„So nah und doch so fern“ von Ann Brashares

Er lebte schon viele Leben, hat die Welt aus verschiedenen Körpern betrachtet und immer nur diese eine Seele gesucht. Seine große Liebe, der er vor sehr langer Zeit in seinem allerersten Leben auf der Erde so großen Schmerz zufügte. Dabei ist Daniel einer von nur sehr wenigen Menschen, die sich an ihre vorherigen Leben auf der Welt erinnern können und die wissen, was nach dem Tod kommt: nämlich ein neues Leben. Während seine Liebe, die er immer bei ihrem ersten Namen Sophia nennt, sich nie an vergangene Leben und an die Liebe zu ihm erinnern kann, gibt Daniel, der diese Gabe besitzt, nie auf und spürt sie immer wieder auf, in der Hoffnung, ihre Erinnerungen an ihn würden zurückkehren. In der Hoffnung, endlich auf ewig mit ihr zusammenleben zu können. Und so spürt er ihre Seele, die jetzt in einem jungen Frauenkörper wohnt und auf den Namen Lucy hört, in einem kleinen Dorf in Amerika auf – und endlich scheint sein Kampf um die Liebe seines Lebens zu einem guten Ende zu kommen, als plötzlich Joaquim, der einstige Bruder Daniels, auftaucht. Getrieben von Hass und Eifersucht auf die beiden Liebenden versucht er ihr Glück für immer zu zerstören und Daniel zu vernichten. Jetzt muss Daniel aktiv werden, um Lucy und sich zu retten und endlich all die Verbindungen zu seinen früheren Leben hinter sich zu lassen.
Damit sie sich nie wieder so nah und doch so fern sein werden, wie sie es seit 2000 Jahren immer wieder waren.

Die aus dem amerikanischen Maryland stammende Autorin Ann Brashares ist keine unbekannte Debütautorin mehr und hat schon mehrere, meist im Genre der Romantik angesiedelten Geschichten veröffentlicht. Bekannt ist so zum Beispiel die »Eine für vier«-Reihe oder »Unser letzter Sommer«. Mit »So nah und doch so fern« (Originaltitel: »My Name is Memory«, 2010) ist jetzt bei carl’s books (Randomhouse) ein weiterer Roman erschienen, der sich vor allem an die weibliche Leserschaft wendet und es sich zur Aufgabe macht, das Herz zu berühren.

Und so entspinnt Ann Brashares hier ein Geschichte, die eine unendliche Liebe, die alle Zeiten überdauert, in ihren Facetten darstellt. Sie zeichnet Charaktere, die von einer der stärksten

(randomhouse.de)

Gefühle überhaupt getragen werden und die so unterschiedlich und gleich zugleich sind: Liebe und Hass. Und auch wenn sie eine für viele Menschen eher als unglaubwürdige Geschichte erzählt, so tut sie es mit einem mitreißenden sprachlichen Feingefühl. Ihre Wortwahl und ihr Erzählwesen nehmen den Leser rasch gefangen und fesseln ihn, sodass er nicht anders kann, als der Geschichte und dem Schicksal Daniels und Lucys zu folgen. Brashares beherrscht das schriftstellerisches Handwerk glaubhaft und wendet dieses geschickt an. Bis zum Ende hin schafft sie es, nicht in einer schnulzigen Schmonzette um die unendliche Liebe zweier Menschen zu versinken und so gleichzeitig auch eine unglaubwürdige und überdrehte Szenerie zu schaffen, sondern eine gute Portion Realismus in ihre Personen und Erzählungen einfließen zu lassen. Das tut dem Roman merklich gut.
Auch ihre Bemühungen, liebenswerte und konturierte Charaktere zu schaffen, machen sich bezahlt. Auch wenn eher aus Daniels Perspektive erzählt wird – was sich allein schon aus der Geschichte bedingt, da er sich an seine vorangegangen Leben erinnern kann – so kommt auch Lucy nicht zu kurz. Beiden Protagonisten wird genügend Raum zur Entfaltung ihres Wesens gelassen und charakterliche Wandlungen, Emotionen und Lernprozesse deutlich und nachvollziehbar geschildert.

Eine Stärke des Romans liegt aber auch im Aufbau. Mit Daniel springt man zwischen der Gegenwart, seiner Suche nach Lucy und seinem, manchmal schon verzweifelt und unbeholfen wirkenden Versuch, sie von seiner Liebe zu überzeugen, und seinen Erinnerungen an seine früheren Leben immer wieder hin und her. Man begleitet ihn durch Nordafrika, Griechenland und England. Der Fokus wird dabei auch nicht auf historische Korrektheit gelegt, sondern auf die Beziehungen der Menschen untereinander, Daniels Problem, mit seinem neuen Leben klarzukommen und es als einen Neubeginn zu sehen. Gerade diese Episoden in Daniels Leben sind faszinierend und spannend zugleich und wirken oftmals eher so, als seien sie, und nicht sein Kampf um Lucy, die Hauptsache des Romans. Die Beziehung Daniels und Lucys wirkte oftmals eher wie schmückendes Beiwerk, das man las, um auch diesem neuen Leben Daniels folgen zu können, aber ich freute mich jedesmal wieder auf die Rückblenden, die mir oftmals auch in schillernderen Farben erzählt wurde.

Aber trotzallem kann die Erzählung den Leser bis zum Schluss in ihren Bann ziehen und hat nur kleine Durchhänger. Enttäuscht hat mich dagegen das Ende. Es scheint fast so, als hätte man zum Ende die Autorin darauf hingewiesen, dass eine Liebesgeschichte immer eine gehörige Portion Drama und Kitsch beeinhaltet. Und so kommt kurz vor Schluss noch das Böse in Form von Daniels »Bruder« Joaquim ins Spiel und Daniel muss sich ihm gegenüber beweisen. Dabei arten die unbändigen Liebesschwüre zwischen Daniel und Lucy schon fast zum Unerträglichen aus (bei Daniel mag man es ihm noch halbwegs abkaufen, aber bei Lucy wirkt das zumeist konstruiert und überzogen). Seitenweise hat man das Gefühl, sie würden den Ernst der Lage gar nicht mehr recht erkennen und alles wäre ihnen egal, solange sie doch »nur für immer zusammenblieben«. Da verkam Joaquim in seinem Dienst als Bösewicht schonmal schnell zur Randfigur und die kann er auch auf den letzten Seiten, die ihm zuteil werden, nicht mehr abschütteln. Blass und farblos, nur als das personifizierte Böse muss er seine Rolle durchspielen, während die sich von Herzen Liebenden nicht trennen lassen und alles auf sich nehmen, um vor ihm zu fliehen. Da fühlt man sich als Leser stellenweise doch an sehr kitschige Liebesromane erinnert, die nur das Ziel verfolgen, sich einsam fühlende Frauen vor dem endgültigen Absturz zu bewahren.
Es ist schade, dass man sich für eine solche Kehrtwende im Roman entschied, denn er konnte durchweg bis zum etwas fatalen Ende (wobei der endgültige Abschluss des Romans wieder lobend zu erwähnen ist) überzeugen und stellt einen würdigen Vertreter des Genres »Liebesromans«, das ja leider auch etwas verrufen ist, dar. Und ich möchte ihn trotz einiges Schwachstellen zum Lesen empfehlen. Die Geschichte ist liebevoll und gefühlvoll erzählt und auch wenn die Thematik »Liebe durch die Zeiten« und Wiedergeburt nicht neu ist, so doch in der Form, wie sie hier präsentiert wird.

Ich danke dem carl’s books Verlag (randomhouse) für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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