»Uhrwerk Venedig« von Lucas Edel

Wie wäre eine Welt geworden, wenn es technische Erfindungen, wie Elektrizität, motorisierte Fahr- oder Werkzeuge oder Computer schon viel früher gegeben hätte. Beispielsweise in der Renaissance, in Italien, des Heimatlandes großer, berühmter Genies wie Leonardo daVinci.
Die vorliegende Anthologie befasst sich genau damit.
Als erste deutschsprachige Sammlung von Kurzgeschichten des, hierzulande noch unbekannten Genres Clockpunk macht sie natürlich neugierig und weckt Fragen.
Was genau hat es mit Clockpunk auf sich?

Dabei stellt der Herausgeber der Anthologie, Lucas Edel, dem Leser in seinem Vorwort eine Erklärung des Genres voran.

Was also ist „Clockpunk“?

Vielen wird wohl nur der Begriff „Steampunk“ etwas sagen, aber im Gegensatz zu diesem (in dessen Mittelpunkt dampfbetriebene Erfindungen stehen), wendet am sich im „Clockpunk“ eher Uhrwerken, Zahnrädern und anderen kleinen Instrumentarien zu.
Dabei verbindet man diese mit der Geschichte und schafft so eine Art historisches Science-Fiction .
Meine Meinung
Die Anthologie beginnt recht ruhig mit der knappen Kurzgeschichte von Emilia Dux‘. Als Einstieg bestimmt nicht schlecht, da sie dem neugierigen Leser erst einmal einen guten Einblick in das Genre gibt, ohne ihn zu überfordern. Allerdings war mit persönlich die Kurzgeschichte etwas zu durchschaubar und seicht – aber diese Meinung hatte ich erst, nachdem ich die übrigen Geschichten las, von daher ist sie, wie gesagt, als „Eröffner“ der Sammlung sehr gut.
Aber schon mit der nächsten Geschichte von Dirk Ganser, die ich gleichzeitig auch als den Höhepunkt der Anthologie betrachte, war ich in der Thematik und gefesselt davon.
Allein der Gedanke, wie man die Geschichte um Leonardo daVinci und seine Helfer mit Zukunftsvisionen und Erfindungen, sowie auch Spannung und Nervenkitzel verbinden kann, ist hier fesselnd. Ganser gelingt diese Verbindung in seiner Kurzgeschichte ideal, was sie spannend und zum Teil auch informativ hält.
Leider schafften es dir folgenden Geschichten nicht mehr recht, mich zu faszinieren und ständig beim Lesen zu halten, obwohl die Ideen, die hinter den Erzählungen steckten, doch sehr gut durchdacht waren. Besonders medizinische Erfindungen scheinen es den Autoren angetan zu haben. Da werden künstlich betriebene Metallherzen verpflanzt oder kleine Maschinchen entworfen, die lästige Gallensteine entfernen sollen. Nebenbei werden unsere Erfinder und Genies aber auch von den damaligen Problemen und Fragestellungen nicht verschont. Welche Verpflichtungen ein Erfinder mit seiner Erfindung eingeht, wird eindrücklich in Die zwei Seiten der Medaille dargestellt, denn „eine Maschine, die Leben retten kann, kann auch Leben zerstören.“
Die Spannung war nicht immer gegeben und zum Teil waren in meinen Augen manche der Kurzgeschichten auch länger, als es ihnen gut tat, wodurch man beim Lesen ab und zu auch mal den Aufmerksamsfaden verlor, jedoch reißen die Gedanken, die hinter den Erzählungen standen, das wieder raus. Für fast jeden Technikinteressierten ist in dieser Anthologie etwas dabei, denn sowohl medizinische Themen, als auch eine gehörige Portion Action, wenn man mit motorisierten Booten durch die schmalen Kanäle Venedigs rast, und Nachdenklichkeit sind vertreten. Dabei war ich mir allerdings bei den medizinischen Themen nicht immer ganz sicher, ob das korrekt ist, wenn man beispielsweise ein Operation einfach so am offenen Brustkorb bei Kerzenschein ausführt und dann einen metallenen Fremdkörper anstelle des Herzens einsetzt.

Aber den einzigen wirklich Kritikpunkt, der mir sauer aufstößt, ist eine für mich unverhältnismäßig hohe Zahl an Rechtschreibfehlern in den Texten – ich weiß nicht, ob die Printversion davon befreit wurde, aber jedenfalls in meiner eBook-Version waren es schon eine Menge und ich würde mir wünschen, dass diese bis zur nächsten Auflage beseitigt werden.

Sonst denke ich jedoch, dass hier durchaus eine solide und interessante Anthologie vorliegt, die es sich zur Aufgabe macht, mit kleinen, unterhaltsamen Geschichten dem Leser das spannende Genre des Clockpunks näher zu bringen und die Frage zu stellen: Was wäre, wenn…?

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