Ein Blick.

Heute habe ich ein paar interessante Blogbeiträge gelesen, die uns durchaus zu denken geben dürften. Anstoß dafür gibt wohl das Interview mit dem einstigen Rezensenten Thorsten Wiedau, der lange Zeit als einer der aktivsten Kritiker auf Amazon galt, das am 2. Mai 2012 im buchreport erschien.

Dort kritisiert Wiedau, der nach 10 Jahren frustriert Amazon den Rücken kehrt, eine zunehmde Reglementierung des Bewertungssystems. So werden Rezensenten unter Druck gesetzt, damit sie positive Bewertungen abgeben und auch unter den Kritikern herrscht eisiges Klima und unerbitterlicher Konkurrenzkampf. Dass da unabhängige Kritik leidet, liegt bedauerlicherweise mehr als auf der Hand. Kef Chaos hat in ihrem Blog Zeilensprünge dazu einen guten Beitrag erstellt, in dem sie besonders die mangelnde Qualität der Rezensionen anspricht, die dadurch hervorgerufen wird.

Derartiges stelle ich auch bei meiner Beiteiligung auf lovelybooks fest. Es gibt leider immer wieder Kritiker, die sich nur um die Rezensionsexemplare bewerben, um danach eine völlig überzogene, unkritische und lapidare Bewertung einzuwerfen. Diese Flut aus diversen Kritiken macht es potentiellen Käufern auch nicht leicht, eine aussagekräftige und hilfreiche Rezension zu finden. Wiedau spricht da speziell den Kunden an, der „selbst beurteilen [muss], ob ein Rezensent vertrauenswürdig ist und im Zweifelsfall muss man recherchieren – aber dazu ist kaum jemand bereit. Der kritische Bürger im Internet ist gefragt, auch auf Amazon. Ich würde mir Kunden wünschen, die hinterfragen, was von wem zu welchem Zweck geschrieben wird.“

Bedauerlicherweise, und auch das wird von Wiedau sehr gut erkannt und in Worte gefasst, sind Verlage derzeit sehr von Rezensionen abhängig. Wiedau macht das an der Marktmacht des Onlinegiganten Amazons fest, aber ich denke, es liegt ein Stückweit auch in der riesigen Flut an Neuerscheinungen, die wöchentlich auf den Markt geworfen werden und es dem Kunden unmöglich machen, da noch den Überblick zu behalten. Die Verlage unternehmen alle Anstrengungen, um auf ihre Neuerscheinung aufmerksam zu machen. Neuerdings sind aber auch nicht nur Verlage im Kampf um Leser begriffen, sondern auch Autoren, die ohne Verlag den Sprung in den Buchmarkt versuchen, rühren kräftig die Werbetrommel für ihr Buch und vergeben Rezensionsexemplare.

Genau diese Situation wird aber auch von uns Kunden und Rezensenten, ich möchte sagen, ausgenutzt, um an Rezensionsexemplare zu gelangen. Man verpflichtet sich zwar mit dem Rezensieren eigentlich, den kritischen Blick nicht zu verlieren, aber leider verliert sich das zunehmend. Elisabeth hat das in ihrem mittlerweile stillgelegten Blog LeseLustFrust deutlich gesagt:

„Aber was sich aktuell daraus entwickelt, nämlich ein Qualitäts- und Individualitätsverlust sowie eine erschreckende Kritiklosigkeit, das ist nicht in Ordnung.“

Das alles ist wirklich mehr als schockierend und sollte, wie gesagt, zu denken geben. Wollen wir wirklich das Kulturmedium Buch so mit Füßen treten, indem wir kritiklose und undurchdachte Kritiken verfassen?

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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