„Troposphere“ von Scarlett Thomas

Vor einiger Zeit kaufte ich mir das interessant klingende Buch Troposphere der britischen und zum Teil hochgelobten Autorin Scarlett Thomas. Zum einen sprach mich das Cover an, zum anderen klang auch die Inhaltsangabe sehr packend:

Wenn dieses Buch dich umbringen könnte – würdest du es dann lesen? Als die Studentin Ariel Manto in einem Antiquariat auf eine Ausgabe von „The End of Mister Y“ stößt, traut sie ihren Augen kaum. Sie weiß, dass dieses Buch überaus selten ist. Und dass angeblich bisher niemand die Lektüre überlebt hat. Ariel glaubt nicht an Flüche. Unerschrocken vertieft sie sich selbst in die aberwitzige Geschichte des Mister Y, der mithilfe eines Elixiers in eine andere Dimension reist: die Troposphäre, sprich die Gedankenwelt der ganzen Menschheit. Ariel glaubt auch nicht an Wunderdrogen, dennoch startet sie einen Selbstversuch – und ahnt nicht, was sie dabei aufs Spiel setzt …Das Buch

Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, ich könnte etwa erahnen, worauf ich mich da einlasse, aber das war wohl nicht ganz richtig.

 

 Inhalt

Wir werden mit der jungen Doktorantin Ariel Manto bekannt gemacht, deren Forschungsschwerpunkt besonders auf der Literatur des 19. Jahrhunderts liegt und die sich mit Vorliebe auch mit den hochphilosophischen Texten von Heidegger oder Baudrillard befasst. Daneben ist sie von ihrem Leben ziemlich enttäuscht und versucht permanent einen Sinn in ihrem Dasein zu finden.

Von ihrem Doktorvater Burlem auf den Schriftsteller Lumas aufmerksam gemacht, erfährt sie auch von einem Buch, das es nur noch wenige Male auf der Welt geben und auf dem augenscheinlich ein Fluch lastet: The End of Mister Y.

Als sie genau dieses Büchlein zusammen mit anderen Werken, die sie für ihre Arbeit gut gebrauchen kann, günstig in einem Antiquariat erwirbt, glaubt sie nicht an den Fluch und beginnt das Buch zu lesen.

Sie wird mit der Existenz der Troposphere vertraut gemacht – einer Gedankenwelt, in der die Gedanken der gesamten Menschheit gebündelt werden – und ihr wird klar, dass sie genau dadurch dazu fähig ist, in die Gedanken anderer Lebewesen zu gelangen, diese zu ändern und zu beeinflussen und auch Zeitreisen zu unternehmen.

Dass dies aber nicht nur ein schönes Abenteuer ist, wird ihr spätestens dann klar, als zwei Männer beginnen, sie zu jagen, um an das Buch zu gelangen.

 

Mein Leseerlebnis

„Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, sagt Ariel manchmal in dem Buch. Und das ist wohl eines der wenigen Dinge, bei denen ich ihr voll beipflichten kann. Ich weiß nicht, was ich von diesem Buch denken soll.

Gelobt als „irrsinnig tolle Story“ und als „Gedankenexperiment mit beträchtlichen Suchtpotential“ und schlussendlich von einer mit zwei Preis dekorierten Autorin geschrieben, erwartete ich hier doch ein recht hochwertiges Buch und ich muss sagen, dass ich mich bei der Bewertung nicht zu sehr auf’s Glatteis begeben möchte.

Die Geschichte ist als Gedankenexperiment konzipiert und behandelt zum Teil vieles aus philosophischen und naturwissenschaftlichen Gebieten. Dabei aber keinesfalls so aufbereitet, dass es der Laie begreift, sondern es wird schon vom Vornherein ein breites Grundwissen über diverse naturwissenschaftliche Theorien, den Aufbau der Welt, also der Materie, und philosophischer Fragestellungen und diverser Texte vorausgesetzt. Wer dieses Wissen nicht aufzuweisen hat (also ich behaupte mal, mindestens die Hälfte der potentiellen Leser, worunter ich mich auch zähle), für den ist die Lektüre dieses Buches zumeist wohl eher eine Anstrengung, als eine Freude und viele werden dieses Buch wohl nach einigen Seiten frustriert in die Ecke legen, da man irgendwann, wenn man sich nicht zum Weiterlesen zwingt, den Faden verliert und dem Geschehen nur noch halbherzig folgen kann. Das tut der Geschichte an sich zwar nur wenig Abbruch, ist aber schlecht für das ganze Verständnis.

