„Hummeldumm“ von Tommy Jaud

Ich lese sehr gern komische und witzige Geschichten. Und so kam es, dass ich, auf Empfehlung einer Freundin hin, das Buch Hummeldumm las.
Ein als Comedy-Roman des Jahres beworbenes 300 Seiten starkes Büchlein, auf dessen Cover mich nur glubschäugig ein Erdmännchen in einem Paar Wanderstiefel anstierte, lag vor mir.
Der recht kurz gehaltene Werbetext auf der Coverrückseite ließ schon erahnen, in welche Richtung es wohl gehen mag:

9 Trottel mit albernen Sonnenhüten.
271 gar nicht mal so wilde Tiere.
3877 Kilometer Schotterpiste im Minibus.
Und weit und breit kein Handynetz.

Ja, Matze und seine liebenswerte Freundin Sina machen Urlaub in Namibia. Doch nicht allein. Nein, in einer Gruppe aus bunt zusammengewürfelten, aller Altersklassen und Mundarten angehörigen, skurrilen Leutchen. Dass dabei allerhand verrückte Dinge geschehen werden, dürfte spätestens jetzt klar sein. Doch Matze hat neben seiner Reisegruppe noch ganz andere Probleme: er vergaß, vor seiner Abreise die Reservierungsgebühr für die neue Wohnung zu überweisen und setzt jetzt Himmel und Hölle in Bewegung, um mit der Immobilienfirma und seiner Bank zu telefonieren – denn, wie bereits angedeutet, um die Erreichbarkeit ist es in Namibia nicht gerade gut bestellt. Und da Matze auch noch große Probleme hat, seinen Fehltritt seiner Freundin zu beichten, kriselt es zwischen den beiden schon bald ganz gehörig. Aber sie sind damit wenigstens nicht allein.
Tja, die meisten Ehen werden halt immer noch im Urlaub geschieden.

Vielen wird der Autor Tommy Jaud durch die Vorgängerromane „Vollidiot“ und „Resturlaub“ bekannt sein – ich las keinen der Romane, allein schon, weil mich mein Spürsinn für die Covergestaltung warnte. Dabei schrieb Jaud auch schon das Drehbuch zu „Zwei Weihnachtsmänner“ und für „Ladykracher“. Diese Information hätte mich warnen können…

Und der Roman fing auch schon bezeichnend an.

Sitzreihe 12 war die letzte, die zwischen Tortellini und Hühnchen wählen durfte. Ich saß in Reihe 13. Schon auf dem Hinflug hätte ich also ahnen können, dass der Jahresurlaub zum Alptraum wird. Einen Scheiß ahnte ich.

