„Himmelskinder“ von Marion Feldhausen

Ein Junge findet eines Morgens in einem Park ein schwer verletztes, unbekleidetes Mädchen. Nachdem er den Krankenwagen gerufen und das Mädchen ins Krankenhaus gebracht wurde und dort um ihr Leben gekämpft wird, ermitteln Alvermann und sein Team in alle Richtungen, was es mit dem Mädchen auf sich haben könnte. Niemand scheint sie zu vermissen.
Alvermann vermutet, dass der Junge mehr gesehen haben könnte als er zugibt, doch dieser schweigt, denn er schwebt in Gefahr, denn die Leute, die er gesehen hat, sind ihm auf den Fersen.
Allmählich kommt Alvermann und sein Team auf die Spuren einer verbrecherischen Organisation. Um sie aufzudecken, begeben sich die Beamten auf gefährliches Terrain…

 

Marion Feldhausen hat in ihrem Leben viel mit Menschen zu tun gehabt. Nach einem Studium der Sozialarbeit war sie unter anderem als Psychotherapeutin in einer Suchtklinik. Derzeit ist sie als Dozentin an einer Universität tätig, wo sie über das Thema „Sucht“ referiert und nebenbei widmet sie sich dem Schreiben.
Ihr Debütroman heißt Himmelskinder und erschien im Januar 2012 bei Blanvalet.
Dabei verspricht uns der Klappentext einen spannenden Psychothriller – und dazu verrät er noch einiges mehr. Leider zuviel. Wer sich also nicht die ganze Vorfreude nehmen lasse möchte, tut gut daran, den Klappentext nicht zu lesen.

 

So kam es auch, dass mit der Erwartung, einen Thriller anzutreffen, an die Geschichte ging – schließlich begann sie auch sehr vielversprechend und auch etwas geheimnisvoll. Man wurde mit allerlei Andeutungen angefüttert und war gespannt, wie sich die Geschehnisse wohl weiterentwickeln werden. Doch leider flacht die Spannung immer mehr ab und wabert etwas verloren durch den Roman. Man liest den Roman, um zu sehen, was passiert, aber wirklich mitfiebern, das ist nur selten. Dabei ist er keinesfalls langweilig oder gar langatmig – die Kapitel sind sehr kurz gehalten, oft werden Perspektivenwechsel vollzogen, zweimal sogar sehr gelungene Rückblenden eingestreut, die die Geschichte untermauern und dem Leser so einige Fragen erklären, aber die Spannung und der Nervenkitzel, die für einen Thriller so charakteristisch wären, bleiben bedauerlicherweise aus.
Auch eine gewisse emotionale Tiefe fehlt stellenweise. Das im Roman behandelte Thema über Kindesmissbrauch wurde leider oft etwas oberflächlich und kalt betrachtet – nur in den Rückblenden kommt die Tragik wirklich ans Licht. Zum einen ist diese Art des Schreibens der Thematik auch zuträglich, damit der Leser die Distanz wahren kann, aber wenn doch fast durchgängig Emotionalität fehlt, kann das beim Lesen auch sehr anstrengend werden.
Die Charaktere bleiben durchweg blass und werden wenig konturiert – beim Lesen hat man selten ein klares Bild vor Augen und oft verschiebt sich die Vorstellung, die man von den Personen hat, beim Lesen noch enorm. So gelingt es aber auch nicht, eine Bindung zu ihnen aufzubauen und es macht es schwer, dem Roman an manchen Stellen zu folgen, besonders da die Autorin nicht an Personal spart. Schon zu Beginn wird ein ganzes Arsenal an Charakteren vorgestellt und es ist schwer, dem Gewusel zu folgen und den einzelnen Namen Gesichter und Charakter zuzuordnen.
Da muss man schon ein paar Seiten lesen, eh man mit den Personen vertraut wird.

Der Autorin gelingt es aber sehr gut, die Arbeit der Beamten lebensnah zu schildern, indem nicht ein Ermittler als „Superheld“ herauskristallisiert wird, der nahezu im Alleingang den Fall löst, sondern dass erst durch die Teamarbeit sich nach und nach ein Puzzleteil ans andere fügt.
Auch die Dialoge sind wunderbar und wie aus dem Leben gegriffen. Oft sehr pointiert, mit einer Prise Witz illustrieren sie die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere im Buch sehr gut und machen sie per se menschlicher.
Feldhausens Stärke findet man aber nicht nur in den Dialogen, sondern zum Teil auch in ihrer Art zu schreiben. Der Text lebt von Andeutungen. Selten wird wirklich etwas direkt an- oder ausgesprochen. Zum einen kommt diese Art des Schreibens der Geschichte zugute, die es damit schafft, mit dem brisanten Thema zartfühlig umzugehen, aber durch die mangelnde Tiefe in der Geschichte selbst, neigt man dazu, diese Andeutungen zu überlesen und nicht wahrzunehmen. Es werden Fragen und Geschehnisse aufgeworfen, auf die der Leser keine befriedigende Antwort erhält – möglicherweise wollte die Autorin sich da Luft schaffen für ihren bereits in Planung befindlichen zweiten Band rund um Alvermann und sein Team, aber es lässt die Geschichte nicht abgerundet erscheinen.
Auch das Ende kam mehr Hals-über-Kopf und man erfährt wenig über das lang erwartete Showdown. Schade eigentlich.

In Summa muss ich sagen, dass dieses Buch mich nicht wirklich rundum überzeugen konnte. Für solch ein heikles und brisantes Thema hätte ich mir deutlich mehr Tiefgang erwartet – eine ausgefeiltere Geschichte und greifbarere Charaktere. Besonders, wenn da noch Fortsetzungsbände folgen sollen. Aber der Schreibstil und das Talent der Autorin, Dialoge so realitätsnah zu verfassen, waren der Geschichte sehr zuträglich und sorgten dafür, dass das Buch nicht langweilig wurde.
Ein Psychothriller, wie versprochen, wäre mir bei dem Thema aber lieb gewesen.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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