„Falsch“ von Gerd Schilddorfer

Tief im Amazonas beginnt eine Jagd, die eine Gruppe einmal um die halbe Welt reisen und tief in die Geheimnisse einer vergangenen Zeit eintauchen lassen.
Eine Truppe Soldaten stürmt 2010 die kleine Kate eines alten Mannes, doch bevor sie mit ihm sprechen können, befreit er drei Tauben, lässt die ins Weite fliegen und nimmt sich das Leben. Die Tauben mit ihrer Fracht am Bein finden ihre Bestimmungsorte und nun machen sich die Empfänger auf, um das Geheimnis um den Schlüssel, ein Stück beschriebenes Papier und einen Ring zu lösen. Sie bleiben aber nicht die einzigen, die der seltsamen Spur folgen und schon ist ihnen ein Bataillon dicht auf den Fersen.
Aber was steckt hinter dem Geheimnis, dass die vier alten Männer teilten, was hat das Ganze mit den Diamanten des russischen Juweliers Kronstein, der zur Zeit der russischen Revolution aus dem Zarenreich in die Schweiz fliehen musste, welche Rolle spielt der Loader Christoph Weber und seine Freundin Bernadette und ein japanisches Mitglied der Yakuza?Und was an der Sache ist denn nun eigentlich falsch?

 

Hinter den fast 700 Seiten starken Werk Falsch des österreichischen Journalisten, Fotografen und Schriftstellers Gerd Schilddorfer verbirgt sich ein vielschichtiger und faszinierender Roman, der den Leser in eine Geschichte entführt, von der man sich so leicht nicht mehr loseisen kann.
Als ich die Buchsendung erhielt und das Buch aus seiner Verpackung befreite, staunte ich nicht schlecht, als ich dessen überwältigenden Umfang und Format sah – eines alten Klassikers würdig. Schon in Gedanken die enorme Lesezeit, die mich wohl erwartet, ausrechnend, begann ich die ersten Seiten zu lesen: und siehe da, gleich zwei Prologe. Seltsam, fand ich. Aber irgendwie doch interessant. Wieviele Geschichten gibt es schon, denen ein Prolog nicht reicht und wieviele Schichten muss die Erzählung haben, um die in den unterschiedliche Prologen aufgeworfenen Fragen ordentlich und zufriedenstellend zu beantworten?

Anfänglich kam ich etwas schwer in die Erzählung rein, was zum einem an einen sehr detaillierten und ausführlichen Schreibstil, der ungewohnt war, lag, zum anderen aber auch daran, dass gleich zu Beginn viele Handlungsstränge und Personen aufgezeigt werden, deren Schicksale scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben werden.
Aber genau das ist auch das Grundgerüst des Romans, denn durch seinen großen Atem hinter der großen Geschichte braucht er auch einige Protagonisten unterschiedlichster Charakterzüge, die das tragen und durch ihr Dasein Spannung und Interesse aufrecht erhalten. Und genau das findet sich immer wieder.
Schilddorfer weist hier eine gut fundiert recherchierte Geschichte auf, die den Leser überzeugt, Hintergrundwissen einfordert, Wissen weitergibt und die Rechercheenergie des Lesers ankurbelt. Man muss sich nicht selbst hinsetzen und Wissen aneignen, um der Geschichte ordentlich folgen zu können, aber man wird doch sehr motiviert, sich über den Rahmen mit der Thematik weiter zu befassen, um so einige Spitzen und angesprochene Dinge besser verstehen zu können.
Schnelle Szene- und Ortswechsel fordern den Leser zum Teil oft und sorgen für eine Menge Dynamik, wenn man gedanklich immer wieder zwischen dem warmen Klimas Brasiliens und dem nasskalten Deutschland oder dem wohlgepflegten Anwesens Takanashis hin- und herspringt.

Trotz dass der Roman vom Verlag mit dem Prädikat „Thriller“ deklariert wird, darf der Leser hier nur bedingt eine quasi „blutige“ Jagd erwarten, bei der es hoch hergeht. Eine rasante Jagd ist es durchaus, aber Köpfe rollen wenige – und das hat der Roman auch gar nicht nötig, denn durch die vielen Verwebungen, die den Leser immer am Nachdenken halten und erst Stück für Stück aufgedeckt werden, wird das Thrillelement oft reichlich und ausgiebig genutzt.
Wie oft sitzt man als Leser da, hat sich endlich eine plausible Theorie zurechtgebastelt und plötzlich kommt Schilddorfer mit einem neuen Aspekt, der so gar nicht in das wohlige Bild passen mag und dazu zwingt, sein ganzes Gedankengebilde wieder umzugestalten. Auch bei den Charakteren wird man sich über deren Interessen und Hintergründe erst langsam klar und oft schwankt man zwischen Sympathie und Abneigung für bestimmte Akteure und weiß nicht, auf welcher Seite sie nun kämpfen.
Der Autor gab sich bei der Charakterzeichnung sehr viel Mühe und machte sich über die Konstellationen derer untereinander viel Gedanken. Auch wenn es Momente gibt, in denen einige etwas überzeichnet wirken, so ist das Ganze doch überwiegend sehr natürlich und ansprechend. Und so werden auch fast 700 Seiten zum Erlebnis ohne Längen oder Langeweilemomente. Jede Seite hat man das Gefühl, wieder ein kleines Puzzleteil für die große Lösung in den Händen zu halten, um wenige Leseminuten später wieder festzustellen, dass das Puzzle doch größer sein muss, als ursprünglich gedacht. Und so ist denn auch – das Ende überzeugt und macht Hunger auf mehr aus der Feder Gerd Schilddorfers.
Und wir werden uns zwar noch etwas gedulden müssen, aber angekündigt ist es schon: es wird zwei Fortsätzungsbände geben und es bleibt zu wünschen, dass diese mit ihrem Vorgänger mithalten können, denn dieser setzte schon hohe Maßstäbe.

Wer sich also von dem optisch schweren „Schinken“ nicht abschrecken lässt, der wird mir nichts, dir nichts sich in einer wunderbaren, spannenden und hochinteressanten Erzählung wiederfinden, die ihn so schnell nicht mehr loslässt und den Leser Seite für Seite verschlingen lässt.
Und, schon ist man am Ende des Romans angelangt…

 

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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3 Kommentare zu “„Falsch“ von Gerd Schilddorfer

  1. Das nennt sich eine richtige Rezension!
    Auch wenn man nicht viel über den Inhalt weiß, dennoch bekomme ich bei der Rezi ein Gefühl für das Buch – sehr gut!

    Grüße

    • Oh, ich danke vielmals für das Lob. Es freut mich sehr, dass dir die Rezension gefällt und du sie auch als „richtig“ einstufst. Das ist ja immer problematisch: ab wann ist es wirklich eine Rezension, die auch ein Buch versucht so wiederzugeben, dass jemand, der es nicht las, trotzdem weiß, worauf er sich einlässt 🙂

  2. Es ist schon erstaunlich, dass ein renomierter Verlag wie Hoffmann und Campe derartigen Müll verlegt.
    Die kranken Phantasien eines österreichischen Schweizerhassers, der offensichtlich Probleme mit der dt. Grammatik hat sind nun wirklich nicht lesenswert

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