Die Frankfurter Buchmesse Tag 2

So langsam aber sicher scheint mein Körper das Streikschild in die Hand nehmen zu wollen und seinen Unwillen kundzutun. Mehr habe ich mich heute aufrechten Ganges durch die Messehalen geschleppt und ich musste meinen Besuch wieder eher abbrechen und heimfahren. Ich hoffe sehr, dass es morgen annehmbarer wird, denn es ist der letzte Tag der Fachbesuchertage.

Heute war definitiv mehr los als noch gestern und diesen meinen Eindruck bestätigten auch andere Messebesucher. Viele hatten heute – wohl um die Menge an Prospekten zu verstauen – kleine Trolleys oder Mengen an Tüten dabei, dass man meinen könnte, sie seien auf einem Großeinkauf und nicht auf einer Messe. Dadurch wurde es zum Teil doch recht anstrengend, durch die Gänge zu kommen, ohne immer jemandem vor die Füße oder ihre Wägelchen zu laufen.
So war denn heute auch mehr der Komplex der zwei (Non-)Fictionhallen (3.0 und 3.1) mein Gebiet der Wahl, dass ich Gang für Gang durchstreifte und mir Verlagsvorschauen mitnahm und die Neuerscheinungen in natura anschaute. Es ist meines Erachtens nach wieder viel »übliches« dabei, aber scheinbar auch ein paar Perlen. Ich habe auch nach einigen Rezensionsexemplaren fragen können und kann euch demnach bald mehr über die verschiedenen Neuerscheinungen der Verlage berichten.

Ich hörte mir zu Beginn der Messe die Diskussion beim »Vorwärts« zur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Zeiten des Internets an, bei der über Vorratsdatenspeicherung und müßige Erklärungsversuche, den gläsernen Bürger zwecks Terroranschlagsprävention zu gestalten, gesprochen wurde. Leider konnte ich dieser Diskussion nicht ganz bis zum Ende beiwohnen, denn ich musste schon zum nächsten Gespräch, das mich sehr interessierte, denn Chistopher Clark, der Autor von »Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog« (DVA), sprach am Stand der F. A. Z. mit Rainer Blasius. Dabei erfuhr man schon einiges über den Buchinhalt und als geschichtlich interessierter Messebesucher hat mich dieses Buch auf alle Fälle schon neugierig gemacht, denn Clark versucht, mit der Alleinschuldtheorie Deutschlands aufzuräumen und die Vorgänge, die dem Ersten Weltkrieg vorangingen, detailliert aufzurollen.

Zu mehr Veranstaltungen kam ich, trotz des gut gefüllten Terminkalenders in meiner Tasche nicht mehr und ich widmete mich den beiden Hallen, um zu sehen, welche Verlage sich noch alles auf dem Gelände tummeln. Besonders bei der Gourmetabteilung hat man sich wieder viel Mühe gemacht, es dem Besucher wie eine Entspannungsecke zu gestalten, in der er sich setzen und kulinarische Köstlichkeiten (heute kochte Johann Lafer) probieren konnte. Man sollte allerdings nicht durch diese kleine Ecke stromern, wenn man doch schon ein leichtes Hüngerchen verspürt, denn die Gerüche, die von den beiden Kochecken aus durch die Gänge ziehen, sind wirklich appetitanregend.

Heute schaffte ich es auch, durch die Comicbuchabteilung zu gehen und ich bin immer wieder erstaunt, dass diese, trotz des größeren Platzes, den die Messe im Vergleich zu dem Leipziger Pendant stellen kann, recht klein und versteckt ausfällt. Trotzdem werde ich mich hüten, da auch nur einen Schritt am Sonnabend zu setzen, denn obgleich heute noch nicht wirklich Gedränge in den Gängen war, so wurde es doch schon zunehmend eng und allerlei Manga- und Comicfreunde tummelten sich schon an den Ständen.
Dabei merkt man bei diesem Bereich (der an die Kinder- und Jugendbuchsektion angegliedert ist) einen zunehmenden Jahrmarktcharakter, wie ich es finde. Bunte, schrille Läden, die nun allerlei verkaufen, was mit Büchern nicht mal mehr im Entferntesten zu tun hat und nur noch mit viel gutem Willen als Non-Book-Artikel, die sich aber auf irgendeine Art dem Buch verpflichtet fühlen, durchgehen mögen. In diesem Bereich ließ sich ein echter Messecharakter doch sehr vermissen.

Auch sonst war dieser Tag für mich ein erfolgreicher und schöner Tag, auch wenn ich nicht so lange bleiben konnte, wie ich eigentlich wollte und viele der eigentlich geplanten Events nicht mitnehmen konnte.
Auf dem Rückweg saß ich dann noch im Zug und wurde von einer illustren Truppe aus einem jüngeren Pärchen mit Kindern mit diversen Kinderliedern in den schrägsten Tönen und Misstönen unterhalten. Ja, sie brüllten quasi das ganze Abteil 45 Minuten zusammen. Die Kinder hatten wenigstens Spaß 🙂

Bis morgen zu einem weiteren Messetag, an dem ich hoffentlich in die Kantine komme, um einmal eine echte brasilianische Köstlichkeit probieren zu können.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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2 Kommentare zu “Die Frankfurter Buchmesse Tag 2

  1. Es klingt trotzdem sehr aufregend, was du auf der Frankfurter Buchmesse erlebt hast. Bisher war ich nur bei der Leipziger Buchmesse und stelle mir die in Frankfurt noch größer vor. Irgendwann werde ich es mir auch mal ansehen. Welche Messe gefällt dir persönlich am besten?

    Liebe Grüße 🙂
    MiaNele

    • Danke für deinen Kommentar 🙂
      Es ist schwer zu sagen; die Leipziger ist auf alle Fälle übersichtlicher und auch nicht ganz so erschlagend, allerdings finde ich die Leipziger zu Besuchertagen einfach unerträglich – was der Menge an Cosplayern geschuldet ist. Vertehe mich nicht falsch, ich habe nichts gegen diese Cosplayer, sie geben sich mit ihren Kostümen Mühe und machen auch etwas her. Aber ich finde, sie missbrauchen die Messe für ihre Selbstdarstellung und nutzen sie nicht dafür, wofür sie eigentlich da ist.
      Da ist auf der Frankfurter noch mehr Ruhe – aber wer weiß, letztes Jahr kamen schon extrem viele Cosplayern, von daher kann es sein, dass es dieses Jahr noch extremer wird. Das wirst du dann am Sonnabend erfahren 🙂

      Ja, um nochmal ein Resümee zu ziehen: die Frankfurter Buchmesse hat bei mir einen kleinen Vorteil, auch wenn sie zu besuchen stressiger ist, als sich einen schönen Tag auf der kleinen Leipziger Messe zu machen.

      Viele liebe Grüße auch an dich!

      Shaakai

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