„Duell im Schatten“ von Romy Fölck

Und wieder einmal durfte ich an einer schönen Leserunde teilnehmen und bekam dafür sogar ein handsigniertes Exemplar zugesendet.
Der Gegenstand dieser Rezension ist der kürzlich erschienene Kriminalroman der sächsischen Autorin Romy Fölck mit dem spannend klingenden Titel Duell im Schatten.

 

Ein paar Worte zur Autorin

Geboren 1974 in Meißen verschlug es Romy Fölck bald nach Dresden um dort Jura zu studieren. Dabei lernte sie die Stadt nach ihrer Aussage „kennen und lieben“. Seit 2002 verschlug es sie nach Leipzig, wo sie seitdem lebt und arbeitet. Dabei verfasste sie neben Duell im Schatten noch zwei weitere Kriminalromane, schreibt Kurzgeschichten für Zeitschriften und Anthologien und veröffentlicht selbst Rezensionen auf Internetportalen.

 

Was passierte im Schatten von Dresden?

Während die junge Kriminalkommissarin Conny Clausius mit ihrem Freund und Strafrichter Raik Winter einen schönen Urlaub in Umbrien verbringen will, wird in Dresden am Blauen Wunder die Leiche des in die Jahre gekommenen Restaurantbesitzers Goran Micics aufgehängt. Auch wenn man zuerst von einem Selbstmord ausgehen will, wird schnell klar, dass es ein grausamer Mord war, denn der Kroate wurde vor seinem Tod noch mittels U-förmiger Eisen gebrandmarkt und gefoltert, sowie anschließend in eine alte Priesterrobe gehüllt.
Da bei der Mordkommission chronischer Personalmangel herrscht, beordert Hauptkommissar Clemens Ludwig Conny kurzerhand und schweren Herzens aus ihrem Urlaub wieder zurück in die sächsische Landeshauptstadt. Raik, darüber gar nicht erfreut, streitet sich daraufhin mit Conny, der ihr Job vor allem geht und ihre Beziehung gerät aus den Fugen.
Als eine Mitarbeiterin des toten Restaurantbesitzers, Marijana, Raik, den sie noch aus seiner Studentenzeit als Besucher des kroatischen Restaurantes, um Hilfe bittet, unterstützt er sie hilfsbereit beim Ausräumen des Kellers. Dabei stößt er auf eine alte Kiste und beim Öffnen dieser fällt ihm neben einer Bibel, eines Rosenkranzes, einer Pistole und einer verblichenen Fahne auch ein Totenkopfschädel in die Hände.
Nun beginnen die Mühlen zu arbeiten: war der als liebenswürdig bekannte Goran Micic etwa in den 30er und 40er Jahren ein Anhänger der faschistischen Ustascha-Bewegung, die in dieser Zeit mit Billigung der Nationalsozialisten in Kroatien Serben, Sinti und Roma sowie Juden ermordeten? Oder hatte man ihm da absichtlich derartige Beweismittel untergeschoben, um ihn in den Verdacht zu rücken? Denn warum ist die Pistole, die man in der Kiste fand, dieselbe, mit der Micic vor mehr als 60 Jahre angeschossen wurde?

 

Meine Meinung

Ich freute mich ganz besonders auf diesen Kriminalroman, da er in Dresden spielt und ich diese schöne Stadt kenne und liebe. Ein Krimi vor der Kulisse dieser geschichtsträchtigen und auch von Narben, wie es im Roman so schön heißt, gezeichneten Stadt, bietet auf alle Fälle viel Stoff.
Und so schafft es Romy Rölck hier auch sehr stilsicher und mit gut recherchierten Fakten ein interessantes Geschichtennetz aufzubauen, in dem sowohl die kroatische Ustascha und die Zerstörung Dresdens als historische Fakten eine Rolle spielen, aber auch das Schicksal der Menschen von damals und heute in einen wunderbaren Kontext gestellt werden.

Erst durch den Fall erkennt die ehrgeizige Conny, dass sie durch ihren Arbeitseifer dabei ist, ihren Freund, der es leid ist, immer die zweite Geige spielen zu müssen, zu verlieren. Aber auch zu anderen Personen der Erzählung bauen sich wunderbare Beziehungen auf. Alle vorkommenden Personen, die für die Geschichte relevant sind, wurden sehr luibevoll beschrieben und sind in ihrer Art einzigartig. Besonders schön fand ich die Person der Ilse Fiedler – eine betagte, aber noch rege Frau, die ursprünglich aus Dresden stammte und die schreckliche Bombennacht im Februar des letzten Kriegsjahres miterleben musste. Nachdem sie aus Dresden weggezogen war, sprach sie jahrelang nicht über diese traumatisierende Erlebnis. Erst nachdem sie nach Dresden zurückgekommen war und Conny sie zum Fall des erhängten Micics befragen möchte, beginnt sie davon zu erzählen. Und genau diese authentische und markerschütternde Erzählung war mein persönlicher Höhepunkt. Sie war wunderschön und zugleich traurig. Ich konnte mir durch diese Erzählung das Grauen vorstellen, dass damals in Dresden gewesen sein muss, auch wenn meine Vorstellung den Schrecken wohl niemals ganz abbilden kann. Vielleicht sollte ich froh darüber sein…

Auch bei der Schilderung der Sehenswürdigkeiten (die fast allesamt im Text kursiv herausgehoben wurden) ist Romy Fölck sehr genau. Wer schon einmal die schöne Barockstadt besucht hatte, konnte sie vieles bildlich vorstellen und quasi mit den Protagonisten einen Streifzug durch die Stadt unternehmen. Auch wenn das anfänglich ein bisschen den Beigeschmack eines Reiseführers hatte.
Es ist schön, Raik und Conny dabei zu beobachten, wie sie unbewusst, trotz dass sie sich eigentlich voneinander distanziert hatten, am gleichen Fall arbeiten und sich gegenseitig unterstützen und Hinweise zuspielen, sodass sie am Ende erkennen, dass sie doch eigentlich zusammenpassen. Dabei ist die Charakterentwicklung glaubhaft geschildert.

Dabei verliert man aber nie den eigentlichen Mordfall aus den Augen. Für mich waren die ganzen Verbindungen und Verdachtsfäden, die gezogen wurden, hochspannend zu lesen und ich konnte manchmal das Buch gar nicht aus den Händen legen, weil ich wissen wollte, welche Geheimnisse als nächstes gelüftet werden. Dabei hat die Autorin sich aber hier auch gut mit der Materie befasst. Nicht nur die Arbeit der Mordkommission war sehr glaubhaft und nachvollziehbar, sowie auch interessant (besonders den Arzt mit seinem trockenen Humor schätzte ich sehr), auch die Schilderung der Bombennacht und der Ustascha, beziehungsweise der Zustände in Kroatien waren gut beschrieben.
Dabei ließ sich das Buch wirklich sehr gut lesen, der Schreibstil ist eingängig und ermöglicht ein schnelles, unkompliziertes Schmökern. Zum Entspannen trotz der bitteren Thematik trotzallem geeignet.
So kann ich dieses Buch durchaus jedem empfehlen, der ein historisches Interesse hat oder einfach mal wieder einen guten Kriminalroman lesen möchte!

 

Eckdaten zum Buch

Titel: Duell im Schatten
Autor: Romy Fölck
Verlag: krimkahl
Jahr: 2012
Seitenzahl: 261 Seiten
ISBN: 978-3-938916-18-6
Preis: 10,90 Euro

 

Weitere Bücher der Autorin

Täubchenjagd
Blutspur

 

 

Live. Love. Be. Believe.

Eure Shaakai

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