„Aber bitte mit Sake“ von Dana Phillips

Jedes Volk hat seine eigenen Gepflogenheiten und Rituale. Dass die Japaner da keine Ausnahme bilden, muss Dana recht bald erfahren – befindet sie sich doch mit 1000 Japanern auf dem Peaceboat, das mit einer Friedensbotschaft einmal jährlich von Japan aus um die ganze Welt schippert.

Und dabei wird ihr schnell klar, dass zwischen ihr und den anderen Passagieren Welten zu liegen scheinen. Da wird Dana Lehrreiches und Bewegendes erfahren, aber ebenso von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern.

Denn so eine Seefahrt ist bekanntlich lustig…

 

Dass Dana Phillips, hinter der sich die Journalistin Jule Gölsdorf und eine Freundin von ihr verbergen, gerne in fremde Länder reist, bewies sie bereits in ihrem Buch Avanti Amore. Mein Sommer unter Italienern (Bastei Lübbe). Damals lernte die Protagonistin Dana, die als Journalistin bei einer Frauenzeitschrift tätig ist, ihren italienischen Freund Raffaele kennen.
Im Nachfolgeroman Aber bitte mit Sake (Bastei Lübbe) wird sie jetzt dazu verdonnert, für eine erkrankte Kollegin einzuspringen und nach Japan zu reisen, um dort für eine Reportage die Sitten und Gebräuche zu studieren. Begeistert ist sie davon keineswegs und so ganz ohne vorbereitenden Landeskundeexkurs und ein Sprachtraining sieht sich Dana schon bald nach ihrer Ankunft mit allerlei Problemen konfrontiert.
Aber das kann eine wissbegierige Journalistin nicht aufhalten und so entführt uns Dana mit einer Menge Enthusiasmus in ein Land, in dem die Gegensätze manchmal nicht größer sein könnten und das vielen von uns wohl noch sehr fremd sein dürfte.

In einer gelungenen Mischung aus leichtem und amüsanten Reisebericht und lehrhaften, kurzen Kolumnen bringt Dana uns die Lebensweise der Japaner näher und man erfährt allerlei zu der landestypischen Küche, alltäglichen Gepflogenheiten, Ritualen und der Geschichte des Landes. Wer wusste schon, dass Japaner selbst bei sich Zuhause für die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Arbeiten verschiedene Fußbekleidungen haben, um ihre Reinlichkeit zu wahren, oder sie anstelle von Partner-/Sternzeichenhoroskopen an die Macht der Blutgruppen glauben.
Bei all der Liebe zu dem Land und den verschrobenen, aber doch liebenswerten Marotten der Japaner, vergisst Dana nicht, den Blick auch hinter die Kulissen aus Kimonos und Sakeflaschen zu werfen und so manche Doppelmoral aufzudecken. Dabei wird trotzallem darauf geachtet, es nie einer gewissen Objektivität und Ehrerbietung fehlen zu lassen und trotz allen Humors, denn die Journalistin für ihre japanischen Mitreisenden übrig hat, diese nie lächerlich machen zu wollen.
Es ist eher ein Roman über das unerwartete Zusammentreffen zweier Welten, die versuchen, den jeweils anderen zu begreifen und zu verstehen – das erzeugt Spannungen, Konflikte und humorvolle Begebenheiten, was aber nie auf die Spitze getrieben wird, sondern sich immer nur in kleinen Kämpfen äußert, in denen ein jeder versucht, seine Art zu leben, durchzusetzen.

Auch auf aktuelle Probleme des Landes wird der Blick immer wieder gerichtet und in einer Episode kommen Überlebende der Katastrophe von Hiroshima, sogenannte Hibakushas, zu Wort, um mit Dana über das erlebte Unglück zu sprechen.So reichen sich in diesem Buch Bewegendes und Amüsantes immer wieder die Hand und besonders der liebevollen Figurengestaltung ist es zu verdanken, dass dieser Roman über eine Schifffahrt mitt 1000 Japanern quer über den Pazifik ein so gelungener und kurzweiliger Reisebericht geworden ist, der beim Lesen durchaus die Reiselust und das Fernweh wieder belebt. Und wenn man schon keine Möglichkeit hat, die Reisekoffer zu packen, so kann man sich immer noch ein Stück japanischen Flairs ins Haus holen – Rezeptanstöße und dergleichen mehr erhält man in diesem Buch zur Genüge.

Weer einen leichten Reiseroman sucht, der auch nicht immer ganz so ernst bleibt, der ist mit Aber bitte mit Sake durchaus gut versorgt und wird vergnügliche Stunden zubringen können und nebenher auch noch das eine oder andere von den Japanern lernen können. Denn es ist immer gut, seinen Horizont stetig zu erweitern.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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