„Das Pestzeichen“ von Deana Zinßmeister

Der Dreißigjährige Krieg ist schon seit einigen Jahren vorbei, doch seine Nachwirkungen sind im deutschen Lande noch deutlich zu spüren: Hunger, Armut, Pest und marodierende Soldatenscharen machen den Bewohnern der Dörfer immer wieder zu schaffen. Der jungen Susanna und ihrer Familie, die an der Saar leben, geht es da noch vergleichsweise gut. Als das Mädchen eines Tages nach einer Reise zu ihren Verwandten wieder auf den elterlichen Hof zurückkehrt, findet sie ein verwüstetes Anwesen vor – und ihre gesamte Familie niedergemetzelt. Kurz vor seinem Tod vertraut ihr Vater ihr das Geheimnis um einen Schatz – verborgen in einem ehemaligen Pestlazarett – an und in der Hoffnung, ihre Familie zu rächen und sich und ihrem Vetter ein besseres Leben ermöglichen zu können, macht sie sich auf die Suche.
Dabei trifft sie auf den Schweizer Urs und seine Familie, die auf dem Weg nach Trier sind, um dort in den Soldatendienst einzutreten und in der Hoffnung, dass ihr der junge Bursche bei der Suche hilft, lockt sie ihn unter einem Vorwand zu dem Ort, an dem der Schatz vergraben liegen soll, während seine Familie schon nach Trier weiterzieht.
Bei der Suche bereiten den beiden aber nicht nur Schatzgeister Probleme – Jeremias, sein Handlanger und ihr Auftraggeber, ein verzweifelter Salinenbesitzer, sind ihnen auf den Fersen, um den Schatz selbst für ihre Zwecke zu nutzen und Rache an der jungen Susanna zu üben.

(randomhouse.de)

Das Pestzeichen ist Deana Zinßmeisters mittlerweile siebtes Buch, das sie veröffentlichte und ist, wie auch ihre Vorgängerromane, in das Genre der Historienromane einzuordnen.
Die Struktur ist altbewährt und wird den eingefleischten Genreleser auch durchaus zufriedenstellen und überzeugen, so finden sich doch Elemente zusammengefügt, die einen schönen geschichtlichen Roman ausmachen: ein junges, aber doch willensstarkes Mädchen, das durch einen herben Schicksalsschlag dazu gezwungen wird, seine Heimat zu verlassen, eine Prise junger Liebe, ein starkes, geschichtliches Ereignis (hier: der Dreißigjährige Krieg und die Pest) und ein Konflikt mit einer stärkeren Macht.

Zinßmeister gelingt es hier durchaus, in einer sehr angenehmen Art ein glaubhaftes Bild dieser Zeit zu zeichnen – man orientierte sich hier wohl auch teilweise an Grimmelshausens „Simplicissimus“ und an diversen barocken Gedichten, die doch ein buntes Bild der krisengeschüttelten Zeit des 17. Jahrhunderts wiedergeben. Und dabei folgt man den liebevollen und sympathischen Figuren immer gern auf ihrem Weg und bis zum Schluss kann man sich nie wirklich sicher sein, ob doch noch alles zu einem guten Ende finden wird, denn ob der Schatz wirklich existiert, bleibt lange ein Geheimnis. In ihrer Figurencharakterisierung ist die Autorin oftmals auch sehr detailliert vorgegangen und offenbart hier dem Leser eine glaubhafte Entwicklungspsychologie, auch wenn sie besonders in der Beziehung Susanna-Urs manchmal zu pathetisch und liebestriefend ist.
Lehrreiches und Unterhaltsames gibt es für den interessierten Leser auch immer wieder zu entdecken, wenn man beispielsweise in die Funktionsweise einer für die Zeit typischen Saline eingeführt wird oder bei der für uns doch recht seltsam anmutenden Schatzsuche dabei ist. Es wird kein Urteil darüber gefällt, sodass man nie als Leser unterschwellig das Gefühl hat, die Figuren würden unbedacht und unbedarft handeln, sondern es ist nachvollziehbar aufgebaut. Auch die Geschichte ist in sich stimmig – aber für mich leider nicht herausragendes. Besonders die Beschäftigung mit der Pest kam mir hier eindeutig zu kurz. In Anbetracht des recht klaren Titels erhoffte ich mir hier eindeutig mehr über diese „Geißel der Menschheit“ lesen zu können. Sie spielte durchaus eine wichtige Rolle, aber richtig klar, was diese Pestzeichen nun für die Geschichte aussagten, wurde ich mir nie.

Ein großer Negativpunkt waren für mich die häufig überkostruiert wirkenden Dialoge, die eine erfrischende Natürlichkeit vermissen ließen und gestelzt wirkten.
So sitzen zum Beispiel, als ein paar Soldaten vor einer Hinrichtung um die Hinterlassenschaften der Delinquenten spielen:

Als man die Zahlen erkennen konnte, sprang einer seiner Kandidaten auf und rief: »Du Lump betrügst!« Der Beschuldigte lachte herzhaft. »Rede keinen Unsinn, Klaus! Nur, weil ich Glück habe und die Schuhe der Verurteilten gewinne, die du haben willst, muss ich nicht betrügen […]« (S. 108)

Es wirkt, als wolle man alle für das Verständnis um die Situation notwendigen Informationen in den Dialog legen, aber dadurch wirkt er nicht mehr natürlich, sondern bekommt eine rein erzählende Funktion. Auch sonst hat man das Gefühl, als wolle man dem einfachen Volk der Frühneuzeit eine besonders gehobene, gepflegte Sprache in den Mund legen, aber das ist doch manchmal ein wenig zuviel des Guten und hat mir auch das Lesen erschwert.

Zum Ende hin zeigt sich aber wieder eine Stärke Zinßmanns: das pointierte, zielführende Erzählen. Alle Handlungsstränge, die noch offengeblieben waren, werden in kurzen Episoden möglichst knapp, aber sehr pointiert zusammengeführt, sodass die ganze Geschichte, die sich oft etwas zieht, perfekt abrundet und Fragen geklärt werden.

Im Gesamten ist Das Pestzeichen ein guter regionaler Historienroman mit Hintergrund und fundierten Kenntnissen, der aber auch seine Schwächen hat und nicht in allen Punkten überzeugen konnte. Hier ist es besonders schade, dass die Schwachstellen gerade bei den Mono- und Dialogen liegen (die Protagonisten führen auch oft zu den unmöglichsten Zeiten die unmöglichsten Selbstgespräche), denn sonst wurde in diesem Roman sehr viel Wert auf einen authentischen Hintergrund gelegt und es gibt immer wieder Momente, wo man sich die Welt des 17. Jahrhunderts gut vorstellen kann.

Wie gesagt: für Liebhaber dieses Genres sicherlich ein gutes Buch in der Sammlung. Ein paar Tage hat man Lesefreude, doch es ist nichts für die Ewigkeit.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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