegen die juristischen Abmahnwellen gerichteten Tenor attestieren. Gegenwind bekam Höch, wenn auch nur laut von einerm Zuschauer ausgesprochen, aus dem Publikum. Für diese wirklich interessante Gesprächsrunde hatte die eigentlich anberaumte Stunde keinesfalls gereicht und man konnte nur wenige Fragestellungen aufgreifen und abarbeiten, weshalb es sich im Grunde um die von Höch an das Buchwesen gerichtete Frage drehte, wie es denn um die Kommunikation zwischen Buchhandel, Verlag, Zwischenbuchhandel und Börsenverein bestellt sei, wenn »einfach nur eine Pressemeldung über ein Buchverbot« sofort jegliche Akteure des Buchwesens einfrieren und panisch reagieren lassen würde. Rainer Dresen nahm sich der wiederholt von Höch gestellten Frage mit viel Herzblut an und griff seinerseits das Vorgehen der Anwälte an.

Die nächste Gesprächsrunde war am Stand der UTB – der Fachtaschenbuchverlag, der Studenten vertrauen. Der Iniitiator und die Gallionsfigur der Verlagsgruppe Wulf D. von Lucius stand den Studenten der Hochschule der Medien aus Stuttgart zum Gespräch zur Verfügung und so wurde in lockerem Umgangston über den Verlag in der Vergangenheit und der Gegenwart, über Markenbildung und Innovationen im Buchwesen gesprochen und zum Schluss die Studenten über ihre Wünsche befragt. Ja, von Lucius hat zu den Studenten (besonders der Medienbranche) einen wahrlich guten Draht.

Auf die im Anschluss folgende Diskussion hatte ich mich schon seit gestern abend, als ich meinen Terminplan für heute erstellte, gefreut. Das Buch, von dem ich gestern schon recht euphorisch berichtete, war heute wieder im Mittelpunkt. »Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog« von dem australischen Historiker und Schriftsteller Christopher Clark stand unter dem Titel »Was lehrt uns der Erste Weltkrieg?« und Klaus von Dohnanyi, Derk Haank, Thomas Schmid, Cora Stephan, Michael Stürmer und Christopher Clark sprachen über die Gründe, die zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führten, über die Folgen, die aus dem ersten wirklich großen Vernichtungskrieg und dem Frieden entstanden und über die Lehren für die Jetzt-Zeit. Dabei herrschte unter allen anwesenden Diskutanten der Konsens, dass die Alleinschuld lang genug auf Deutschland abgewälzt wurde und man endlich mal den Krieg ordentlich und angemessen aufarbeiten muss.
Diese Diskussionsrunde war auch die erste, bei der niemand währenddessen aufstand und die Halle verließ – im Gegenteil, die Runde wurde nach und nach immer größer. Das Interesse an dem Thema war spürbar da und es bewegte die Zuhörer auch sehr.

Der Brasilien-Pavillion

Der Brasilien-Pavillon

Es war kurz nach 1 Uhr, als ich die Halle 4.2 in Richtung Kantine verließ, in der Hoffnung, dort eine kleine brasilianische Leckerei zu ergattern, doch als ich der Preise gewahr wurde, wusste ich, dass es damit (außer einem Stück Kuchen) nichts werden wird. Und morgen wird der Preis für das Essen nochmals gestiegen sein. So nutzte ich meine Anwesenheit in der Nähe des Forums gleich dafür, mich in der Brasilienhalle unzusehen und wer letztes Jahr, als Neuseeland Gastland war, auf der Messe und im Pavillon war, wird hier einen frappierenden Unterschied feststellen können. War es letzte Jahr Nacht im Pavillon, ein See, in dem sich die Sterne von der Decke spiegelten und sie Klänge und Stimmen der Dichter im Dunkel ertönten, so ist dieses Jahr der Pavillon hell erleuchtet, bunt und ein wahrer Tummelplatz verschiedener Impressionen, der zum Ausruhen und Lesen brasilianischer Perlen einlud. In einer Ecke voller bequemer Liegematten konnte man die Seele baumeln lassen und sich über Kopfhörer Rezitationen verschiedener Gedichte anhören und in einem abgetrennten Bereich gab es, wie jedes Jahr üblich Lesungen verschiedener Autoren des Landes.

So war mein Tag denn bald zu Ende und ich ging zur letzten Veranstaltung, die noch in meinem Kalender dick umrahmt war.  Von deutsch-französischen Sender ARTE soll ab Dezember zum 50-jährigen Jubiläum des Élysée-Vertrages eine zehnteilige Sendung über das Verhältnis von Deutschen und Franzosen ausgestrahlt werden. Unter dem Titel »Geliebte Feinde – Die Deutschen und die Franzosen« soll der historische Weg beider Völker gezeigt werden, Zerwürfnisse, Feindschaften aber auch Freundschaften. Ein humoristischer und besonders auch die Jugebd ansprechender, aber geschichtlich fundierter Beiträg zur Vertiefung der Freundschaft zu unseren Nachbarn soll es werden. Ob das gelungen ist, können wir ab dem 2. Dezember auf ARTE sehen.

So, und nun steht nur noch ein Tag Buchmesse vor mir. Ich werde es bedauern, dass die Buchmesse für mich dann zu Ende ist, denn es war wie so oft sehr lehrreich und spannend, aber ich denke, es ist noch zu früh für ein Resümee. Warten wir lieber noch den morgigen Tag ab. Wahrscheinlich wird es morgen ein Kraftakt werden, mir meinen Weg durch die Massen zu bahnen. Aber das ist an den Publikumstagen doch immer so gewesen und wird auch immer so sein.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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2 Kommentare zu “Die Frankfurter Buchmesse Tag 3

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