„Die Fälscherin“ von Julia Freidank

Wir begeben uns ins Mittelalter des 12. Jahrhunderts.
Die junge Heilwig von Burgrain erkrankt auf dem Kreuzzug nach Jerusalem an Lepra – einzig der den Tross begleitende Bischof Otto von Freising hält zu dem jungen, aussätzigen Mädchen. Wie durch ein Wunder heilt Heilwig, die von da an nur noch Blanka – die „Reine“ – genannt wird, von der Krankheit.
Wieder daheim im Bistum Freising verbringt sie einige Jahre ihrer Jugend im Kloster, und sie lernt Heilkunde und Demut – und den Mann Ortolf kennen, in den sie sich sofort verliebt.
Als ihr Vater auch an Lepra erkrankt und zu den Aussätzigen verstoßen wird, bekommt ihr Bruder Rupert die ganze Verantwortung übertragen, der nun fortan das Gut verwalten muss und es vor den Wittelsbachern, allem voran dem stürmischen Rotkopf, schützen muss.

Währenddessen wird Blanka bewusst, dass ihre Liebe einem ihrer Feinde gilt, denn Ortolf ist ein Ritter der Wittelbacher und dem Rotkopf als solchen treu ergeben. Blanka dagegen kann sich von ihrer Treue zu Bischof Otto nicht lösen und willigt in sein Angebot ein, für ihn Urkunden zu fälschen, um so gegen die Wittelsbacher anzukämpfen.

Dabei gerät sie zunehmend zwischen die Fronten und muss sich zwischen ihrer Treue zu Bischof Otto, der versucht, sie vor dem Einfluss der Welt fernzuhalten, und ihr Image als Heilige aufrechtzuerhalten, und ihrer bedingungslosen Liebe zu Ortolf entscheiden. Und die Entscheidung fällt ihr nicht einfach…

Dabei dreht sie dich Geschichte aber nicht nur um den Lebensweg der jungen Blanka, die laut Verzeichnis, wie so viel andere Personen der Geschichte, wirklich existiert haben soll, sondern zeigt ein reich bebildertes und facettenreiches Mittelalter. Die verschiedensten Berufsschichten laufen dem Leser über den Weg, nehmen ihn ein Stück weit mit und verschwinden wieder im Dunkel ihrer Zeit. So entsteht ein umfangreicher Blick auf diese Zeit und übermittelt viel an Wissen. Die wechselnden Perspektiven auch hin zu unbekannten und für die Geschichte um Blanka nicht relevanten Personen ist zumeist gut gelungen.
So zeichnet sich der gesamte Roman durch eine gute Recherche aus und diese Kenntnisse um diverse Dokumente wird auch geschickt in die Handlung eingebaut. Besonders schön fand ich die Einbindung verschiedener mittelhochdeutscher Texte in die Geschichte, die viel von einem mittelalterlichen Flair zu vermitteln wussten und auch einen Einblick in das Verständnis um Liebe und Glauben in der damaligen Zeit liefern.

Es ist für den Leser oftmals sehr schön, den Personen ein Stück ihres Weges zu folgen und zu einigen kann man sogar eine Verbindung aufbauen. Besonders Bischof Otto erschien mir als glaubhafteste und greifbarste Figur, die in ihrem Gewissenskonflikt und dem Ringen mit sich selbst wunderbar ausgearbeitet und charaktertief war.
Gerade eine derartige erkennbare Charakterisierung fehlte mir an Blanka teilweise und bei Ortolf fast vollständig. Auch wenn der Roman von ihrer Romeo-und Julia-Liebe lebt und seine Kraft daraus bezieht, war mir diese Beziehung zu stark romantisiert und idealisiert.Auch wenn es Probleme gab, wurde es immer als die perfekte Liebe – eine Liebe auf den ersten Blick für immer und ewig – stilisiert und jedesmal, wenn sich die beiden trafen, fielen sie in Liebe übereinander her, die Probleme, die ihre Beziehung belasteten oder in ihr Leben brachten völlig ausblendend. Das störte mich irgendwann ganz erheblich und war der Geschichte nicht zuträglich.

Waren die romantischen Momente manchmal etwas abgehoben waren, so waren die Kampfszenen umso fantastischer und detailliert beschrieben. Man merkt, dass die Autorin sich für diesen interessiert und ihn gut beschreiben kann. Es war immer wahnsinnig interessant zu lesen, wie die Ritter mit ihren Schwertern, Dolchen oder Lanzen aufeinander losgingen und kämpften. Fast jede Bewegung während des Gefechts wurde minutiös und genau beschrieben, sodass man als Leser diesem sehr gut beiwohnen konnte.

Eine andere Besonderheit an diesem historischen Roman aber ist der Erzählstil, der nicht durchgängig an einem Erzählstrang festhält, sondern oft Begebenheiten nur chronologisch in kleinen Episoden erzählt. Wir erhaschen Momentaufnahmen, häufig kommt es vor, dass zwischen zwei Erzählblöcken mehrere Monate oder Jahre liegen können. Zum einen ist das eine gute Idee, um einen großen Zeitrahmen und viele involvierte Personen abhandeln zu können, aber es gab doch Momente, wo diese Art zu erzählen den Leser sehr verwirrt, denn so hüpft die Geschichte manchmal etwas ziellos durch das Buch und blendet Entwicklungen ihrerseits und der Figuren einfach aus. Man wird am Ende immer vor vollendete Tatsachen gestellt und kann Taten, Entscheidungen oder charakterliche Entwicklungen nicht immer nachvollziehen. Bei manchen Figuren ist so bedauerlicherweise gar keine Entwicklung zu bemerken, was sehr schade ist. Selten kann man die Figuren auf ihren Reisen begleiten – es sind immer fixe Momente, die da wiedergegeben werden und gerade diese Bewegung fehlt mir in diesem Roman.

Sonst ist Die Fälscherin von Julia Freidank ein wirklich solider Roman, der gut recherchiert daherkommt, und dem Leser den Lebensweg einer jungen Frau im Mittelalter zeigt. Einer Zeit, in der eine Frau nicht ein Schwert führen darf, um sich zu verteidigen. Aber manchmal ist die Schreibfeder und das geschriebene Wort doch stärker als die eisernen Waffen.
Mir hätte die Geschichte, die so herausstechend mit Wissen punktet, noch besser gefallen, wäre die Beziehung Blanka-Ortolf facettenreicher und nicht so überromantisiert gewesen gewesen und eine Charakterentwicklung bei den Figuren anschaulicher gewesen.

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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