Frankfurter Buchmesse Tag 3

Der Tag begann grau und verregnet und meiner gleich mit einem richtig tiefen Hustenanfall, sodass ich ernsthaft überlegte, ob ich den Besuch doch nicht vielleicht lieber verschieben sollte. Schlussendlich war die Neugier auf viele interessante Veranstaltungen doch wieder stärker und ich begab mich zum Messegelände. Ich muss sagen, so langsam stören mich auch die fast einstündigen Zug- beziehungsweise S-Bahnfahrten nach Frankfurt nicht mehr: ich lese einfach.

Zuerst begab ich mich wieder ins ARD-Forum, noch nicht konkret wissend, mit welchen Veranstaltungen ich wohl meinen Tag füllen möchte und da es dort gerade noch erfrischend leer war, setze ich mich auf einen freien Stuhl vor der Bühne und wartete auf den nächsten Gast, der da kommen möge. Es war die Autorin Jenny Erpenbeck, die schon mit mehreren Büchern in Erscheinung getreten war und über ihr neuestes, „Aller Tage Abend“ im HR2 sprach. In diesem Buch geht es um die Geschichte einer jungen Frau, deren Lebensweg sich immer wieder verzweigt und Erpenbeck befasst sich mit der Frage Was wäre, wenn…?
Was wäre, wenn die Protagonistin nicht als Kind gestorben wäre? Wie hätte sich ihr Leben entwickelt? Oder wenn sie nicht in Rußland geblieben wäre. So spinnt die Autorin den Lebensfaden ihrer Akteure immer wieder neu und entwickelt daraus ihre Geschichte, in der sich sich auch mit den Fragen rund um das schwierige Thema „Tod“ beschäftigt – ein Thema, das man in vielen ihrer Bücher wiederfindet.
Für mich klang dieses Buch sehr interessant und nach einer Empfehlung Dennis Schecks, der manchen auch als kompetenter Buchkritiker beim DLF bekannt sein dürfte, bei Best of Druckfrisch habe ich mich nun entschlossen, es auch zu lesen. Mein Lesestapel wächst und wächst…
Dabei sorgte Dennis Scheck mit seiner gewohnt lockeren, offenen und ehrlichen Art, seinen Buchempfehlungen die nötige Prise Humor mitzugeben, die das Publikum überzeugte, wenn er beispielweise mit unnachahmlichem Augenzwinkern von einer Neuerscheinung namens „Prominente Hunde“ abriet oder sich ganz leicht unterschwellig über des Ex-Präsidentengattins Autobiographie lustig machte. Wer also heute eine halbe Stunde investieren kann, dem sei Dennis Schecks Best of Druckfrisch wärmstens empfohlen (ARD Bühne Forum Level 0), denn er gibt kompetent Orientierung im deutschen Bücherwald.

Als nächstes, wie gestern schon angekündigt, war ich dann, im strömenden Regen, zum Lesezelt gelaufen und konnte endlich meiner lang ersehnten Lesung von Anthony McCarten beiwohen, in der er und die Moderatorin Margarete von Schwarzkopf abwechselnd auf deutsch und englisch aus den neuen Buch „Ganz normale Helden“ vorlasen und nebenbei noch etwas über das Buch sprachen. Als besonderes Bonbon präsentierte uns der Autor ein Stück aus seinem Buch, in dem der Sohn Jeff mit seinem Freund spricht und ihn versucht, aus seinem Sumpf der Melancholie wieder rauszuholen. Dabei sollte erst von Schwarzkopf diese Szene auf deutsch mit einem Affenzahn und am besten „in one breath“ lesen, fand sie aber in ihrem Buch auf die Schnelle nicht. So übernahm McCarten diese Rolle selbst – und das war eine gute Entscheidung, wie ich fnde. Ich habe Szene gefilmt, sodass ihr euch sie selbst anschauen könnt.

Nach der Lesung ging es noch fix ins Signierzelt und ich dort kaufte ich mir dann „Ein englischer Harem“, das ich nach einem kurzen Gespräch mit McCarten auch von ihm signiert bekam. Mit Smiley :).

Danach, mit ein wenig Zeit zum Verschnaufen ging ich geradewegs in die überfüllteste Halle; egal ob zu Fach- oder Publikumstagen. Die Halle 3.0. Die Halle für Kinderbücher, Kochbücher und die beliebten Mangas. Und da war das heute sogar noch als gemäßigt anzusehen. Ab heute ist da nur noch Drängen und Schieben angesagt. Wer also diese Halle meiden kann, möge das auch tun – besonders zum Nachmittag hin.

Dass es bei der Buchmesse aber auch sehr politisch und polarisierend zugehen kann, bewies das Interview mit Hein Buschkowsky, der Belin-Neuköllner Bezirksbürgermeister, mit seinem neuen Buch „Neukölln ist überall“. Obwohl der Platz am Stand der Berliner Vorwärts Verlagsgesellschaft mbH nur wenig Platz zur Verfügung stand, war der Andrang bald so groß, dass der Platz auf dem Gang von Menschen, die dem Bezirksbürgermeister zuhörten, zugemauert war. Während Buschkowsky mit viel Elan und feurigen Worten die Theorie der Parallelgesellschaften, die sich in Städten wie Berlin-Neukölnn von Ausländern etablieren, untermauerte, gab es bei Themen wie Bildungsreform und Integration – sprich: Anpassung an westliche Lebensgewohnheiten – immer wieder starken Beifall und Zustimmungsbekundungen.

Der letzte Beitrag, den ich mir anhörte, ehe es nach hause ging, um meinen kratzenden Hals etwas zu schonen, galt der Stiftung Lesen und befasste sich mit einem neuen Projekt der Stiftung in Kooperation mit der F.A.Z., um Schulen, Lehrer und Schüler zu unterstützen. Dabei kann man sich für das Projekt Lesen bewerben und dann bekommen die Schüler der jeweiligen Klasse ein Jahr regelmäßig die F.A.Z. sowie die F.A.S. als E-Paper geliefert, haben Zugriffsrechte auf das gesamte F.A.Z.-Archiv und können zusätzlich dazu noch an einem Wettbewerb mit Geldgewinnen teilnehmen. Ziel dieses Projektes soll es sein, Kinder zu mündigen Bürgern zu erziehen, die lernen, Nötiges von Unnötigem zu unterscheiden und kritisch Dinge zu hinterfragen. Ob das mit diesem Projekt gelingt, bleibt allerdings noch abzuwarten.
Ein Lehrer äußerte sich jedenfalls – wie ich finde, zurecht – kritisch über die Verteilung der Zeitschrift als E-Paper, weil er Sorge hatte, dass so für die Schüler die Motivation, diese Zeitung zu lesen, noch geringer sei, als es auch schon beim Printmedium der Fall sei.

Da werde ich mal gespannt sein, wie überlaufen die Messe in wenigen Stunden sein wird – ob überhaupt noch ein Vorwärtskommen in den Gängen möglich sein wird.

 

Liv. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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