Cui Bono?

Rezensionen – die Buchwelt verlangt nach Rezensionen.
Verlage und Autoren vergeben ein ums andere Mal Rezensionsexemplare an die Leser, um ihre Neuerscheinungen, die sonst oft im Schwall der Novitäten unterzugehen drohen, publik zu machen, denn die potentiellen Käufer verlieren mehr und mehr den Überblick.
Und die Leser reißen sich um die Exemplare, um am Ende die erforderte Rezension, die Verlag oder Autor erwarten, zu schreiben.

Dass dabei auch Rezensionen entstehen, die inhaltlich nicht mehr als „Ein wunderbares Buch, dass mich berührt – unbedingt lesen!“ enthalten,  lässt sich bedauerlicherweise nicht vermeiden und schaden dem Image der Rezensionen doch enorm, da niemand mehr weiß, welche Rezension sich wirklich mit dem Buch beschäftigt hat und dem Leser deutlich macht, ob dieses Buch den Kauf wert ist oder nicht. Aber es ist auch nicht weit hergeholt, dass man sich als Leser durch das kostenfrei zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar dem Verlag oder Autor zum Dank verpflichtet fühlt, und gerade in der Kritik in eine nahezu absurde Lobhudelei verfällt.

Der Blog von Wortjongleur hat mich dazu animiert, selbst nochmal etwas darüber nachzudenken.

Früher (ich weiß, anno dazumal) gab es wenige Kritiker, die in ihrem Feuilletonteil der Zeitschrift sich austobten, aber dafür wusste man als Leser, was man daran hatte, eine Literaturkritik zu lesen.
Heute werden wir mit den unterschiedlichsten Rezensionen überwältigt, da jeder – bedingt auch durch die vielfältigsten Möglichkeiten im Internet – seine Meinung zu einem kulturellen Gut kundtun möchte. Und sei es nur der Spaziergang im Park der Heimatstadt mit Blick auf das Museum.

Und wenn dann noch Rezensionen dahingehend manipuliert werden, dass sie von Autoren anscheinend selbst in Auftrag gegeben und unterstützt werden (Galileo Press) oder als Rachebewertung dienen, dann ist die Frage Cui Bono? nicht weit hergeholt. Dem Verlag nützen Kritiken, die nicht das widergeben, was sie sollen, nichts, und wenn Manipulationsvorwürfe laut werden, kann das sogar ganz eklig werden – und der Käufer verliert das Vertrauen in die Rezensionen.
Damit werden sie hin- und überfällig.

Doch sind Rezensionen überhaupt wichtig für das Kaufverhalten der Menschen? Wer entscheidet wirklich nur anhand von Kritiken vornehmlich fremder Menschen, ob er ein Buch kauft oder nicht? Und wenn ein Buch mehrheitlich vier Sterne von fünfen bekam – ist das jetzt gut oder schlecht?
Eine Studie im Harvard Business Manager (buchreport) fasst die Ergebnisse einer Studie der Universität Pennsylvannia und der Stanford Graduate School of Business zusammen, in der die Verkaufszahlen von 250 Belletristikbüchern vor und nach Erscheinen der Rezensionen in der New Yor Times untersucht wurden. Demnach wirkt sich das Erscheinen von positiven Rezensionen positiv auf das Kaufverhalten aus (was nicht weiter überraschen dürfte), bei negativen Kritiken dagegen offenbart sich, dass diese wohl bekannten Autoren schaden und den Verkaufserfolg ihrer Bücher um 15% drosseln, dagegen den Verkauf der Bücher unbekannter Autoren enormen Aufschwung verleihen.
Aber ich frage  mich 1.) ob man die Leute, die das Buch gekauft haben, auch gefragt hatte, ob sie überhaupt die Kritik, die in der New York Times erschienen ist, zum Anlass nahmen, ein Buch zu kaufen. Schließlich kennen wir alle den Aspekt der Mundpropaganda und ich verlasse mich lieber auf die Meinung von Freunden und Bekannten, die beispielsweise das Buch lasen und es mir dann empfehlen.
Und 2.) finde ich die Begründung von Jonah Berger zur Frage, warum sich negative Rezensionen gerade so positiv auf die Bücher unbekannter Autoren auswirken, etwas merkwürdig:

„Verbraucher wurden durch die Kritik erst auf das Buch aufmerksam, das sie sonst überhaupt nicht wahrgenommen hätten. “ 

Das könnte doch auch durchaus auf die Neuerscheinungen von bekannteren Autoren zutreffen (nicht alle bekannten Autoren sind so berühmt wie ein Stephen King oder eine  Joanne K. Rowling).

Aber die Frage bleibt im Raum: Brauchen wir Rezensionen wirklich und wenn ja, wer zieht Nutzen daraus?

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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