„Des Teufels Drucker“ von Rainer Maria Wacke

Kann ein Buch oder der Inhalt des selbigen töten?

Ewald ist ein kluger, aufgeweckter Junge, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und immer davon träumt, in das Kloster, das am Rande des Dorfes steht, aufgenommen zu werden. Als er dort bei einem einem Einbruchversuch von Bruder Reginald erwischt wurde, wie er an einem Bild der Jungfrau Maria malte, wird er vom Bruder in das Kloster aufgenommen und kommt in die Lehre als Buchschreiber und Illuminator. Durch sein Talent im Zeichnen und im Lateinischen und seinem Ehrgeiz bekommt er schnell auch hochwertige Aufträge zugeteilt.
Als er dann als einer der ersten mit den frisch gedruckten Exemplaren der Gutenbergbibel konfrontiert wird, ist sein Interesse am aufkeimenden Buchdruck geweckt und er setzt sich das Ziel, eine der schönsten Bibeln weit und breit herzustellen.
So geht er nach Mainz und erlernt dort das Druckerhandwerk. Langsam aber sicher wird er Teil des gesamten neu aufblühenden Buchgeschäftes, er betätigt sich neben seiner Aufgaben in der Druckerei auch als Verkäufer und reist so bis nach Italien. Dabei wird er aber auch der Drucker und glühenden Verfechter eines der Bücher des Mittelalters, das viel Leid über die Menschen brachte: dem Malleus Maleficarum, oder im Volksmund auch „Hexenhammer“ genannt.

Des Teufels Drucker ist kein historischer (Kriminal-)Roman, wie man ihm in letzter Zeit zuhauf in den Buchhandlungen stehen sieht. Hier ermittelt keine von der Gesellschaft verstoßene Frau in den Angelegenheiten hochstehender Herren oder übt Rache an diesen. Nein, der Protagonist ist ein junger, ambitionierter Mann namens Ewald.

Ewald ist durch und durch eine Figur seiner Zeit, er fügt sich in die Gegebenheiten und will nicht aus ihnen ausbrechen oder sie verändern. Natürlich ist er so ein Charakter, dem die Ecken und Kanten seiner Pendants sonstiger historischer Romane fehlen, aber gerade das macht ihn und den ganzen Roman hier sehr glaubhaft.
Er ist sehr gottesfürchtig und das macht ihn zum glühenden Verfechter von Institoris‘ Werk, das er mit wehenden Fahnen unter die Leute bringen will. Lange Zeit begreift er nicht, welchen Inhalt Henricus Institoris mit dem Buch wirklich verbreiten will…
So blind Ewald auch in dieser Sache dem Leser erscheinen mag, so wach und talentiert ist er in den Dingen, die er tut. Er lernt sehr schnell und führt Arbeiten sauber und korrekt aus, was ihn zu einem guten Buchdrucker und -gestalter macht. Und durch seinen Weg durch die gerade erst erblühende „Buchbranche“ erlebt der Leser diese Zeit intensiv mit. Rainer Maria Wacke, der Autor des Romans, schafft es wortgewaltig, den Leser in den Bann des Mittelalters zu ziehen. Mit Augen der verschiedensten Charaktere betrachtet, wohnt man der Umbruchszeit bei, in der Schreiber noch konventionell Bücher kopierten, aber der Buchdruck mit seiner enormen Vervielfältigungsmöglichkeit immer mehr an Bedeutung gewann. Der Roman weißt sehr gut recherchierte Fakten zur Entstehung des modernen Buchhandels und Buchdrucks auf und steht auf festen Beinen. Dabei lässt er auch historisch relevante Personen zu Wort kommen, wie den bekannten Maler Albrecht Dürer oder auch den bekannten Nürnberger Drucker Antoni Koberger. All dieses macht aus dem Roman nicht nur unterhaltsame Belletristik, sondern auch ein lehrreiches Werk über die Geschichte der Anfänge des Buchdrucks.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich rasch lesen, ohne dass man wichtiges oder interessantes überliest und nicht wahrnimmt.

Dabei sind aber die thematischen Grenzen etwas leicht verschoben. Wer hier in dieser Geschichte auf die große Liebesgeschichte zwischen Ewald und Alwina wartet, wie der Klappentext andeutet, der wird lange warten müssen, denn erst am Ende wird deutlich, worauf ihre Beziehung hinausläuft. Vorher dämmert dieser Erzählstrang eher im Dornröschenschlaf und die Geschichte um den Buchdruck wird in den – verdienten – Mittelpunkt gestellt. So wirkt die Beziehung zu Alwina aber leider etwas blass und eher wie schöner, aber nicht unbedingt notwendiger Beischmuck.

Dabei kann die Geschichte trotzallem den Leser durchweg überzeugen und in den Bann ziehen, wenn er die malerischen Schilderungen der mittelalterlichen Papier- und Druckerstadt Nürnberg liest und mit den Protagonisten durch die Wälder und über die Frankfurter Messe zieht.

So schön es ist, mal einen historischen Roman zu lesen, der nicht ins Klischee der Übrigen passt und der wirklich nur das Ziel hat, einen Zeitraum – eine Umbruchsphase – anschaulich darzustellen und dem Leser begreiflich zu machen, so ist das Ende doch leider etwas „plump“ und zu überstürzt, wenn Ewald plötzlich ganz von seiner Überzeug und seinem Fanatismus ablässt, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion seine große Liebe befreit und mit ihr ein neues Leben beginnen mag.

Aber sonst ist der vorliegende Roman wirklich ein gelungener Auftakt um die Reihe Der Erben Gutenbergs. Er vermittelt eine gehörige Portion Wissen, hat sympathische und gut gestaltete Charaktere zu bieten und eine durchdachte Geschichte aufzuweisen. Ich denke, dass wir von dem Autor noch einige gute Mittelalterromane erwarten können, die uns näher in die Thematik des aufblühenden Buchwesens einführen werden.
Kann ein Buch nun töten? Nein, ich denke nicht – es ist nur das, was die Menschen aus dem darin geschriebenen Wort machen.

 

Eure Shaakai

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