Ich habe mir immer Mühe gegeben, hinter das „große Ganze“ zu steigen, aber ich weiß bis jetzt nicht, welche (philosophische) Aussage die Autorin hier mit ihrem Buch treffen wollte.

Aber die Teile der wissenschaftlichen Debatten im Buch, denen ich folgen konnten, waren sehr spannend und nachweislich auch gut fundiert und mit Quellen aus Büchern belegt, sodass man als Leser, sollte man das weiterführende Interesse aufweisen, durchaus einige Abende mit den Gedanken Heideggers oder Butlers zubringen könnte. Sollte man es denn je wollen…

Der große Negativpunkt, der mir hier sauer aufstößt, ist der oft stark in eine obszöne Richtung tendierende Schreib- und Sprachstil, der das Werk, das als so hochgelobtes geniales Gedankenexperiment hingestellt wird, in meinen Augen manchmal ziemlich lächerlich und abstoßend wirken lässt. Ich weiß nicht, ob es von Scarlett Thomas in diesem Maße beabsichtigt war, eine derart abstoßende Persönlichkeit wie Ariel Manto zu kreieren; eine Anti-Heldin, wie sie im Buche steht, die mit ihrem Leben hadert, sich wünscht, nie geboren worden zu sein, und über die Dinge in ihrem Umfeld in einem Maße abfällig redet, dass es schon oft wehtut.

Immer, wenn seitens des Lesers Interesse aufkeimt, einer Debatte folgen zu wollen, kommt Ariel daher und wirft ihre Gedanken über ihre letzte Bett- (oder Toiletten)geschichte. Das störte mich doch teilweise ganz enorm und nahm mir viel eines aufkeimenden Lesespaßes.

Fast 600 Seiten stark ist dieses Buch und wenngleich nur ein Taschenbuch (vielleicht hat es der Verlag nicht als rentabel erachtet, da zuerst eine gebundene Variante herauszugeben) und ich hätte mir ab und zu gewünscht, dass Passagen nicht so künstlich ausgerollt werden würden – Passagen, die für den Fortgang der Geschichte nur bedingt von Relevanz sind. Besonders am Anfang dehnt Scarlett Thomas die Berichte über die Troposphäre und ihre Gedankenreisen sehr enorm, ohne dass für den Leser nennenswert Neues dabei herausspringt.

Ganz im Gegensatz dazu beschlich mich am Ende das Gefühl, dass nun alle Anstrengungen darauf verwandt werden, die Geschichte nur ganz, ganz schnell zu ende zu bringen, wodurch hier ein konfuses Ende herhalten durfte, das zum Teil sogar lächerlich wirkt, wenn ein Geistlicher, der Ariel liebt (beruht, was bei ihr selten ist, sogar auf Gegenseitigkeit), nachdem er Gott getroffen hatte, mit zwei Panzerfäusten in der Troposphere neben ihr steht, um ihren Feinden zu begegnen.

Da hätte ich mir wirklich ein nicht ganz so abgedrehtes Ende gewünscht.

Aber oft hat es den Anschein, dass die Autorin den Ansprüchen, die sie mit dem Buch bedienen möchte, nicht zur Gänze bewusst ist. Dabei bekommt die Mischung aus Pseudo-Fantasy, Science-Fiction und magerem Thriller der Wissenschaftlichkeit des Themas nur bedingt und spricht nicht an, auch wenn es durch diese Mischung wohl beabsichtigt war, ein großes Publikum zu erreichen.

 

So bleibt mir abschließend noch zu sagen, dass ich bei meiner Empfehlung wirklich hin- und hergerissen bin. Lasst euch jedenfalls nicht von dem Cover täuschen! Wer sich schon immer für Gedankenexperimente oder Gedankenreisen, wissenschaftlich aufbereitet, interessiert und sich auch von dem Schreibstil nicht stören lässt, der findet hier wohl eine gute Lektüre. Wahrscheinlich ist mir der beabsichtigte Kern der Erzählung einfach nicht klargeworden.

Eines jedenfalls ist gewiss: das ist nichts mal für „so nebenbei“ und ist man sollte auch längere Zeit für die Lektüre einplanen.

Wer hingegen für Philosophie und Naturwissenschaft gar kein Ohr hat, dem empfehle ich das Buch unter gar keinen Umständen, denn das wäre für denjenigen nur eine Quälerei ohne Nutzen.

 

Ich selbst bin froh, es endlich beendet zu haben, und ich glaube kaum, dass ich es nochmals lesen werde.

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

 

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