„Bitteres Blut“ von Willi Voss

So, nun bin ich also mit dem Krimi Bitteres Blut des deutschen Autors Will Voss durch. Mein Leseerlebnis könnt ihr jetzt auch hier noch sehen und euch dann, sofern ihr das Buch auch lesen wollt, euch eure eigene Meinung bilden.

 

Wenn eine Leiche so einfach verschwindet, ist das ärgerlich. Und merkwürdig.

Der junge Kriminalobermeister Lorinser ist gerade neu im idyllischen Kleinstädtchen Diepholz in Niedersachsen angekommen, als er schon den ersten Auftrag bekommt.

Der Bauer Hollenberg, der in aller Früh die Polizei alarmiert hatte, deutet auf eine Stele und behauptet, dass Thorsten Böse, der im Dorf als Schürzenjäger und unausstehlicher Snob gilt, dort an einem Strick gebaumelt haben soll. Aber davon ist jetzt nichts mehr zu sehen – außer ein blutiger Strick und ein Turnschuh auf der Wiese.

Man will den Fall in Lorinsers Dienststelle schon zu den Akten legen, aber der diensteifrige Kriminalobermeister will so schnell nicht aufgeben und ermittelt.

Dabei muss er sich mit der leidigen Bürokratie herumschlagen und feststellen, dass in den kleinen Dörfern am Dümmer See vieles nicht so ist, wie es scheint und das so manche Leiche in den Kellern der Anwohner sind.

 

Das klingt schon alles sehr interessant und vielversprechend, wenn auch nicht neu. Aber schließlich will ein Krimi ja Spannung beim Leser erzeugen und ihn gegebenenfalls noch dazu animieren, selbst mitzurätseln, wer nun der Täter gewesen sein könnte.

Der Einstieg selbst ist gelungen und weckt die Neugier des Lesers. Er erfährt die wichtigsten Details, bekommt Lorinser und seine Kollegen vorgestellt, sowie einen ersten Einblick in das beschauliche Dorfleben.

Dabei gelingt es Voss durchaus, das Dorf in seiner Abgeschiedenheit gut und anschaulich darzustellen und auch die kleinen Marotten, die die alteingesessenen Leute haben, mit in die Erzählung einfließen zu lassen. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, dass die Bewohner des Dörfchens Lorinser als Hinzugezogenen mehr als misstrauisch beäugen. Dieses ändert sich auch erst zum Schluss des Kriminalromans, als sich Lorinser quasi „bewiesen“ hatte. All das war für mich recht glaubhaft.

Der Redestil der Menschen war sehr authentisch gehalten und er ließ auch den typischen Dialekt mit einfließen, sodass man beim Lesen quasi nah an den Menschen war. Ich selbst bin zwar nicht immer ein Freund des „dialektischen Wortes“, aber es unterstreicht doch ein gewisses Menschenbild. Auch ist es sehr schön, dass sich der Sprachstil zu Teil wirklich von Person zu Person unterschiedlich ist, was es spannend macht, auf immer neue Bewohner zu treffen.

Das Problem bei diesem Roman war für mich die ziemlich seicht gehaltene Spannung. Sicherlich besteht das Leben eines Kleinstadt-Komissars nicht nur aus wilden Verfolgungsjagden und blutigen Schießerein, aber andauernd dem leicht übermotivierten Lorinser dabei zuzuschauen, wie er von einem Punkt zu nächsten in seiner klapprigen Isabella kurvt und Leute befragt, war auch nicht immer hochspannend zu lesen – und so verlor ich, auch in Anbetracht der vielen zu nennenden Personen, schnell mal den Faden und ich hatte nie dieses „Diese Seite musst du auch noch lesen“-Gefühl. Ich habe den Roman nur gelesen, um an Ende zu wissen ob meine Vermutung, die ich etwa ab Hälfte des Krimis hatte, richtig war. Sie war zum Teil.

Ansonsten ließ sich das Buch leicht, flüssig und sicherlich leicht lesen, aber eben wirklich nur „so nebenbei“, da die Spannung fehlte, die eine Geschichte so fesselnd gestaltet, dass man das Buch nicht aus der Hand legen will. Erst gegen Ende des Krimis wurde es rasanter und spannender; ich war gespannt auf das große Finale, dass dann auch nicht enttäuschte. Es war glaubhaft und der Krimiknoten im Fall „Thorsten Böse“ interessant gelöst.

Schwierig, und damit stehe ich sicherlich nicht allein, waren die vielen Handlungsstränge, die in die Geschichte eingebracht und der Enden dann aber leider manchmal offen baumeln gelassen wurden. Für den Leser, der sich eine Relevanz für den Fall erhofft und erwartet, ist es teilweise verwirrend, wenn noch drei oder vier andere Handlungsstränge eingebracht werden, die aber so schnell, wie sie eingeführt werden, auch wieder fallen gelassen werden. Der Leser bleibt etwas ratlos zurück. Zum Teil kam es mir wirklich vor, als würde ich das Drehbuch für eine Mischung aus „Tatort“ und „Niedrig und Kuhnt“ lesen – bei einem Film mag das Konzept aus mehreren Handlungssträngen in Verbindung mit der Einbringung aus persönlichen Konflikten, die nicht konkret gelöst werden, des Protagonisten funktionieren, aber hier in diesem Buch lässt es den Leser doch etwas unbefriedigt und irritiert zurück.

Es war dagegen aber auch schön, einen guten Einblick in Lorinsers Gedankenwelt zu bekommen: warum ist er so, wie er ist? Wichtig, um sich mit den Personen identifizieren, oder wenigstens mit ihnen mitfühlen zu können. Denn gerade da hatte ich bis etwa zu 2/3 des Romans erhebliche Schwierigkeiten. Nahezu keine der Personen war mir auch nur ansatzweise sympathisch – alle waren auf die gleiche Weise kalt, abweisend, in sich zurückgezogen oder auf irgendeine Art „verrückt“. Zum einen ist das gut, um das Denkmuster, dass in solchen verschlafenen Dörfern herrscht, zu illustrieren, aber zum anderen machte es mir größere Schwierigkeiten, dass die Figuren für mich greifbar und „fühlbar“ wurden.

 

So ist mein Fazit dahingehend, dass dieser Kriminalroman eine nette Abwechslung darstellt, aber mich auch nicht wirklich umgehauen hat, da es ihm in meinen Augen wirklich an der nötigen „Fesslungskraft“ fehlt und er mich in einigen Fragen auch etwas unbefriedigt zurückließ.

 

Live. Love. Be. Believe.

 

Eure Shaakai

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