Frankfurter Buchmesse Tag 1

So, Tag 1 meines Besuches auf der Buchmesse ist zu Ende und ziemlich müde und geschafft genieße ich meinen Abend. Wie zu erwarten war, konnte ich vieles meines vollen Terminplanes nicht wahrnehmen – aber das war bei der Fülle auch nicht verwunderlich. Schließlich überschnitten sich manchmal bis zu vier Veranstaltungen.

Hauptsächlich hatte ich mir Diskussionsrunden und Vorträge zum Thema Urheberrecht und Strukturwandel in der Buchbranche ausgesucht, doch man blieb immer mal gern auch an anderen Ständen stehen.
Zuerst hörte ich mir einen Vortrag von Dr. Eva Douma an, die über die Buchbranche im Wandel sprach und dabei im Besonderen den stationären Buchhandel fokussierte, seine Probleme darstellte und Lösungsvorschläge anbrachte. Das Grundproblem für Buchhändler sah sie dabei in wachsender Arbeitsmenge, die die Buchhändler allein nicht mehr imstande seien, zu bewältigen. Man erwarte zuviel von ihnen; so sollten sie doch Verkäufer, Manager, Organistator von Veranstaltungen und Entertainer sein. Ihre Ideen zur Stärkung der Branche waren zwar keine neuen, aber doch anschaulich dargestellt und mit praktischen Beispielen untermauert. Vom „Networking mit anderen Buchhändlern und Institutionen“ über Mitarbeiteraustausch mit anderen Buchhandlungen zur Erweiterung des Erfahrungsschatzes bis zur Aufstellung eines Arbeitsteams, in dem gemischte Kompetenzen und Altersgruppen vertreten sind, war alles dabei. Schade nur, dass keine Buchhändler im Publikum vertreten waren, die aus ihrer Sicht berichten konnten. Da waren wir doch alles eher Spartenfremde…

„Open Access – Bedrohung oder Chance?“ war die Diskussionsrunde, der ich als nächstes beiwohnte. Dabei sprachen sechs Vertreter aus den Sparten Verlag, Bibliothek, Presse und Datenverarbeitung über Sinn und Nutzen der Open Access-Bewegung. Dabei blieb die gewünschte Diskussion bedauerlicherweise aus – einzig der Chef des de Gruyter Verlages, Sven Fund, versuchte einmal, eine Diskussion ins Rollen zu bringen, zumeist blieb es aber ruhig, der Moderator stellte eine Frage in den Raum, die dann von einem zum nächsten weitergegeben wurde, wobei alle einmündig und ziemlich ausweichend angaben, dass Open Access doch niemals und für niemanden eine Bedrohung sein kann, es sei denn, man reagiere unflexibel und ängstlich auf diese evolutionäre Bewegung.

Dann war meine erste Lesung, beziehungsweise eher Interview mit Anthony McCarten, über dessen neues Buch „Ganz normale Helden“ ich hier eine Rezension schrieb. Auf dem Blauen Sofa, geleitet und übertragen vom ZDF und DeutschlandradioKultur, saß der sympathische Neuseeländer und sprach mit Wolfgang Herles eine halbe Stunde über sein Buch, das Internet und seine eigenen Erfahrungen mit Videospielen. Dass er auch noch eine große Portion Humor besitzt, demonstrierte er anschaulich und sehr zum Lachen der Zuschauer, als er, ausgehend von einer technisierten Welt, die nie ein Buch gesehen hat, das Buch als neuartiges Objekt anpries und bewarb. Hier ist das gesamte Gespräch anzusehen.
War das Interview beim Publikumsmagneten des Blauen Sofas sehr unterhaltsam, wirkte es bei „3sat liest“ etwa zwei Stunden später doch eher enttäuschend. Als halbstündige Lesung mit Interview anberaumt war schon nach nur knapp 15 Minuten Schluss, die Fragen, die die Moderatorin an den Autor stellte, waren manchmal schon recht flach und drehten sich selten um das Buch und bedauerlicherweise las er auch keine einzige Zeile.
Ich hoffe, dass ich da morgen mehr Erfolg haben werde, wenn er beim SWR3 zu Gast ist.

Die nächste und für den Tag letzte Diskussion drehte sich um ACTA und behandelte die Frage, wie man nun mit dem Urheberrecht umgehen sollte. Dabei war der österreichische Radiosender Literadio mit dem Vertreter der ebenso österreichischen Vereinigung IG Autorinnen Autoren Gerhard Ruiss im Gespräch. Er kritisierte die österreichische Haltung im Gegensatz zu der deutschen und bezeichnete sie als zu lax. Man würde das Urheberrecht und das Recht des Urhebers am eigenen Werk viel zu wenig einsehen – untermauert wurde dies am Beispiel der Musikbranche und an der Art Amazons und Googles, mit Autoren umzugehen.
Mit der Buchvorstellung „Internet – Fluch oder Segen“ von Sascha Lobo und Kathrin Passig blieb ich gleich beim Internet. Auf den gepolsterten Stühlen des Standes der Zeit bequem gemacht, hörte ich den beiden Internetaktivisten, wie sie manchmal genannt werden, zu. Dabei waren besonders Lobos Erklärungen erfrischend, denn er benutzte oftmals einfach, klare Bilder zur Illustration. Leider schaffte ich es zeitlich nicht mehr, die beiden Autoren auch auf dem Blauen Sofa zu sehen, doch das ZDF hat ja eine gute, gepflegte Mediathek und daher kann man auch dieses Gespräch ganz einfach ansehen.

Ein letzter Abstecher ging ins Klassenzimmer der Zukunft, dass am Nachmittag offiziell für Besucher eröffnet wurde und Interessierten die technischen Neuerungen, die den Unterricht bald interaktiver gestalten sollen, näherbringen sollte. So futuristisch fand ich es zwar nun nicht – es sah eher wie eine bunte Spielwiese aus – aber die technischen Gerätschaften und Möglichkeiten, die man Schülern nun zur Wissensvermittlung bieten möchte, haben schon Potential. Da versucht man also mittels 3D-Animationen den Jugendlichen Vektorgrafiken anschaulich zu verdeutlichen. So ganz ausgereift ist das aber trotzallem noch nicht und das ständige Hin- und Hergeschiebe des Koordinatensystems verwirrt den Zuschauer doch arg. Auch für einen Lehrer, so stelle ich mir vor, ist es wohl doch ungewöhnlich und absurd, in fünfundzwanzig, mit 3D-Brillen bestückte Kindergeschichter zu blicken, die alle starr auf das Whiteboard stieren. Passend dazu wurde im Onlineauftritt des ARD Spezial zur Buchmesse ein Beitrag verfasst. Klar, dass diese Spielerei, diese Interaktivität den Kindern gefällt, doch ob es wirklich als Lehrmedium und zur Wissensvermittlung so geeignet ist, wage ich bisher noch zu bezweifeln.

Damit war mein Tag auf der Buchmesse dann auch schon zu Ende – nun gut, nicht ganz. Ich dachte ja bei mir, als ich jede Halle und jeden Standort, den ich suchte, auch ohne Probleme fand „heute verläufst du dich nicht“. Wie gesagt: Frankfurt und ich – das kann nicht gut gehen. Und man soll den Tag halt auch nicht vor dem Abend loben. Ich brauchte nämlich fast eine geschlagene halbe Stunde, ehe ich aus dem Messegelände herausfand.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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