„Gang nach Canossa. Ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer“ von Dennis Gastmann

Vor einiger Zeit machte er sich auf, mit 80.000 Fragen die Welt zu erkunden. Neben Fragen wie »Wie voll sind hundert Russen?« entdeckte er auch den Arsch der Welt und fragte auf dem australischen Kontinent, ob alle Australier Verbrecher wären. Mut muss man haben…
Der aufgeweckte und reiselustige Journalist Dennis Gastmann wurde durch das Fernsehformat »Mit 80.000 Fragen um die Welt« bekannt. Anfang des Jahres 2012 entschloss er sich, ein weiteres großes Projekt anzugehen und er wählte als Vorbild gerade den König Heinrich IV. – den berühmten Büßer der Geschichte, der als Erster den Gang nach Canossa über die Alpen anzutreten wagte. Sein Ziel: Vergebung und Versöhnung mit dem Papst, der ihn zur Strafe für sein gotteslästerliches Verhalten aus der Kirche exkommunizierte.
Dennis Gastmann möchte seinen Spuren folgen und schultert im März seinen Wanderrucksack, um von Hamburg, dem Tor zur Welt, seinen Gang nach Canossa anzutreten und unser aller Sünden dort hinzutragen (hier ein Beitrag aus seinem Blog).
Seine zahlreichen Erlebnisse beschreibt in seinem kürzlich bei Rowohlt Berlin erschienen Buch und wie man das von Dennis Gastmann gewohnt ist, erwartet einen hier ein mit viel Witz und Charme erzählter Reisebericht.

Denn Gastmann beschränkt sich bei den Reisen nicht nur darauf, die allbekannten Sehenswürdigkeiten einer Gegend aufzuzählen und zu beschreiben – die findet man ja in jedem guten Reiseführer. Nein, für ihn sind die Menschen immer im Mittelpunkt und genau das macht diesen Reisebericht auch so authentisch und lebendig. Wenn er sich auf eine Bank in Turin setzt und die vorbeiströmenden Menschen beobachtet, dann entsteht daraus eine amüsante, bunte Collage unterschiedlichster Menschentypen und manchmal mag man sich auch selbst darin wiedererkennen. Auf seiner ganzen Reise ist man immer hautnah dabei, denn er versteht es, dem Leser mit einfachen, klaren Bildern das Geschehen zu erzählen.

Genau dafür kennt man den Reporter: Immer beobachtend, genau beschreibend und neugierig zeigt er uns die Welt, wie wir sie vielleicht noch gar nicht sahen oder wahrnahmen.
Er erzählt seine Reise immer chronologisch und man kann einer beiliegenden Karte zu Beginn des Buches entnehmen, welche Route Gastmann auf seinem Weg ins schöne Canossa nahm. Doch immer wieder streut er in die Reisebeschreibungen kleine und belustigende Anekdoten über sein Leben und das der Menschen, denen er begegnet, ein. Und manchmal ist das alles so absonderlich und unwirklich, das man gerne mal fragen möchte, ob er da nicht ein bisschen viel mit den Augen zwinkerte. Aber wer wie Dennis Gastmann mit offenen Augen durch die Welt geht und auch vor Absonderlichem nicht Halt macht, dem begegnet nun einmal auch viel Seltsames und Bemerkenswertes.

(Quelle: weltbild.de)

Mit einer Menge Wortwitz sieht Gastmann ganz genau hin und beschreibt, was er sieht. Wenn er am Straßenrand, unter Einsatz seines Lebens, seinem Tagesziel entgegenläuft oder sich auf dem Weg durch die unwegsamen Alpen quält, so registriert er trotzdem die kleinen Dinge, mit denen er seine Berichte füllt. Und gerade weil er auch so auf die unscheinbaren Punkte bedacht ist und es versteht, aus ihnen wunderbare Geschichten zu formen, kann auch die einfache Darstellung des Sitzungsplanes eines Dorfvereins in der Schilderung amüsant und bereichernd wirken.
Und man merkt Gastmanns Freude am Erzählen und Beobachten an. Selbst wenn der Weg noch so beschwerlich ist und »der Berg ruft« und er ihn rufen lässt ihn rufen, seinen Humor lässt er nie vermissen.

Der Schreibstil ist durchweg sehr gut lesbar – man rauscht geradezu darüber hinweg. Besonders die abwechslungsreichen Schilderungen machen den Bericht so spannend, interessant und manchmal auch lehrreich. Wer wusste schon von der französischen Brustimplantate-Jeanne d’Arc, die sich für die Rechte von Frauen mit fehlerhaft eingesetzten Brustimplanten kämpft? Oder wie krude und surreal es in der Fernsehbranche wirklich zugehen kann?

Egal, was dem Autor auf seiner Reise alles zustößt, er verliert nie seinen Optimismus. Und wer weiß, vielleicht wird Dennis Gastmann irgendwann mit seinem Gang nach Canossa ebenso berühmt wie einst Heinrich IV.
Dieses Buch ist für jedermann zu empfehlen, denn es ist eine gelungene Mischung aus leichtem Reisebericht, Autobiographie und Erzählung. Nach 300 Seiten fast ein bisschen schnell zu Ende, musste sich Dennis Gastmann seitens des Verlages doch folgenden Vorwurf machen lassen: »Dennis, du gehst nicht nach Canossa, du rennst.«
Aber das muss man ihm nachsehen, wo es in Canossa doch so fantastische Tortellini geben soll…

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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2 Kommentare zu “„Gang nach Canossa. Ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer“ von Dennis Gastmann

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