Frankfurter Buchmesse Tag 4

Am Samstag war nun der erste Privatbesuchertag der Buchmesse und wie schon erwartet, wurde der Messeplatz gestürmt – ja, gerade zu von Menschemassen geflutet. Ein leichtes, einfaches und stressfreies Durchkommen war nicht mehr möglich und während ich mir als Vorhut einen Weg durch die Massen bahnte, lief meine Freundin, die leider nicht zu den Fachbesuchertagen mitkommen konnte, in meinem Windschatten mit.
Eigentlich wollte ich heute, am Sonntag, nochmals zur Messe fahren, aber nach reiflicher Überlegung habe ich dies nun doch gestrichen – es ist sinn- und nutzlos und stresst mehr, als das man wirklich etwas von der Messe hat.

Bei der Signierstunde mit der Autorin Nalini Singh muss gar so eine Schlange angestanden haben, dass eine Nutzerin auf lovelyBooks lakonisch sagte: „Ich wusste ja nicht, dass man einen Schlafsack mitbringen musste“. Aber auch bei der Signierstunde mit Håkan Nesser vor dem Lesezeit auf der Agora möchte ich nicht wissen, wie lang da die Wartezeiten waren. Die Schlange jedenfalls war sehr lang…

Ich trieb mich dann mit meiner Freundin eher in den Bereichen der Touristik- und Fachliteratur herum, denn auch wenn da ebenso verstopfte Ecken gab, war es hier ruhiger und angenehmer, als zum Beispiel in der hemmungslos überlaufenen Comic- und Kinderbuchhalle. Ellenbogen- und Blaue-Flecken-Garantie inklusive.
So waren wir beispielsweise bei einer Diskussion zum Thema Copyright geht uns alle an zugegen, indem ganz besonders Thorsten Schliesche als Vertreter der Musikplattform Napster herausstach, der unverkennbare Parallelen zwischen der Musik- und der Buchbranche in Art der Nutzung von Urheberrechten und Kopierschutz aufzeigte und mit deutlichen Worten die Branche – als Vertreter waren René Kohl (Kohlibri) und Guido Hettinger (RA. Sozietät Brehm & von Moers) – vor überstützten Entscheidungen bezüglich des Schutzes von eBooks warnte, damit dort eben nicht diesselben Fehler passieren, wie dereinst der Musikbranche und damit sich der Nutzer nicht kriminalisiert vorkäme.

Auch an diesem Tag stellte Denis Scheck wieder eine Menge guter Bücher vor und riet von nicht lesenswerten Büchern – zumeist „Promibüchern“ – mit seiner gewohnt witzigen und ehrlichen Art ab. Dabei sorgte sein unverblühmter Witz für einige Lacher im Forum und ich vermute stark, dass sich nach Best of Druckfrisch so einige Zuschauer das eine oder andere, von Scheck empfohlene Buch holen werden.
In der freien Zeit zwischen den Veranstaltungen (und wir brauchten diese Zeit, um eben von Punkt A nach B zu gelangen) schauten wir uns das bunte Verlagsprogramm an. Immer wieder ernstaunlich, wieviele Neuerscheinungen unterschiedlichster Couleur pro Jahr und Monat auf den deutschen Buchmarkt kommen. Und dabei ist die Buchmesse nicht nur deutschen und deutschsprachigen Verlagen vorbehalten. Aus insgesamt 100 Ländern kamen die Verlage nach Frankfurt, um dort dem interessierten Publikum ihre Neuerscheinungen vorzustellen.

buchmesse.de

Zu guter Letzt ging es noch einmal in den Neuseeländischen Pavillon, nicht ohne dass ich vorher feststellte, dass man die Preise für das eh schon überteuerte Essen nochmals gehörig angehoben hatte. So wollte ich heute in dem neuseeländischen Restaurant vor dem Pavillon essen, doch 7,50€ (zu Fachbesuchertagen 6,00€) für eine Vorspeise zu zahlen – das war es mir dann doch nicht wert.
Kam man an den drei Tagen davor ungehindert in den Pavillon und auch wieder heraus, wurde der Zustrom diesmal, aufgrund des Andranges reglementiert – das habe ich auch auf noch keiner Buchmesse erleben dürfen.
Im Pavillon angekommen, genossen wir ersteinmal die Ruhe, denn hier war es, trotz der Massen, die in die abgedunkelte Halle strömte, erstaunlich ruhig und kühl. Hinter einem Vorhang im hinteren Teil des Pavillons, begleitet von den Klängen des New Zealand Experience fand die letzte Lesung Anthony McCartens auf der diesjährigen Buchmesse statt. Eine Stunde lang lasen er und ein deutscher Schauspieler abwechselnd aus dem Buch Ganz normale Helden vor und dabei konnte McCarten wiederholt seinen Sinn für Humor, seinen deutschen Wortschatz (und man sah ihm an, wie sehr er es genoss, das Publikum damit zu erheitern) und sein musikalisches Talent zeigen, als er ein Lied aus dem Buch mit einer Gitarren dem Publikum selbst vortrug. Im gesamten eine sehr gelungene Lesung in einer wunderbaren und zugleich entspannenden Atmosphäre.

Einzig wirklich störender Faktor – und das bemängle ich auf jeder Buchmesse – sind die Cosplayer. Als wir vor dem Neuseeländischen Pavillon anstanden und mit einer Besucherin ins Gespräch kamen, fragte sie uns nach einer Weile, ob wir wüssten, was diese „ganzen verkleideten Leute hier wollten“. Und wenn ich ehrlich bin, frage ich mich das auch: die meisten Cosplayer sehe ich zu den Tagen immer nur die Außenbezirke belegen, wo sie sich in Gruppen oder allein in allerlei Posen und auf verschiedenen Orten fotografierten. Aber das können sie auch auf ihren Conventions machen. Ein wirkliches Interesse an der Buchmesse, den Verlagen oder zahlreichen Veranstaltungen zeigten nur wenige von ihnen. Und auch mir erschließt sich der Sinn nicht, wieso man kostümiert wie zu Karneval auf eine Fachmesse kommen muss – erhoffen sie sich Rabatt bei den Mangas oder Comics? Oder ist es doch nur pure Selbstbeweihräucherung?
Den einzigen Vorteil, den ihre, zumeist weitreichenden, gangfüllenden und sperrigen Kleider haben: sie säubern den Boden etwas.
Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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3 Kommentare zu “Frankfurter Buchmesse Tag 4

  1. Danke für Deine Eindrücke!

    Die Cosplayer konnten dieses Jahr übrigens eine Reise nach London zur Filmpremiere vom Hobbit gewinnen (das schönste Kostüm wurde premiert). Ob ein Gewinnspiel auch in den Jahren davor der Grund für ihre Anwesenheit war, kann ich aber auch nicht sagen

    • Ich danke dir für deinen Kommentar.

      Ja, das würde natürlich erklären, weshalb dieses Jahr wirklich Massen an Cosplayern da waren. Ich glaube, letztes Jahr gab es derartige Aktionen noch nicht. Ich las jetzt aber auch in einem Artikel zur Buchmesse, dass diese Cosplayer als „Bereicherung“ angesehen werden würden – ich weiß aber nicht, in welcher Hinsicht das der Fall sein sollte.
      Wahrscheinlich ist man deshalb so bemüht, sie auf die Messe zu locken.

      • Mir hat heute jemand erzählt, daß außerdem seit einigen Jahren die deutschen Meisterschaften auf der Buchmesse ausgetragen werden….

        Ich weiß auch nicht genau wie das zustande kommt, aber mich stören sie auch ehrlich gesagt nicht weiter

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