„Verschwörung im Zeughaus“ von Petra Schier

Die Apothekersmeisterin Adelina schaut nicht schlecht, als plötzlich ihr Bruder Tilmann vor an ihre Tür klopft und um ein sicheres Versteck bittet. Und das hat er bitter nötig, denn ein Mord ist im Zeughaus geschehen, gerade als er und sein Freund Clais sich dort treffen wollten um eine Konspiration aufzudecken. Clais starb bei dem Überfall, Tilmann dagegen konnte sich gegen die Angreifer zur Wehr setzen und schleppte sich schwer verwundet zu seiner Schwester. Die nimmt ihn selbstverständlich sofort auf, denn die Ratsherren und der Vogt Köln sind dem Hauptmann der Kölner Stadtsoldaten auf der Spur. Sie vermuten, dass er hinter dem Mord an Clais steckt und wollen ihn dafür hängen sehen.

Adelina, ihre Familie und Gehilfen nehmen das Risiko auf sich und verbergen Tilmann im Keller, wo seine Wunden versorgt werden. Um seine Unschuld zu beweisen, muss Adelina einmal mehr ihre Spürnase in heikle Angelegenheiten stecken und in die Häuser anderer Leute schauen. Denn wer hat den Überfall im Zeughaus wirklich geplant und durchgeführt? Und was steckt hinter der Verschwörung mit einem Landesgrafen, in die wohl auch der Kölner Stadtrat verwickelt ist?

Das Cover

»Verschwörung im Zeughaus« ist das nunmehr fünfte Buch der Mittelalter-Kriminal-Reihe um die Apothekerin Adelina, die mit ihrem Mann und ihren Kindern, sowie einigen Gehilfen in Köln lebt und schon einige Widrigkeiten, in die ihre Familie verwickelt war, lösen musste. Mit einem klugen Kopf und treuen Menschen an ihrer Seite konnte sie bisher noch alles wieder ins Lot bringen. So sieht sie sich auch in diesem Band mit einer fast unlösbaren Aufgabe konfrontiert, weiß nicht, wem sie trauen kann und was alles hinter der ominösen Verschwörung, in die auch ihr Bruder verwickelt zu sein scheint, steckt.

Petra Schier, deren Leidenschaft im Schreiben historischer Bücher um diverse Kriminalfälle liegt, hat sichtlich Spaß daran, ausgetüftelte und vertrackte Personenkonstellationen aufzustellen und mit ihren Protagonisten zu spielen und jonglieren. Wo manche Autoren schon Probleme haben, zwei Hauptcharaktere sorgfältig zu differenzieren, wird hier mit Vergnügen ein ganzer Haushalt in die Geschehnisse einbezogen und mit ihrem Charakter und den daraus resultierenden Sorgen und Problemen ernstgenommen. Besonders stark lässt Schier die weiblichen Charaktere in den Vordergrund treten und agieren, was manchmal für die Zeit, in der der Roman spielt, etwas unglaubwürdig wirkt. Trotzallem liest man es gern, wenn Adelina oder ihre etwas vorlaute Gesellin Mira wieder mit allen Mitteln versuchen, ihren eigenwilligen Kopf durchzusetzen. Das sorgt oft für Zündstoff und einige heitere Momente. Die personale Erzählperspektive ist dabei meist auf Adelina beschränkt, wechselt aber auch zwischen Tilmann und Mira, denen in diesem Band neben der tragenden Person der Apothekersmeisterin wichtige Rollen zukommen. So stehlen diese beiden Kampfhähne Adelina manchmal schon fast »die Show«, wenn man sie aufeinander loslässt. Dabei sind gerade die Dialoge zwischen dem Hauptmann und der Gesellin am spannendsten, auch wenn man schon früh ahnt, in welche Richtung das Ganze laufen wird. Leider sind die Gespräche nicht immer authentisch und wirken an manchen Passagen sehr gestelzt und konstruiert – manchmal wohl aus der Maßgabe heraus, das Buch auch für Quereinsteiger in die Reihe verständlich machen zu wollen, manchmal aus dem Zwang, ein gehobenes Bild der Zeit aufleben zu lassen. So kommt es oftmals zu zahlreichen Wiederholungen, in denen bereits Bekanntes in die Gespräche einfließen gelassen wird, obwohl es unnnötig ist, dies zu tun oder es den Leser gar irgendwann nervt.

Allerdings wird es Lesern, die erst jetzt in Adelinas Welt einsteigen, sehr leicht gemacht, Zugang zu allen vorgestellten Charakteren und zu ihrer Hintergrundgeschichte zu finden, ohne das die Lektüre der Vorgängerbände zwingend notwendig wäre.

Durch nur wenige Ortswechsel, auch innerhalb Kölns – die Geschichte spielt sich fast ausschließlich in Adelinas Apotheke und im Keller derselbigen ab – wird eine Theaterhaftigkeit geschaffen und das Tempo gedrosselt. Das ist hier aber keineswegs abträglich, denn Schier gelingt es, die Kulisse der Apotheke mit ihren Räumlichkeiten optimal auszunutzen und den Leser mit detaillierten Beschreibungen durch dieses Haus zu führen und sie beweist einmal mehr, dass ein historischer Roman nicht immer durch die Lande reisen muss, um spannend sein zu können und den Leser bei Laune zu halten.

Im Gegenteil: gerade diese Ortgebundenheit lässt dem Leser die nötige Zeit, sich mit allem vertraut zu machen und sich in das historische Köln »einzuleben«. Und so werden einem die Familie um Adelina auch mit jeder Seite sympathischer und man beginnt – besonders als Quereinsteiger – rasch, sich für ihr Schicksal zu interessieren.

Der Kriminalfall, der hier zur Lösung, auch durch den Leser, bereitliegt, ist durchdacht und auch schriftstellerisch gut aufgearbeitet. Der Kreis der Verdächtigen wird klein gehalten, aber dafür lange Zeit gut verschleiert. Verdächtig scheinen sie alle, doch auch alle haben gute Leumunde. Als Leser schwankt man doch das eine oder andere Mal und das macht Laune.

Insgesamt ist »Verschwörung im Zeughaus« ein empfehlenswerter Kriminalroman für Freunde des historischen Romans, leicht und flüssig lesbar, mit sympathischen Charakteren und einer interessanten Geschichte vor einer farbenfrohen Kulisse. Einzig die doch etwas gekünstelt und gespreizten Dialoge sind ein kleiner Wermutstropfen, der auf die Seiten fällt.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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