„Die Kinder des Teufels“ von Roman Rausch

Es ist eine schicksalsschwere Nacht 1629, in der Kathis Brüderchen Michael das Licht der Welt erblickt.
Am Himmel erscheint, wie einst bei Jesus‘ Geburt, ein glühender Stern, doch anstatt im Nirgendwo zu vergehen, stürzt der flammende Komet in der Gegend um Würzburg nieder und versetzt die gottesfürchtigen Menschen der Stadt, in der gerade die Hexenprozesse ihren Höhepunkt erreichen, in helle Aufregung.

Schon bald werden Stimmen nach der Ankunft des Leibhaftigen und eines Teufelskindes laut und Kathi muss um das Leben ihres Bruders bangen, der ein verdächtiges Muttermal trägt: die Zahl des Antichristen.

Und wie eine Ankündigung des Teufels selbst befällt eine seltsame Krankheit gottesgläubige Menschen und lässt sie lasterhafte Dinge sagen und tun. Die Hexenprozesse erhalten neue Nahrung und die Suche nach dem Schuldigen beginnt. Zwei eigens aus Rom angereiste Geistliche machen sich auf die Suche nach dem „Teufelsbalg“ und so muss Kathi mit ihrem Bruder, unterstützt von Freunden, fliehen.

Man glaubt anfangs nur schwerlich, dass die Protagonistin des Romanes erst zarte elf Jahre alt ist, bei der Last, die sie stemmen muss. Gerade erst als Hexe (im Vorgängerband Die Kinderhexe) verdächtigt und angeklagt, muss sie sich jetzt schon allein mit einem wehrlosen Säugling durch ernsthafte Widrigkeiten kämpfen. Dass dabei nicht viel von Kindheit übrigbleibt, ist leider traurige Realität. Man glaubt Kathi in ihrem Charakter; ihre Wesenszüge sind für so ein gebeuteltes Kind durchweg realistisch dargestellt und wirken nie überspitzt oder übertrieben – wie man das manchmal gern aus dem Historiengenre kennt.
Auch die anderen Kinder (Kindern kommt in diesem Roman eine wichtige Rolle zu), die sich aus Angst vor der Obrigkeit in den Kellern der Stadt versteckt halten und auf die Kathi im Verlauf der Erzählung trifft, sind alle sehr greifbar gestaltet und illustrieren damit eine schreckliche Zeit umso ergreifender. Gerade die Art der Leere in den Gefühlen der Kinder – die Hoffnungslosigkeit und das einfache Dahinvegetieren der Einzelnen – versteht Roman Rausch hier auf eindrückliche Weise einzufangen, wenn er sie beispielsweise einfach monton sagen lässt: „Gott hat uns verlassen“, während über ihren Köpfen in der Stadt sämtliche Kleriker, von einem Nervenwahn befallen, Gotteslästerliches von sich geben und die Bewohner Würzburgs beginnen, sich langsam selbst zu dezimieren.

Eine gute Idee ist auch die Wahl einer besonderen Erkrankung (die hier, wie auch im Roman geschehen, nicht näher benannt werden sollte), die unbekannter als die im Historienroman oft zitierten wie Pest, Cholera, Lepra oder Ruhr ist, aber trotzdem nicht minder verheerend sein konnte und deren Auswirkungen auf die durch den Vorfall mit dem Kometen verängstigten Menschen in dem Roman auf simple, aber eindrückliche Weise geschildert werden.
Überhaupt ist dieser Roman trotz einer blumigen, ausgefeilten Sprache sehr klar in seinen Ausführungen und für jedermann auf Anhieb verständlich verfasst, wozu auch sein kurzer, prägnanter Satzbau führt.

In sehr emotionalen oder erschreckenden Szenen führt diese Art zu schreiben geradezu zu einer Pointierung des schreckens. So beispielsweise in dem Moment, als Kathis Mutter Helene bei der Geburt stirbt:

„Helene schnaufte, presste und schrie. Schnauft und presste… und dann passierte es.
Etwas passierte, riss eine tiefe Wunde. Ein Schwall Blut ergoss sich aus ihrem Unterleib. Helene schrie markerschütternd auf.
‚Verdammt auch das noch.‘
Der Ton in Liobas [die Hebamme] Stimme klang besorniserregend. […]
‚Was ist geschehen?‘ fragte Kathi.
‚Nichts.‘
Aber natürlich war etwas geschehen.“ (S. 18)

Man kann Die Kinder des Teufels guten Gewissens auch ohne seinen Vorgänger lesen, denn das Vorwissen um Kathi wird nicht zwingend vorausgesetzt, selbst wenn ab und zu Bemerkungen zu ihrer bewegten Vergangenheit fallen. Aber ich denke, dass es hier trotzallem lohnenswert wäre, denn die Geschichte um Kathi geht auf alle Fälle weiter – Band Nummero drei steht schon in den Startlöchern. Und diesemal wird die junge Protagonistin ihre Heimatstadt Würzburg wohl verlassen müssen.

Für Freunde des regionalen Historienromans sie diese Perle hier wärmstens empfohlen, doch auch Leser anderer Genres werden an dieser gut durchdachten, fesselnden Geschichte rund um seine sympathische Protagonistin viel Freude haben.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

 

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