„Schnitt“ von Marc Raabe

Ein roterleuchteter Keller und er, ein elfjähriger Junge. Es muss etwas Schreckliches passiert sein.
Aber Gabriel erinnert sich nicht mehr.
30 Jahre lang.

Seit Gabriel Naumann aus der psychatrischen Klinik, in der er jahrelang wegen seelischer Probleme seit dem Tod seiner Eltern war, entlassen wurde, arbeitet er bei einer Sicherheitsfirma. Als plötzlich ein Alarm in einem seit Jahren unbewohnten Haus anschlägt, wird er mit seiner Vergangenheit, die er verdrängt hat konfrontiert. Während Gabriel versucht, sich zu erinnern, wird seine schwangere Freundin Liz von einem Unbekannten entführt. Und er will eines: Gabriel, von dem er behauptet, dass er sein Leben zerstört habe. Sollte es Gabriel nicht gelingen, sich zu erinnern, um dem Geheimnis, dass ihn mit dem Unbekannten und dem Tod seiner Eltern verbindet, auf die Spur zu kommen, würde Liz einen qualvollen Tod sterben – und sein ungeborenes Kind mit.
Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder David, zu dem er jahrelang keinen Kontakt mehr hatte, macht er sich auf die Jagd nach seinen Erinnerungen und Liz‘ Entführern.
Schnitt ist der Debütroman von Marc Raabe, der derzeit in Köln lebt und Geschäftsführer und Gesellschafter einer Fernsehproduktion ist.
Aus verschiedenen Perspektiven bekommen wir hier ein Bild auf den komplexen Fall rund um Gabriels und Davids Vergangenheit und das macht das Werk vielschichtig und sehr interessant. Gabriels Psyche ist durch den Mord an seinen Eltern sehr zerrüttet – so redet er im Geiste immer mit sich selbst, wobei die Stimme, die er hört, sein personifiziertes Sicherheitsempfinden ist. Er schottet sich gegen seine Umwelt ab, möchte mit niemanden Kontakt haben und wird schnell aufbrausend.
So lang, bis er Liz kennenlernt und durch die Entführung sich seiner Gefühle und seiner Verantwortung gegenüber seiner Mitmenschen bewusst wird. Er stellt sich seinen Gefühlen für Liz und kann so auch ein stückweit seine psychischen Probleme überwinden.
Aber auch das jahrelang so zerrüttete Verhältnis zwischen Gabriel und David wird thematisiert und ihre brüderliche Verbindung durch die Entführung auf die Probe gestellt.

Sehr lange Zeit halten sich die Figuren im Roman sehr bedeckt und als Leser sucht man vergeblich nach Spuren, die das Geheimnis um den Tod der Eltern und den merkwürdigen Keller lüften würde. Man ist genauso unwissend wie Gabriel, der sich an nichts mehr erinnern kann, und David, der, dadurch dass er während der Tat in seinem Zimmer war, nichts mitbekommen hat.
Gerade diese permanente Unwissenheit, in der auch der Leser schwebt, erzeugt eine Menge Spannung und Kribbeln beim Lesen. Man möchte unbedingt wissen, wer hinter dem schrecklich verzerrten Gesicht steckt, der da Liz Leben bedroht und Gabriel um jeden Preis vernichten will.
Dabei trägt Raabe aber keinesfalls sehr dick auf, sondern lässt den Thrill eher durch den Fortgang der Geschichte erzeugen, wodurch der Roman ein echter Pageturner wird, an dem man stellenweise richtig „festklebt“, die Zeit um sich vergisst und gar nicht aufhören mag.
Dazu trägt auch der Schreibstil ganz enorm bei, denn dieser ist eine gute Mischung aus knappen Sätzen, bei denen man das Gefühl eines rasanten Fortgangs der Erzählung bekommt, und langen, zum Teil ausschweifenderen Erklärungen.

Dieser Thriller macht seinem Namen auf alle Fälle alle Ehren und ist ein wunderbarer und empfehlenswerter Debütroman.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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