„Rolandsrache“ von Kirsten Riedt

Anna Olde ist ein aufgewecktes, lebenslustiges Mädchen, die in der schönen, aufblühenden Hansestadt Bremen des 15. Jahrhunderts lebt. Ihr Vater ist ein stadtbekannter Steinmetz, und sie selbst interessiert sich auch mehr für die Bildhauerei als für das Führen ein Haushaltes, was ihre Mutter manchmal zur Verzweiflung bringt. Trotzallem ist im Leben Annas alles gut und und sorgenfrei. Ihr Vater hat sogar einen anscheinend gut bezahlten, aber auch geheimnisvollen, Auftrag vom Bremer Stadtrat bekommen, an dem er und sein Gehilfe Claas oft bis tief in die Nacht arbeiten.

Von einem Tag auf den anderen ändert sich im Hause Oldes aber alles.

Anna und ihre Mutter erhalten die erschreckende Nachricht, dass der Steinmetz und sein Gehilfe in ihrer Werkstatt überfallen und brutal niedergeschlagen wurden. Die Arbeit – bei der es sich, wie man Anna jetzt zuträgt, um eine gigantische Rolandsstatue handeln soll – wird dabei vernichtet. Kurz nach dem Überfall verstirbt Annas Vater an seinen Verletzungen. Ihrer Mutter droht nun der Schuldturm und der Verlust ihres gesamten Hab und Gut, wenn die Arbeit an dem Roland nicht, wie mit dem Rat abgemacht, rechtzeitig fertig wird. Um ihre Mutter zu retten, entschließt sich die junge Anna ihres Vaters Gehilfen Claas zu ehelichen, und das, obwohl sie weiß, dass er eine Mitschuld am Tode ihres Vaters trägt. Trotzallem fügt sie sich in ihr Schicksal und gibt die brave Ehefrau. Neben ihrer Arbeit an der Seite ihres Mannes an der Statue stellt sie aber auch noch Nachforschungen über den Tod ihres Vaters an, denn sie glaubt nicht, dass es nur ein harmloser Überfall ohne weitere Bewandnis war. Doch wer könnte vom Tod des alten Steinhauers profitieren? Die Steinmetzgilde, in deren Rangelei um den Vorsitz? Einer aus dem Bremer Rat? Oder vielleicht die Kirche?

 

Diesen historischen Roman klar in einen Genrekasten stecken zu wollen, ist nicht leicht. Hier findet sich für den Leser eine gelungene Mischung aus historischem Krimi und zarter Liebesgeschichte. Der Schreibstil ist durchgängig sehr aufgelockert, ohne dabei ins Flache oder Triviale abzufallen. Schon von Beginn an ist man in der Geschichte drin. Besonders die angenehme Figurencharakteristik macht das Lesen zu einer Freude. Glaubhaft waren alle Charaktere in ihren Handlungsweisen und somit für den Leser auch wie aus dem Leben gegriffen. Wie oft kommen doch gerade in historischen Romanen Überfrauen wie Sand am Meer vor – Frauen, die sich emanzipieren und alles können und wollen. Dass das hier gerade nicht der Fall ist, war der Geschichte und ihr Glaubwürdigkeit sehr zuträglich. Man weiß um die Stärken und Schwächen der Personen, man leidet und fiebert mit ihnen und man sieht, wie ihnen die Gesellschaft Schranken auferlegt, denen sie sich fügen. Im Gesamten wird hier ein sehr glaubhaftes und doch faszinierendes Bild einer aufblühenden Epoche gezeigt.

Auch der Kriminalfall um den Tod Annas Vater und die Zerstörung der Rolandsstaue ist wunderbar in die Geschichte um Annas Leben und ihr Erwachsenwerden eingeflochten und in seiner Gestaltung auch durchaus intelligent und vielschichtig gehalten, sodass man als Leser nicht allzu rasch hinter die wahren Gründe und Ursachen steigt, auch wenn man schnell den Kreis der Verdächtigen einengen kann.

Wer jetzt vielleicht noch beim Stichwort „Liebesgeschichte“ etwas skeptisch sein mag – und diese Skepsis teilte ich anfänglich durchaus – dem sei gesagt, dass ihn hier keine schnulzige, überbordende Liebeshudelei, wie sie leider so oft in historischen (aber nicht nur dort) Romanen zu finden ist, sondern eine ganz bodenständige und natürlich gebliebene Erzählung über das Leben und die Gefühle zweier junger Menschen, die für meine Begriffe sehr realistisch und wie aus dem Leben gegriffen daherkommt.

 

So bleibt mir zum Abschluss zu sagen, dass dieses Buch für jeden Leser historischer Romane einfach wärmstens zu empfehlen ist. Es ist leicht und flott zu lesen, trotzallem fesselnd und spannend bis zur letzten Seite und informativ – eine Reise nach Bremen würde nach der Lektüre auf alle Fälle Spaß machen.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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2 Kommentare zu “„Rolandsrache“ von Kirsten Riedt

  1. besser hätte ich das Buch auch nicht beschreiben können, auch ich finde das es Lust macht Bremen kennen lernen zu wollen.

    • Ich danke dir vielmals. Ja, so ging es mir auch – durch dieses Buch ist die Reiselust auf alle Fälle geweckt. Bremen muss eine schöne Stadt sein.

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