„Sonutarium Labyrinth“ von Astrid Vehstedt

Alles beginnt im belgischen Städtchen Lüttich, als der etwas dümmlich wirkende Bauarbeiter Alfons Blanc durch Zufall zwei stark verweste Kinderleichen findet. Schnell wird eine Verbindung zu den vor wenigen Monaten aus Köln verschwundenen Kindern Désirée Küppers und Sophie Junghäuser gezogen. Die beiden wieder auf den Fall angesetzten Kommissare Martin Kowalski und Luca Gawriloff finden sich bereits nach wenigen Tagen in diesem scheinbar schon gelöstem Fall in einem Sumpf aus Verstrickungen, Verschwörungen und schmutzigen Geschäften wieder. Während Kowalski anfangs noch nicht an die reichlich obskur klingenden Verschwörungstheorien seines Kollegen glauben will, wird rasch klar, dass der Fall durchaus verworrener ist und die beiden in große Gefahren bringt – denn die Leuten, in deren Leben sie herumschnüffeln, verstehen keinen Spaß.

Es ist eben alles wie in einem unübersehbaren Labyrinth.

Ein Sonutarium Labyrinth ist das Erstlingswerk von Astrid Vehstedt geworden – verwinkelt und undurchsichtig, aber doch nicht minder spannend. Die Geschichte um die beiden toten Mädchen weitet sich Seite um Seite sukzessive aus und als Leser sitzt man häufig verblüfft davor und wundert sich ob der Dimensionen, die sich offenlegen.

Wer das fast 500-Seiten starke Buch in den  Händen hält, wird ersteinmal nicht recht wissen, was ihn hier erwartet. Zum einen wurde mit voluminöseren Papier der Umfang optisch etwas „aufgepeppt“, was aber nicht unbedingt eine gute Entscheidung war, da das Buch ein schlechtes Aufschlagverhalten aufweist und sich sehr störrisch verhält.
Weiterhin ist auch die Covergestaltung in meinen Augen nicht recht geglückt; würde nicht rechts oben der kleine Vermerk „Krimi“ sein, so wüsste man gar nicht, womit man es hier eigentlich zu tun hat. Das Bild verwirrt und transportiert keine wirkliche Aussage (ebenso wie der Titel: wer herausgefunden hat, was ein Sonutarium ist, darf es uns gern verraten) und die Schrift weckt Assoziationen zu einem Fantasy-Roman.
Aber schlussendlich kommt es ja auf die Geschichte zwischen dem Umschlag an (auch wenn das Cover einer der wichtigsten Kaufanreize ist).

Und die ist hier durchaus krimiwürdig. Den Leser erwartet eine interessante, vielschichtige Erzählung, die fesselnd und spannend ist. Man wird schon mit Beginn des Romans erahnen können, in welche Richtung es gehen wird, aber die wahren Dimensionen legen sich erst nach und nach offen. Und so darf man mit Kowalski und Gawriloff ermitteln und weiß selten mehr als die beiden, was der Spannung durchaus zuträglich ist. es wird auch nicht beim Spiel mit verschiedenen Handlungssträngen gespart und der Leser immer wieder ein wenig in die Irre geführt. Bis zum Showdown kommt nur selten wirkliche Langeweile auf und das ist neben der Geschichte auch der guten Chemie zwischen den Hauptpersonen zu verdanken, die oftmals für Spannungen und (unfreiwillige) Komik sorgen. Und eben das ist bei Vehstedts Schreibstil auch von elementarer Bedeutung, denn er zeichnet sich durch eine offenkundige Dialoglastigkeit aus. Man erhält weniger Beschreibungen, denn viel mehr Gespräche – das kann interessant und manchmal auch besonder nah an den Protagonisten sein, erfordert aber auch Konzentration, damit man nach einer Seite noch weiß, wer wann redet. Ein großes Problem bei dieser Erzählform sind Wiederholungen bei den Iquit-Formeln. Besonders in der Mitte des Romans wird Vehstedts Faible für das Wort „knurren“ offenkundig. Fast jeder darf da mindestens dreimal fröhlich vor sich hinknurren.

Weiterhin fällt dem Leser aber auch schnell die ungleiche – als harmoniebedürftiger Mensch möchte man sasgen: unfaire – Charakterisierung und Behandlung der Protagonisten auf. Während der Familienmensch Kowalski anfangs eher als treudoofes Lämmchen ohne Ahnung von Kultur oder sonstig Wissenswertem hingestellt wurde, traten bei Gawriloff geradezu „Superman“-Qualitäten ans Tageslicht: er kann alles, er weiß alles, er macht alles.
Immer steht er im Rampenlicht (er will es ja gar nicht, wie er oft verlautbaren lässt) und stellt seinen Kollegen in selten in seinen Schatten. So ist er auch, wenn die beiden getrennt ermitteln, immer im Fokus der Erzählung, während man von Kowalskis Werdegang eher en passsant etwas erfährt. Man kann sich so bedauerlicherweise des Eindrucks nicht erwehren, Kowalski sei trotz seiner eigentlichen Position in diesem Kriminalromen nur eine Randfigur.

Markant wird das nach dem eigentlichen Showdown – denn nach diesem ist, wie sonst oft üblich, noch lang nicht Schluss.
Fast 100 Seiten Nachspiel erwarten uns hier. Zum einen ist das natürlich sehr interessant, um der Polizei(nach-)arbeit folgen zu können, die nach der Lösung eines Falles ja nicht plötzlich endet.
Aber hier wurden die Seiten dazu verwendet, um unverhältnismäßig viel über den Fortgang in der Beziehung Gawriloff und der Psychologin Ehrenstein zu berichten. Völlig irrelevant ist es für den eigentlichen Fall und gespickt mit Emotionalität und Melodramatik, dass man sich nicht selten fragt, was die Autorin nun damit eigentlich bezweckt.
Wenn sie nur einen Abriss geben wollte, wie sich das Leben nach so einem turbulenten Fall entwickelt, so kommt Kowalski auch hier wieder deutlich zu kurz. Ansonsten wirkten die letzten 100 Seiten oftmals nur noch überzogen und für die Geschichte nicht relevant.
Und ich muss ehrlich sagen, dass ich mich nach den letzten Seiten auch eher durchgeschleppt habe.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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