Ja, das ist schlimm, wenn man im Flugzeug sich sein Essen nicht mehr selbst auswählen kann. Doch es sollte ja noch viel, viel schlimmer kommen. Handyakku leer, kaum, dass er namibischen Boden betrat; die Gewissheit, dass er unbedingt und so schnell wie möglich noch 5000 Euro überweisen muss; mit einer Truppe aus obskuren Figuren und in einem alten, klapprigen Bus durch das afrikanische Land touren und schlussendlich auch Eifersuchtskämpfe gegen den thüringischen Bodybuilder Kevin Schnabel führen.
Dass Matze dabei noch permanent rummosert und seine Freundin bekniet, doch den nächstbesten Flieger zurück nach Deutschland zu nehmen, macht es nicht besser. So führt sich der junge Protagonist fast 250 Seiten lang wie ein jungpubertierender Jugendlicher auf, dem man verboten hatte, mit guten Freunden ins Kino zu gehen und der jetzt aus lauter Frust ständig am Nörgeln ist. Auch seine penetrante Suche und Fragerei nach einem Stromadapter und einem funktionierenden Telefon mögen zu Anfang noch erträglich sein, werden jedoch schnell nervig und man wünscht ihm endlich diesen Adapter, damit er Ruhe gibt. Er reagiert da in vielen Situationen aber auch viel zu überzogen und man merkt ihm, wie auch den anderen Charakteren, seine Aufgabe als „literarische Deppenfigur“ an, die nur dazu dient, „lustig“ zu sein, ohne Rücksicht auf die eigentliche Geschichte, die so nur noch ins Groteske verzerrt wird.
Dabei darf Matze aber beruhigt sein, denn er ist beleibe nicht der einzige Depp auf dieser Fahrt. Die Narrenkappe der dussligsten Touristen teilt er sich noch mit sechs anderen, und da versucht jeder dem anderen den Rang an Dummheit abzulaufen. Während der eine sich schon am Morgen hemmungslos besäuft, bewirbt sich die andere um den Platz 1 der „Dämlichsten Fragen“, und der nächste klebt förmlich an seiner Kamera und knipst alles, was ihm vor die Linse hüpft, läuft oder fliegt. Das Spektrum an touristischen Dummheiten ist groß.
All dieses wurde selbstverständlich konstruiert, um Lacher zu erzeugen, aber viele der Witze zündeten jedenfalls bei mir nicht und als ich auf Seite 84 dann doch endlich mal lächeln musste, freute ich mich mehr über den Umstand, als über den Witz. Und so zog sich das Buch dann auch und wirklich Knaller, wie von einem „Comedy-Roman“ erwartet, fand ich nicht.
Es glich eher einem Fremschämroman – also, Prosa, nur dafür gemacht, dass man sich beim Lesen für das dämliche Verhalten der Protagonisten schämt und am liebsten nie mehr verreisen möchte, aus Angst, auch an so eine Truppe zu geraten.
Der einzige Sympathieträger war der ruhige und besinnliche Reiseführer Bahee, der fast jeden Unsinn seiner Schützlinge mit sich machen ließ. Einzig bei seiner Redensweise war man nicht immer ganz stringent: mal konnte er Umlaute aussprechen, mal nicht, mal sprach er dialektisch, mal bemühte er sich um Hochdeutsch.
Aber gerade hier liegt eine Besonderheit in Jauds Schreibstil und auch eines seiner Steckenpferde: das dialektische Schreiben. Immer wieder wird man mit bestem Österreichisch oder Fränkisch konfrontiert, das man aber auch gut lesen kann und den Gesprächen einen netten Anstrich an Individualität und Interesse gab. Denn der Inhalt der Diskussionen war zumeist doch eher dürftig.

So rückte die Handlung, die sowieso schon mehr als dünn war – so wie Namibias Handynetz – immer mehr in den Hintergrund und man las Seite um Seite von Absurditäten, Banalitäten und Kuriositäten der Urlauber.
Das Erdmännchen Carlos, das von der Reisetruppe aus einer Lodge mitgenommen wurde und dessen Pendant auf dem Buchcover abgebildet ist, hatte auch kein leichtes Leben bei ihnen. Er wurde, auf dem Teppich ruhend, zertreten. Kann ja mal passieren…

Waren zwei Drittel des Romans noch erträglich und halbwegs nachvollziehbar, so war das Ende doch nur noch überzogen und lachhaft. Fast so, als müsste man dem Leser jetzt noch die Moral auf den Weg mitgeben: „Lieber Leser, verhalte dich so nicht im Urlaub“, sind nun alle Reisegruppenteilnehmer geläutert und sehen ihr unmögliches Benehmen ein. Jeder beichtet dem anderen im Beisein der Truppe vor der herrlichen Kulisse der namibischen Wüste seine Verfehlungen und am Ende sehen sie sogar – welch‘ Wunder – über die Marotten der anderen mit einem Lächeln hinweg. Man hat sich doch lieb im Urlaub.

Im Grunde ist dieses Buch nichts herausragendes. Man liest es, um damit die ruckligen Stunden im Zug rumzubringen, schlägt es zu und das war’s auch schon. Mehr ist aus der Geschichte nicht rauszuholen. Vielleicht war der Titel auch ironisch für das ganze Buch gemeint. Ich jedenfalls fand es wirklich hummeldumm. Und dieses Wort wird das einzige sein, dass ich mir von diesem Buch merken werde.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

Advertisements

5 Kommentare zu “„Hummeldumm“ von Tommy Jaud

  1. Pubertäres Verhalten und Obszönitäten scheinen mir in Deutschland vermehrt als der Inbegriff von Humor zu gelten. Das kann vielleicht einigermaßen Unterhalten, ist aber weder geistreich noch wirklich witzig.
    Gibt’s eigentlich noch lustige Geschichten, die auf die sich davon abheben?
    Kinderbücher zählen nicht 😉

Schreibe einen Kommentar.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s